Life

NEUJAHRSVORSATZ 2019 – #MehrFokusMehrLiebe

Es fällt mir tatsächlich gerade echt schwer, diesen Beitrag zu verfassen, meine Gedanken niederzuschreiben, mich auf die Worte zu fokussieren. Mein Inneres, in meinem Kopf, in meinen Gedanken geht es zu, wie in Shibuya Crossing – im Grunde geordnet, aber doch totales Chaos, wirr und viel zu viel los.
Derzeit fällt es mir schwer, Gedanken und Geistesblitze zu halten, ihnen Raum zu geben und mich mit ihnen zu beschäftigen, denn hier ist einfach zu viel los. In meinem Kopf und außerhalb. Es gibt zu viel Ablenkung, zu viele Dinge die mich aus der Konzentration reißen und oft muss ich mitten im Schreibfluss aufhören. Das kann einen manchmal ganz schön

In meinem Kopf gibt es diese Schublade, total überfüllt mit einer Zettelwirtschaft, wie man sie sich kaum vorstellen kann; die Schublade geht kaum noch zu und geordnet ist darin auch nix. Alle Zettel sind reingestopft, reingeknüddelt und sie ist kurz vorm Platzen. Ich stelle mir das vor, wie in einem Cartoon: Diese Schublade ist schon nicht mehr eckig, sondern rund und bei jedem neuen Zettel, der hineingestopft wird, zittert die Schublade mehr und mehr und droht jeden Moment aufzuspringen und den gesamten Inhalt in hohem Bogen auszuspucken.

Auf diesen Zetteln stehen meine Gedanken, meine Ideen, meine Pläne. Oft nur ein Wort. Hin und wieder Stichpunkte. Ganz alte sind doch ein wenig mehr ausformuliert. Seit einiger Zeit komme ich einfach nicht mehr dazu, mich meinen Gedanken hinzugeben, meinen Gedanken Zeit zu schenken,  auf ihnen herum zu denken, sie auszuformulieren und zu Plänen umzuformen und sie dann auch in die Tat umzusetzen. Oft entsteht daraus eine Kurzschlussreaktion und aus einem kurzen Gedankenblitz wird ganz schnell eine Amazonbestellung, die dann – aus Zeitmangel – im Schrank landet.

Oooooh… das frustriert mich! Es frustriert mich auf maximalstem Level! Es macht mir oft schlechte Laune und wenn ich mir vor Augen halte, zu wie vielen Dingen und Gedanken ich nicht komme, umso mehr bin ich von mir selbst enttäuscht. Und tatsächlich gehe ich da auch sehr hart mit mir ins Gericht, mache mir Vorwürfe mich nicht aufs hier und jetzt zu konzentrieren, mich auf wichtige Dinge zu fokussieren und die Ablenkungen einfach auszublenden.
Doch mit einem Baby und einem aktiven kleinen Mädchen geht das nicht so einfach.

Jedes Stückchen Freizeit und Arbeitszeit muss zur Zeit erkämpft oder geplant werden. Und mit einem zweiten Kind läuft nicht alles automatisch genau so weiter, wie es vorher lief. Geht gar nicht, denn die Routinen sind komplett entgleist und müssen sich langsam neu einspielen. Besonders dann, wenn das Baby voll gestillt wird und du die einzige im Haushalt mit den Brüsten bist, die die Milch produzieren. Und wenn das Baby sich dazu entscheidet, eher Nachts schlafen zu wollen und tagsüber nur kurze Powernaps braucht, um die Batterien wieder auf 500% aufzuladen. Yey!
Nicht zu wissen, ob man nun 5 Minuten, 20 Minuten oder doch eine ganze Stunde Zeit hat, macht die Planung nahezu unmöglich. Hinzu kommen Wünsche, Pläne und Ideen, die ich umsetzen will und schon haben wir eine explosive Mischung mit vorprogrammierter Enttäuschung. Herzlichen Glückwunsch!
Nein, ich beschwere mich nicht, dass der Bub nachts lieber schläft, als tagsüber! Ich bin ihm seeeeehr dankbar für sein nächtliches Schlafbedürfnis. Aber ein tagsüber sehr forderndes Baby zu haben (und ich meine damit „MAMA! Schenke mir deine 100% Aufmerksamkeit! NEIN, mach nix anderes nebenbei, sondern SPIEL MIT MIR!!! SCHAU! MICH! AN!“), macht das Arbeiten auch nicht unbedingt leichter. Jede Variante hat Vor- und Nachteile.

Dass sich das wieder ändern wird, weiß ich. Und das hoffe ich auch. Klein sind sie ja nun einmal nicht sehr lang und da möchte ich auch einfach jeden Moment genießen. Typisch Mutter – stecke da voll im Zwiespalt zwischen: „Lass mich in Ruhe, ich will arbeiten! Wann kann ich dich endlich in die Krippe geben?!“ und „Aaawwwwwww, hoffentlich verlässt du niiiiiiiemals das Nest!!„.

Ich brauche Mechaniken, um meine Ideen und Projekte nicht in meinem Gedankenwirrwarr zu verlieren, ihnen, meiner Arbeit, mir und den Kindern gleichermaßen gerecht zu werden – den Fokus nicht zu verlieren.

Gerne denke ich in solchen Situationen, wenn ich das xte Mal aus meinen Gedanken und beim Tippen eines Textes rausgerissen werde, wie schön das damals war, als ich Single war und allein wohnte – ich schrieb wann und wie lange ich wollte an meinen Texten herum, schrieb so viel ich wollte an einem Tag und konnte völlig selbstbestimmt entscheiden, wann ich anfange oder auch aufhöre und Pausen machte. Später nahm ich mir mit Jakob ewig und drei Tage Zeit, um Videos zu drehen, Fotos zu machen… alles war ein bisschen entspannter.
Heute, gerade jetzt, ist vieles fremdbestimmt. Meine Zeit ist limitiert durch (nicht eingehaltene) Mittagsschläfchen, Ballettkurse, Schwimmkurse, Stillpausen und so weiter. Auf der einen Seite wollte ich es so und bereue es in keiner Sekunde. Auf der anderen Seite schraube ich die Erwartungen an mich selbst eher höher, als dass ich sie anpasse. Konfus, nicht wahr? Niemand würde auf die Idee kommen, mit 20 vollen Einkaufstüten einen Marathon zu laufen und dann als erster ins Ziel zu kommen. Mir scheint, ich versuche es wohl und nehme an jeder Meilenmarkierung noch eine Tüte extra mit.
Betrachtet man die Situation anhand dieses Vergleichs, scheine ich ja einen Sockenschuss zu haben!

Klingt nach „regretting Motherhood“? Nein. Auf keinen Fall. Ich finde nichts falsch daran, in manchen Situationen ein „was wäre wenn?“ Gedankenspiel zu machen, an die alten Zeiten zu denken oder diese auch zu vermissen. Das hat nichts mit Bereuen zu tun. Aber gerade dieses Gedankenspiel ist wichtig, um mir bewusst zu machen, was sich verändert hat und wo ich nun ansetzen muss, um alles wieder unter einen Hut zu bekommen.

ich brauche mehr Fokus.

Ich möchte mich gerne – beruflich und privat – neu, besser, genauer fokussieren. Klare Ziele setzen und ihnen auch Raum geben – mir den Raum geben und nehmen – sie zu verfolgen und umzusetzen. Ich möchte mich wieder auf das wesentliche besinnen, mir klarer vor Augen halten wo ich hin will und diesen Weg dann auch einschlagen und zu ende gehen. Den ersten Schritt zu machen reicht nicht, wenn man nach wenigen Metern aufgehalten wird.

Ich will wieder den Überblick bekommen, um genauer, klarer Ziele setzen zu können – ob nun im Privatleben, Beruf oder auch sonst wo.
Seit geraumer Zeit misten wir bei uns zuhause aus. Das fing mit dem Moment an, als klar wurde, dass Paul früher oder später in sein eigenes Zimmer ziehen soll und wir somit unser Arbeitszimmer auflösen müssen. Ein aufgelöstes Arbeitszimmer macht unglaublich viel Chaos, denn all die Akten, Materialien und Dinge&Sachen müssen woanders untergebracht werden. Die Kettenreaktion ist enorm, wenn sich ein Zimmer quasi auflösen muss, der Inhalt dieses Zimmers, der Schränke und der Stauraum für Dinge und Sachen jedoch weiterhin benötigt werden. Der Inhalt von allen Schränken muss kontrolliert, neu sortiert und auch aussortiert werden. Eventuell neue Schränke besorgt werden. Ein Ordnungssystem erarbeitet und sich daran auch gehalten werden. Das gleichzeitige Beschäftigen von 2 Kindern und auch das selbstständige Arbeiten währenddessen ist nicht immer unbedingt easy, weswegen sich das bei uns doch länger hinzieht, als wir annahmen. Zeitweise waren mehrere Räume in einem Zwischenzustand und ließen uns emotional irgendwo zwischen Zwielicht und Limbo hängen, mit teilweise keiner Aussicht auf Besserung. Ausmisten, Sortieren, neu sortieren, Ordnungssystem erarbeiten, Dinge verkaufen, verschenken, wegwerfen… das kostet Zeit, Konzentration und vor allem Energie. Wenn alles rar ist, wirds eng. Ich weiß aber ganz genau, dass sowohl das Energielevel, als auch die Zeit am Ende drastisch ansteigen werden, wenn diese Großaufgabe endlich erledigt ist. Ich, bzw. wir brauchen da Fokus, um uns zu sortieren, um am Ende mehr Fokus zu ernten. Gleiches gilt für das Thema „viele Dinge besitzen„.
Ist natürlich auch eine Berufskrankheit – viele Dinge hier zu haben. Für einen Blogartikel, ein Video, einen Job oder ein Projekt habe ich dann zB. nicht nur eine Bodylotion, sondern direkt 6 oder mehr und teste sie, vergleiche sie, etc. Gleiches gilt für Makeup, Haarspray… u name it. Das will ich nicht missen, das ist mein Job, das ist genau das, was ich an Anspruch an mich und die Texte habe und habe da in den letzten Jahren auch ein ganz gutes System entwickelt, da beim Equipment Ordnung zu halten. Bald wieder in ein Office zu ziehen, ein Studio einzurichten, um dort zB. das Equipment zu lagern, welches aktuell noch immer keinen Platz hat (ein aufgelöstes Arbeitszimmer ist echt kein Spaß und Backdrops, Softboxen, Stative… nehmen doch mehr Platz ein, als ein Staubsauger), ist gar nicht so abwegig. Warum wir unser letztes Studio aufgelöst haben und ins Homeoffice gezogen sind, hatte ich hier schon erläutert.
Schon länger interessiert mich das Thema Minimalismus und auch Jakob ist da voll in die Recherche eingestiegen – dass das jedoch nicht zu 100% was für uns ist, ist klar. Aber (und hier kommt das groooße ABER, welches sich auf JEDEN Bereich übertragen lässt:) man kann sich in ein Thema reinfuchsen und für sich die Dinge rausziehen, die passen, die man umsetzen kann (und will) und die für seine Situation überhaupt möglich sind. Viele Aspekte des Minimalismus sind sehr attraktiv und helfen im Alltag, beim Aufräumen, bei Neuanschaffungen enorm.

mehr Liebe.

Klingt im ersten Moment ziemlich abgeschmackt und generisch, meine ich aber auf ganz vielen Ebenen. Zum Beispiel Selbstliebe. Ich will nicht so hart mit mir selbst sein und meinen Körper, so wie er aktuell ist, nicht leiden mögen. Aktuell will ich ihn aber auch nicht einfach so hinnehmen. Ich habe durch die Schwangerschaft einige hartnäckige Kilos und Wassereinlagerungen, denen es aktuell langsam und vorsichtig (aufgrund des Stillens), bald aber ganz intensiv an den Kragen gehen wird.
Aber ich möchte meinen Körper mit seinen Malen, Makeln und Narben akzeptieren und meine Stimme nutzen, dass auch andere Frauen lernen, sich wieder selbst zu lieben. Auch wenn eine oder mehrere Schwangerschaften oder Wachstumsschübe ihre Spuren hinterlassen haben… Zu all dem #Bodypositivity und #Bodyacceptance, sowie #Selfacceptance und #Confidence gehört jedoch nicht nur ein Foto in Unterwäsche auf Instagram mit dem Lippenbekenntnis, dass man sich ja so ganz ok findet, sondern auch eine ordentliche Portion ehrliches Wohlfühlen dazu. Letzteres fehlt mir, weil es nunmal so ist: aktuell fühle ich mich nicht wohl und das werde ich ändern. Bzw. habe damit schon angefangen – Sport, Ernährungsumstellung.Ich will mich in meinem Körper wieder zuhause fühlen. Somit vermischen sich an dieser und vielen weiteren Stellen die Punkte Fokus und Liebe. Vieles geht Hand in Hand.
Mehr Liebe geben. Ich glaube daran, dass diejenigen, die Liebe geben, auch Liebe zurückbekommen. Wie ein Boomerang kommt das, was man gibt, auch wieder zu einem zurück. Wer sich von toxischen Dingen und Beziehungen befreit, der lebt entspannter. Habe ich für euch bereits in den letzten Jahren getestet und kann es absolut empfehlen!
Mehr Liebe fürs Detail. Hin und wieder finde ich, dass ein wenig die Liebe fürs Detail auf der Strecke verloren gegangen ist. Ob privat oder beruflich. Die Wertschätzung kleiner Dinge, kleiner Details und kleiner Momente ist wichtig. Dass wir auch die kleinsten Etappen und erfolgreichen Momente feiern, haben wir bereits Mitte letzten Jahres offiziell eingeführt und fühlt sich super an. Ein High Five für ein erfolgreich abgeschlossenes Projekt, ein „Wooohooo!“ für erledigte Aufgaben – es sind die kleinen Dinge, die zählen. Und positive Bestärkung für erwünschtes Verhalten ist doch pädagogisch auch für Erwachsene sehr wertvoll :)

 

Wie sieht es mit euch aus?
Macht ihr euch Neujahrsvorsätze? Haltet ihr euch dran? Oder ist das aus Prinzip nichts für euch, denn ihr seid der Meinung: „Wenn ich was ändern will, dann fange ich jetzt und jeder Zeit damit an!“ ?

Schreibts in die Kommentare, ich bin ganz gespannt was ihr euch vornehmt!

 

Zu den Vorsätzen und Hashtags der letzen Jahre geht es hierHierhierhier und hier. Vielleicht ist ja auch was für den einen oder anderen von euch dabei <3

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2 Comments

  • Reply
    Denise
    7. Januar 2019 at 14:42

    Liebe Anna
    Für mich war der letzte Jahreswechsel schon Anlass mich einmal zu schütteln und den Kompass neu auszurichten. Ich verstehe Dich so gut, stecke ich doch in einer ähnlichen Situation mit einer aufgeweckten fordernden 4 jährigen Tochter und einem sechsmonatigen alten Sohn der auch nur betreut kurz schläft, dafür aber häufig was den ganzen Tag zerreisst. An manchen Tagen schaffe ich nicht mal 3 Gläser Wasser zu trinken, von gescheit nachdenken rede ich gar nicht und ich muss nicht selbstständig arbeiten. Dann habe ich das Gefühl dass das Hirn vom Körper abgekoppelt ist und er alleine einfach weiter macht. Ich glaube fest daran, dass mit vortschreitender Zeit und dem Älterwerden deines Sohnes der Fokus wieder kommt. Ich merke es jetzt schon und mein Sohn ist nur ein paar Wochen älter als Paul. Mein Wunsch wäre nur von Herzen, dass Du dich nicht so sehr unter Druck setzt und die Kraft hast die Zeit für dich arbeiten zu lassen soweit das mit Deiner Selbstständigkeit geht. Wir leisten so Großartiges indem wir uns Zeit für die Kinder nehmen und sie individuell annehmen wie sie sind ohne dass sie funktionieren müssen oder sich an das eigene Leben anpassen. Das vergisst man so leicht wenn man abends müde ist und mal wieder denkt man hat nichts, aber auch gar nichts geschafft. Das stimmt nicht, unsere Tätigkeiten sind im Moment nur so schwer messbar. Ich für meinen Teil habe mir vorgenommen zu lernen zu akzeptieren dass das gerade nicht meine Zeit ist und ich es schaffe mich glücklich etwas zurück zu nehmen und glücklich darüber zu sein, dass ich in der Lage bin mir diese Zeit zu nehmen. Ich möchte lernen und lesen in dieser gefühlt gefangenen Zeit zwischen stillen, Wickelkomode, krabbeldecke, Küche und Kita. Und zwar nicht in Whats app oder auf Instagram sondern in Büchern. Denn es gibt die Momente in denen es ausreicht in Sichtweite zu sein und für ein paar Seiten ist immer Zeit. Über diese Zeit möchte ich mich freuen und weniger klagen. Ich möchte mich wie ein kleines Kind freuen über die zunehmenden Momente an denen mein Mann beide Kinder schnappt und ich für Stunden frei entscheiden kann was ich mache. Herrlich! Unsere Zeit wird wieder kommen Anna!!! PS. Gerade lese ich das Buch „Essentialismus“ von Greg McKeown, vielleicht ist das ja auch interessant für Jakob und Dich. Herzliche Grüße und ein gelungenes Jahr 2019 wünscht euch Denise

  • Reply
    Claudia
    11. Januar 2019 at 22:31

    Liebe Anna, ich bin grad hin und weg von deinem Text, auf den ich – ehrlich gesagt – bloß zufällig gestoßen bin. Aber wow, du hast exakt in Worte gefasst, wie sich meine Arbeitssituation in Sachen Blog und journalistischer Arbeit schon ganz lange meistens anfühlt. Die übervolle Schublade von Ideen, die nicht mehr zugeht, die ewige Zerrissenheit zwischen „Ich will doch bloß schreiben, lass mich kurz schreiben“ und „ach Mensch, komm her, ich lese dir doch vor.“ Die Sehnsucht nach mehr Freiheit – und gleichzeitig die Angst davor. Das Spüren von Enden. Der Wunsch zu entmüllen. Oh Gott, sogar die hektischen, meist nächtlichen Amazon-Bestellungen im kurzen Ideenrausch – zu denen ich dann doch nicht komme.
    Danke! Hat mich gerade sehr inspiriert. Und irgendwie beruhigt.

    Liebe Grüße,
    Claudi

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