Advice BABY Life

was wollte ich noch gleich…?

Ich weiß nicht mehr, was ich gerade eben noch machen wollte…

Oder was ich vorhin angefangen hatte. Das ist nicht mehr Stilldemenz im Sinne von Autoschlüssel im Kühlschrank liegen lassen oder den Kaffee sonstwo abstellen und vergessen, das ist totaler Scheiß.
So geht das hier Tag ein, Tag aus: Ich fange etwas an und nach kurzer Zeit wird der Bub wach, weint und will Mama. Papa kann da zur Zeit nur kurz aushelfen, denn Mama ist die einzig wahre Person of Interest. Normal. Total normal.
Nur leider eben auch total scheiße, wenn man was arbeiten will. Oder erledigen will. Oder einfach mal aufs Klo möchte. Das ist ja auch so ein Ding: Kaum berührt mein Hintern die Klobrille, höre ich das bis eben noch tief und fest schlafende Baby weinen. Es ist wach. Will Mama.

Mit Paul haben wir da eh so ein seltsames Los gezogen, denn der Kleine schläft Nachts wie ausgeschaltet, dafür ist er tagsüber komplett angeknipst und schlummert, wenn überhaupt, mal nur für 10-20 Minuten ein. Auf meinem Arm natürlich nur. Lege ich ihn ab, gehen die Augen auf und ein zahnloses Lächeln strahlt einem entgegen. Tadaaa! Mama, zeig mir die Welt!
Ich will mich nicht beschweren – ich bin mehr als froh, dass der Bub den Tag-Nacht-Rhythmus scheinbar schon drauf hat und wir alle mehr oder weniger entspannt schlafen können, während ich ihn im Liegen stille und wir beide dann dabei einschlafen. Breastsleeping, nennt sich das. Las ich die Tage zufällig und freute mich, dass das, was ich intuitiv machte und ich für uns als passend empfunden habe, einen Namen hat und laut irgendwelcher Studien sogar dazu führen soll, dass die Kids superkluk werden. K-L-U-K! Soso. Immer wieder entspannend für die strapazierten und stets auf Spannung gehaltenen Mutternerven, wenn irgendwelche studierten Menschen Dinge benennen und einer Mutter somit quasi den Kopf streicheln und erklären, dass sie doch nicht alles falsch macht. Fühlt sich gut an. Dankeschön.

Schlecht fühl ich mich ja dann nur noch die restliche Zeit in der ich mir wünsche, dass der kleine Sonnenschein doch auch mal tagsüber die Augen ein wenig zu machen würde und ich mich drei Mal im Kreis drehen darf, ohne ihn an der Brust oder auf dem Arm zu haben. Ich fühle mich nämlich an manchen Tagen doch arg „overtouched“. Wieder so ein neu gelerntes Wort. Dinge werden realer, wenn sie benannt werden. Bedeutet genau das, was ihr euch jetzt darunter vorstellt: overtouched ist man, wenn man es keine Sekunde länger aushält, von irgendwem angefasst zu werden. Mütter und Promis bei einem Meet&Greet sind vermutlich diejenigen, die wissen, wovon ich spreche.
Und schlecht fühle ich mich erst recht, wenn ich eigentlich gerade was angefangen und dann wieder abbrechen muss, weil das Baby meinen Typ verlangt. Mittlerweile habe ich so viele Fotos und Screenshots auf meinem Handy, weil ich so am einfachsten festhalten kann, was ich gerade gemacht habe. Da schlummern Screenshots von mehreren Direktnachrichten auf Instagram in meinem Bildschirmfotoordner, weil das Nachrichten sind, die nicht zwischen Tür und Angel beantwortet werden können, sondern ein bisschen Zeit brauchen.
Tagsüber nicht wirklich zu schlafen, kann ja auch nicht ganz so gesund sein für Babies; wann verarbeiten sie denn sonst all die Eindrücke, wenn nicht im Schlaf?!

Ach Mist, ich wollte doch noch…“ ist zur Zeit der von mir am meisten gesagte Satz in den letzten Wochen. Ich könnte mittlerweile kotzen, wenn ich mich das sagen höre. „Ich wollte doch noch…“ bedeutet für mich übersetzt: Hab ich wieder einmal nicht geschafft.

Stop. Schnell in irgendwas positives umformulieren, sonst klinge ich noch depressiv: Also… Ich habe die Prioritäten anders gesetzt. Könnte man sagen.
Ist aber gelogen. Denn es wurde mehr oder weniger fremdbestimmt. Baby first! Tut den Ohren und den Nerven aller Beteiligten am Besten. Aber was hab ich gerade eben noch gemacht? Jetzt hab ich es vergessen…
Während des Stillens beantworte ich Mails, scrolle durch Instagram, Twitter, Facebook, wieder Emails… Notizen für ein Blogposting, ToDo Listen ergänzen, Einkaufsliste und den groben Speiseplan für die kommende Woche oder nächsten Tage erledigen. Oder mich einfach mal treiben lassen und das Baby anstarren. Wann ist er so groß geworden? Werden seine Haare eigentlich jemals wachsen? Wie schön, seine Augen werden mehr und mehr Grün – wie meine <3

Runtergeschrieben klingt das alles nach viel, aber es bleibt ja dann doch so viel liegen. Und den Kopf frei, um mich ausgiebig und intensiv mit Recherche und Blogpostings zu beschäftigen, habe ich nicht immer. Und das fehlt mir. Ist doch meist die Recherche das Spannendste an einem Artikel. Das Reinfuchsen in ein Thema, das Zusammensuchen der Fakten und Informationen, dann das grobe Konstrukt bauen und zum Schluss mit einer Story ausschmücken. Dauert oft Stunden. Und wie sehr ich mich darin verlieren kann, sieht man dann oft an den umfangreichen Artikeln.
Aber eigentlich komme ich doch zu nix, weil der Bub am liebsten bei mir abhängt. Aber ich habe ihn ja auch am liebsten bei mir. Und auch nicht. Ker, dieser Zwiespalt macht wahnsinnig! Ich will ihn am liebsten den ganzen Tag nur knuddeln und bei ihm sein, aber dann auch ein bisschen Zeit für mich haben und arbeiten können.

Und dann ist da ja auch noch das große Mädchen, das auch Zeit mit Mama haben will. Umgekehrt natürlich auch…

Hast du schon… „, fragt Jakob vorsichtig und spätestens beim 4. Mal bin ich mit mir selbst und der Gesamtsituation so unzufrieden, dass meine Stimme lauter wird und beinahe bricht: „WANN DENN?!?„.
Er fragt nur nach. Er hakt nur nach, weil er auch seine To Do Liste durchgeht. Und er sieht auch, dass ich nicht dazu kam und fragt, um mich daran zu erinnern. Aber wann soll ich diesdasananas denn machen, wenn ich … ach. Ausreden? Vielleicht. Nein. Weiß ich nicht.
Wenn dann Hashtags auf Twitter umgehen mit Tweets zu #ehrlicheEltern gibt es doch dann die eine oder andere Story, die man kennt, so ähnlich erlebt und einfach merkt: Ok. Ich bin nicht allein. Ach, fühlt sich gut an!
Allein ist man eh nie mit seinen Problemen und Gedanken. Das habe ich gerade in den letzten Jahren als Mutter erlebt; irgendwen gibt es immer, der eine ähnliche Sorge, ähnliches Problem oder genauso Kummer hat, wie man selbst. Und daher bin ich der 100%igen Überzeugung, dass es noch mindestens eine andere Mom auf diesem Planeten gibt, die sich ebenfalls in den Mund kotzt, wenn sie sich selbst noch ein Mal „Ach, das wollte ich doch eigentlich noch machen…“ sagen hört.
Sister, i feel u! Zusammen fühlt man sich weniger schlecht, schuldig und macht sich Vorwürfe. Wenn wir laut sagen, dass nicht alles picture perfect ist, geht es uns gemeinsam besser!

Eltern sein ist hart. Es wird mal leichter, mal schwerer. Mal komplizierter und mal so richtig beschissen. Mal wünscht man sich die Kids auf den Mond und mal will man sie gar nicht mehr los lassen. Mal bringen sie einen um den Verstand und dann sind sie wieder so zuckersüß, dass alles vergeben und vergessen ist. Kinder sind eben Kinder. Und sie sind wundervoll!

Ich habe gelernt, die kleinen Dinge zu feiern. Oder zumindest mich darüber zu freuen, was geschafft wurde. Und wenn etwas erledigt wurde, was nicht auf der ToDo Liste stand, wird es schnell draufgeschrieben, um dann das Erfolgserlebnis zu haben, wenn man den Task durchstreicht. Smart, nicht wahr?

Und dann stelle ich plötzlich fest, dass ich ein wenig mehr Zeit habe, weil der Bub doch mal länger schläft, als nur 15 Minuten und ich bin tatsächlich ein bisschen überfordert: Was mach ich denn jetzt? Wo fange ich an?
Vielleicht am Besten bei mir und tue das, was ich gerade will und nicht, was von mir verlangt oder erwartet wird: Ich gehe einfach mal in Ruhe aufs Klo.

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2 Comments

  • Reply
    Stuss - HH
    11. Dezember 2018 at 16:08

    Liebe Anna,

    Ich habe drei Toechter. Sie sind 8, fast 4 und 5 Wochen alt. Also ja, i feel u.
    Meine Kinder haben quasi alle (beim dritten bezweifle ich, dass es anders wird) das erste Jahr auf/an mir gelebt.
    Das ist schön, aber auch schön anstrengend. Man lernt, dass Duschen in 2 Minuten möglich ist, obwohl man kinderlos schon dachte schnell zu sein, das Tragetuch ist mein bester Freund und erleichtert mir das Leben.. Immerhin wollen die anderen auch gerne essen, Mamazeit oder brauchen banal Hilfe bei.. Whatever.

    So stehe ich auch mit einem Bein in jedem Zimmer und beginne diesdasananas um später festzustellen, dass ich die Wäsche nicht Aufhängen kann weil ich zusammengelegt habe aber nicht weggeräumt.
    Listen sind mein Freund und ich missbrauche WhatsAppschats um mir mal kurz eine Erinnerung zu hinterlassen.

    Ich habe dann ggü jmd der selbstständig ist allerdings das Privileg in Elternzeit zu sein. Somit entfällt der Zwiespalt Beruf hier zumindest.

    Aber hey, sie sind nicht ewig Babys. Ganz im Gegenteil. Einmal blinzeln und sie brauchen uns schon so viel weniger oder Papa ist plötzlich doch ganz cool. Der wehmütige Punkt kommt sicher.

    Also lass uns genervt sein, uns notieren was wir gerade taten und dann unsere Babys knutschen und uns die Portion Liebe abholen, die uns dies alles machen und ‚durchstehen‘ lässt.

    Es kann ja nicht immer regnen (auch nicht in Hamburg)

    Liebe Grüße aus Hamburg nach Hamburg

    Jenny 💕

  • Reply
    Jenny
    13. Dezember 2018 at 19:08

    Liebe Anne, aus diesem Lostopf haben wir wohl auch gezogen! Unser Sohn (6 Monate) schlief von Anfang an tagsüber sehr wenig und nur kurz. Als ich letztens von Freunden hörte „am Anfang schlafen Babys doch eh bloß…“, musste ich lachen. Ja. Genau. 🙈
    Mehr als 30 Minuten sind nicht drin. Dafür nachts um die 7 Stunden durchschlafen, einmal trinken und nochmal für 3 Stunden schlafen. Und das seit er drei Monate alt ist.
    Genießen wir also unsere Nächte. Umso mehr Kraft haben wir am Tag! ☺️

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