BABY Life

Leserfrage: Anna, wirst du deinen Babybauch vermissen?

Ich sehe das immer wieder, gerade auch verstärkt bei Frauen, deren Schwangerschaft eine Weile zurückliegt und auch immer mal wieder als Kommentar, wenn ich meinen Bauch in die Kamera halte: „Ach, wenn ich dich so sehe, vermisse ich meinen Schwangerbauch!
Auch lese ich hin und wieder von Frauen nach der Geburt in Blogs, auf Instagram oder sonstigen Kanälen, die sich auf begleitenden Fotos ihren leeren Bauch streicheln, dass sie ihre „Kugel“ doch vermissen.
Als mich eine Leserin fragte, ob ich denn nach der Schwangerschaft meinen Schwangerbauch vermissen werde, konnte ich klar und deutlich darauf antworten: NEIN.

Und das meine ich nicht einmal böse oder weil ich „ungern schwanger bin“ oder weil ich die letzten Wochen unter der Hitze gelitten habe, weil mir die Wassereinlagerungen auf den Keks gehen oder oder oder.
Nein, für mich ist – und da bin ich ganz ehrlich – schwanger sein ein Zustand, der zum Glück endlich ist und den ich mit viel Faszination und Freude durchlebt habe, aber auch heilfroh bin, wenn er auch wieder zu Ende ist.
Schwanger zu sein, ist nicht nur Baden in Milch und tanzen im Meer, schwanger sein ist körperlich sehr anstrengend, ein Fulltimejob. Diese Schwangerschaft hat mich körperlich über mein Limit gebracht, einen hohen Preis verlangt, den ich aber zu 1000% bereit war und noch immer bin, zu zahlen. Ich habe das Glück, noch ein Kind in die Welt setzen zu dürfen, es beim Aufwachsen zu begleiten und unsere Familie zu erweitern. Das war es mir wert.
Aber ich freue mich auch genauso sehr, wieder meinen Körper für mich zu haben und ihn nicht mit einem kleinen Menschlein in mir drin teilen zu müssen. Dass die Stillzeit auch eine Form der parasitären Symbiose ist, weiß ich. Aber sie ist schön. Bzw. kann schön sein. Das ist von Kind zu Kind, Situation und den Umständen abhängig.
Aber es ist eine magische Zeit, in der man müde, überglücklich, wund und mit überschäumendem Herz genießt und gleichzeitig sich dem hingibt, was der Tag so bietet.
Schwanger zu sein, einen kugeligen Schwangerbauch vor sich herzuschieben und die Tritte zu spüren, ist ein gleichermaßen schönes, aber auch anstrengendes Gefühl. Man ist niemals allein, hat immer seinen kleinen Knirps im Bauch bei sich, der sich in sowohl passenden, als auch unpassenden Momenten mit kleinen oder wilden Stupsern meldet. Den Platz im Körper der Mutter bis zum Maximum ausdehnt und ausnutzt, ihn ausfüllt und in ihm heranwächst. Demnach verspürt man schon nach der Geburt eine gewisse Leere in sich – völlig verständlich. Die spürte ich damals auch.
Es war seltsam.
Plötzlich war es ruhig, leer und friedlich im Bauch.
Hier und da spürte man die Organe wieder in ihre alte Position zurück rutschen, es war Luft im Bauch, aber Tritte, Stöße oder Schluckauf eines kleinen Menschleins waren nicht mehr da.
Und auch ist das Kümmern um das Baby im Bauch einfacher, als nach der Geburt. Im Bauch wird das Baby automatisch versorgt; ein Mal geboren, geht das Geschrei, das Windelwechseln und Stillen/Füttern los. Sie sind laut, manchmal unruhig, brauchen Dingen und Sachen, haben Bedürfnisse und äußern diese laut – sie sind da.
Da wünscht man sich schon die Kleinen zurück in den Bauch, denn das war praktischer. Aber so sind nicht die Spielregeln!

40 Wochen (+-2Wochen / im Schnitt) sind der Deal. Danach ist das Baby da. Und ja, ich bin froh, dass ich keine Elefantenkuh bin, die bis zu 680 Tage schwanger ist.

Aber diese Leere im Bauch wird durch so viel mehr Liebe, Euphorie und Glück im Herzen gefüllt, denn das Baby ist endlich da, liegt in deinen Armen und lässt einen Vulkan an Emotionen in dir ausbrechen, von dem du nie geglaubt hast, dass du in der Lage dazu bist, so viele Emotionen mit all ihrer Wucht zu spüren. Alle auf einmal. Trauer, Verlustängste, unzähmbare Liebe, die noch stärker ist als für irgendwen anders, tiefste Zufriedenheit, Glückseligkeit und es lodert plötzlich ein Feuer in dir, dass dir die Macht und Kraft gibt, alles zu tun, um dieses kleine Wesen zu beschützen.

Ich habe damals tatsächlich nie einen bewussten Moment meinen Schwangerbauch vermisst. Und werde es auch mit Sicherheit jetzt nicht tun. Das erste, was ich tat, als ich nach der Geburt unserer Tochter aus der Klinik nach hause kam war, dass ich mich in unserem Bett mehrfach hin und her rollte – weil ich es plötzlich wieder konnte. Ich genoss es in vollen Zügen! Kein praller Babybauch war im Weg. Auch war ich wieder beweglicher, fühlte mich leichter und konnte mich ohne Ächzen und Stöhnen bewegen, mich ums Baby kümmern.

Seinen Babybauch nicht zu vermissen, ist auch meiner Meinung nach weder verwerflich, noch macht es aus mir und all den anderen Frauen, die so denken, schlechte Mütter. Man muss nicht jeden Zustand gut finden; man darf auch seine Schwangerschaft als lästig empfinden; als notwendige Phase bis zu dem Moment, in dem man das Baby in den Armen halten darf. Nich jede Frau empfindet ihre Schwangerschaft als ultimative Krönung ihrer Weiblichkeit.
Ich selbst sehe andere schwangere Frauen anders, als ich mich im schwangeren Zustand sehe: Andere Frauen strahlen diesen unglaublichen Schwangerschaftsglow aus, sind Göttinnen, denn sie produzieren einen kleinen Menschen, sie sind wundervoll, wunderschön und leuchten.
Ich selbst gehe da sehr hart mit mir ins Gericht, weiß um die Faszination, die ich vielleicht in den Augen anderer ausstrahle, jedoch sehe ich sie nicht immer. Ich sehe vielleicht den Wald vor lauter Bäumen nicht, statt dessen alles, was hinter dem Glow und dem göttlichen steckt: Geschwollene Füße, Zunahme, Dehnungsstreifen, körperliche Zipperlein, wochenlange Übelkeit, Schmerzen…
Es ist nicht alles schwarz und weiß – versteht mich nicht falsch! Ich habe/hatte auch Tage, an denen ich mich wundervoll fühlte! Ich fühlte mich schön, sah den Glow im Spiegelbild und liebte es die neuen Kurven, den schönen Bauch in hautenge Kleider zu hüllen – das berühmte 2. Trimester :) Ich fühlte mich wahnsinnig sexy! Der Bauch war händelbar, passte entspannt in viele meiner alten Kleider, die Füße waren noch nicht geschwollen, die ständige Übelkeit hatte ich Dank Medikamente im Griff, ich war fit und ich lebte meinen Glow!

Natürlich haben wir auch jetzt gegen Ende der Schwangerschaft viele Fotos gemacht und ich habe viele Momente, Gedanken und Situationen aus den letzten 9 Monaten festgehalten – in Text und Bildform – und man weiß ja nie, ob es die letzte Schwangerschaft ist und generell ist jede Schwangerschaft einzigartig. Es galt, jeden Moment festzuhalten.
Mein liebstes Shooting war zum Beispiel das Milchbadshooting – ich fühlte mich einfach nur wundervoll! Ich spürte den Glow, ich fand mich schön, ich genoss das Shooting ungemein und alle Fotos aus diesem Shoot sind wundervoll!
Wir haben viel Energie in diese Bilder, in die Vorbereitung gesteckt, waren aber tiefenentspannt, haben uns sehr viel Zeit gelassen und das hat sich ausgezahlt.

Aber das bedeutet nicht, dass ich den Bauch ansich vermissen werde. Es ist ein begrenzter Zeitraum, in dem man sich emotional, körperlich und auch familiär in einem Ausnahmezustand befindet, alles liegt unter einem magischen, faszinierenden und sich täglich verändernden Zauber – da muss man jede Situation festhalten. Aber ich bin auch froh, wenn dieser Ausnahmezustand Schwangerschaft durch den Ausnahmezustand, der durch das neu geborene Baby eingeleitet wird, abgelöst wird.

Und ich freue mich sehr darauf!

You Might Also Like

8 Comments

  • Reply
    Steffi
    13. August 2018 at 18:52

    Sehr schön geschrieben und absolut nachvollziehbar!
    Obwohl ich beide Schwangerschaften sehr genossen habe und das große Glück hatte kaum Beschwerden zu haben,vermisse ich es nicht,da dass was man am Ende bekommt alles andere überstrahlt…
    Drück dir die Daumen für eine schöne Geburt und ein schönes erstes kennenlernen!

  • Reply
    Caro
    13. August 2018 at 20:46

    Das hast Du so unglaublich schön geschrieben <3 ich habe Ende Juni entbunden und musste jetzt das erste mal an meinen Bauch denken. Ich hatte so wirklich gar keine Zeit ihn zu vermissen und ich gestehe, ich fand neuen Schwangerschaft sehr, sehr anstrengend. Über Übelkeit, heftigen Magen – Darm – Infekt oder die krassen Kreislaufprobleme. Ich war einfach nur fertig, kraftlos und drüber. Und jetzt heilfroh meinen Dicken (der sich jedesmal im Bauch [sobald ich ihn spüren konnte] erschrocken hat, wenn ich nieste) endlich bei mir zu haben. Ich bin aber auch heilfroh wieder Herr über meinem Körper zu sein. Und Gott! Ich muss nicht mehr alle 5min aufs Klo!

    Ich Danke Dir für diese ehrlichen Worte und wünsche Dir ganz viel Kraft für die Geburt. Ganz ganz liebe Grüße ausm Norden. Von einer langen (und stillen) Verfolgerin deines Blogs (grauer Nagellack mischen 😜)

  • Reply
    Juli
    14. August 2018 at 10:53

    Ich bin das erste Mal in der 35ssw schwanger und ich mag es auch nicht. Mir ging es keinen Tag gut u das drückt schon sehr auf die Stimmung und oft bin ich sauer, dass ich mich wg den vielen körperlichen Beschwerden gar nicht richtig freuen kann u dann fühle mich noch schlechter. Aber ich finde auch das ist ok. Wer denkt schon ohh ich freue mich so u ich weiß für was ich es aushalte, wenn man weinend vor Schmerzen auf sem Fußboden liegt oder die 4. Woche wg Reizblase nicht schläft…

    Ich hoffe ganz fest,, dass nach der Geburt diese Beschwerden u schlimme Zeit in den Hintergrund rückt u die Liebe zu meinem Mädchen mich entschädigt.

  • Reply
    Sara
    14. August 2018 at 14:15

    Danke für diesen Artikel!
    Es spiegelt genau das wider was ich empfunden habe, während und nach meiner Schwangerschaft!
    Wenn ich so was hinterher geäußert habe – während andere Frauen ihren Bauch vermissten – bin ich schon einige Male seltsam angeschaut worden. Für mich nicht nachvollziehbar, aber eigentlich auch wurscht was andere denken. :)
    Alles Gute für deine letzten Schwangerschaftstage!
    Gruß Sara

  • Reply
    Deborah
    14. August 2018 at 14:47

    Guter Text. Finde es so wahnsinnig, wie jede Frau diese Zeit anders erlebt. Ich hatte zwei wunderbare Schwangerschaften und tolle Geburten. Die Zeit danach war jedoch für mich die reinste Qual. Der Milcheinschuss, das Stillen, wenig Schlaf, der Körper bildet sich zurück. Ich war leer, keine Energie, kein Körpergefühl mehr nix.. als wäre alles mit den Geburten aus mir ausgetreten… und dann, sitze ich hier und denke an all die Frauen, die sich eine Schwangerschaft und Wochenbett/Stillzeit wünschen und all unser Leid gerne in Kauf nehmen würden. All die Frauen die keine Kinder bekommen können müssen unsere Worte doch nur kopfschüttelnd ertragen. Deshalb hüte ich mich ganz oft davon, mich über eine Zeit die eben so „kurz“ ist zu beschweren. Denn wir haben das Glück, eine Schwangerschaft erleben zu können. Wir können unseren Körper auf eine ganz neue Art und Weise entdecken. Gehen an Grenzen, an welche wir nie gekommen wären und wir hätten nie erfahren wie unglaublich stark wir sind. Deshalb bin ich für blutige Brustwarzen, unglaubliche Nachwehen, postnatale Depressionen und all den Schmerz dankbar.

  • Reply
    Heide
    14. August 2018 at 16:00

    Tolle Frau!

  • Reply
    Katja
    13. September 2018 at 6:55

    Annaaaa, das Tshirt? Ist das selbst gemacht? Ich möchte so eins meiner Freundin zur Geburt schenken :D

    • Reply
      Anna Frost
      19. September 2018 at 13:24

      womon the label <3

    Leave a Reply

    * Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

    Ich stimme zu.