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An die Freundschaft, die nicht mehr ist || Gastartikel

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kaya feministin

Na.
Ich weiß gar nicht wie ich anfangen soll, denn wir haben so lange nicht mehr miteinander gesprochen. Als wir uns die letzten Male getroffen haben war schon alles anders, du warst irgendwie anders. Ich wahrscheinlich auch.
Ich habe so viel, was ich gerne sagen würde und doch sitze ich hier jetzt und irgendwie fehlen mir die Worte. Ich habe das Gefühl, dass wenn ich diese Tür öffne, die Tür hinter der ich alles was dich und mich verbunden hat verstaut habe, es nur so aus mir heraus brodeln wird und ich wenige Struktur und viele Gefühle in meine Worte bringen würde. Dabei will ich eigentlich ganz ruhig sein.

Wo fange ich an?
Du warst mir wichtig. So richtig wichtig, verdammt wichtig. Ich habe dir so viel anvertraut, ich habe mein Herz geöffnet und ich habe es dir so oft in die Hand gelegt. Und du hast es doch auch gehalten! Hast mich gehalten, meine Hand gehalten! Und jetzt? Beschäftigt es dich denn gar nicht? Vermisst du nicht wie wir lachen konnten? Wie wir reden konnten?
Dich scheint das alles überhaupt gar nicht mehr zu interessieren und ich weiß, gerade klingt alles nur nach “du du du du” aber genau so fühle ich mich auch. Ich habe keine Lust mehr, mir irgendwelche Entschuldigungen an den Haaren herbei zu ziehen, damit wir uns annähern, denn ich habe es schon viel zu oft so gedreht, dass ich ja hätte Dinge anders machen können, nur weil ich dich nicht verletzen wollte. Und das obwohl du ja mich verletzt hast! Also ja, für mich bist es du. Du hast mich stehen gelassen und dann doch wieder Hoffnung für die Freundschaft aufkommen lassen, nur um sie dann in der Leere verebben zu lassen.

Du du du du du du du du du du du.

Und immer noch denke ich an dich, fast jeden Tag frage ich mich, warum denn Freundschaften überhaupt so enden und dass ich damals nie geglaubt hätte, dass uns irgendwas ändern könnte. Und ich hinterfrage was denn mit den anderen Menschen um mich herum ist, die ich so liebe und von denen ich denke, ich weiß, dass sie mich auch lieben. Aber genauso wusste ich es ja eigentlich auch bei dir. Eigentlich. Und nun sind wir hier.

Du hast dich bei mir entschuldigt und gesagt, es täte dir leid. Hundert Mal gesagt, dass ich dir ja so wichtig sei und du froh bist, dass ich in deinem Leben bin.
Und nun, was bin ich nun? Eine Freundin von früher, eine Bekannte? Oder erwähnst du mich gar nicht mehr? Denkst du denn überhaupt noch manchmal an mich? Oder nur alle zwei bis drei Monate, wenn du mir mal eine kurze oder viel zu lange Nachricht auf Whatsapp schreibst?

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Du warst meine beste Freundin. Und wenn du mit “Ich habe mich einfach verändert” ankommen willst, möchte ich diesen Scheiß nicht hören. Denn ja, für mich ist es “Scheiß”, denn Veränderung heißt nicht, dass man die Menschen die man liebt und die einen geliebt haben aus seinem Leben schneidet; es bedeutet, dass man dem anderen zeigt, dass man andere Wege gehen möchte. Als deine beste Freundin stehe ich hinter dir, egal ob du dich einer Hippie Kommune anschließen willst, das Projekt “100 Schönheits-OPs” angehst oder beruflich 100% durchstarten willst. Ich mag nicht immer alles gutheißen, aber ich werde immer hinter dir stehen.

Weil das ist, was Freunde tun.


Ich war nicht mit dir befreundet, weil ich deine Interessen cool fand und es gepasst hat, weil wir in der Nähe voneinander wohnten; du warst meine Freundin aufgrund deines Wesens. Ich wusste, dass es bei dir keinen Stillstand geben würde, dass du dich neu finden und erfinden wirst, wie ein Phönix.
Ich könnte ewig so weitermachen, aufzählen, was ich an dir so besonders fand, aber ich will nicht.
Nicht mehr.
Wir kannten uns nicht lange, kein Jahrzehnt, vielleicht nicht lange genug um sich beste Freunde zu nennen. Aber wir brauchten auch nie eine Schublade, wir waren einfach da und wir wussten, was wir füreinander sind. Jedenfalls wusste ich was du für mich bist und du hast mir so viel Liebe und Aufmerksamkeit gegeben, dass ich meinte zu wissen, was ich für dich bin.

Aber jetzt ist alles anders.
Freundschaften beweisen sich auch dadurch, was sie aushalten, was sie durchstehen, was sie tragen können.

Unsere ist vorbei. Einfach so.


Ich vermisse dich oft, aber wenn ich daran denke, wie das letzte Jahr auseinander gegangen sind, wie du zu mir warst, dann denke ich mir, dass es vielleicht doch genau richtig ist, wie es jetzt ist.

Ich weiß nicht was ich jetzt noch für dich bin, wie du über mich redest, ob du überhaupt über mich sprichst. Vielleicht sprichst du ja schlecht über mich?
Du kennst mich nicht mehr. Ich kenne dich nicht mehr.
Ich hoffe es geht dir gut.

 

Photos by Sam Manns & Caroline Hernandez 

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12 Comments

  • Reply
    Priscilla
    29. November 2017 at 10:26

    Ohhh wow… Frostkalation!!
    Seid ca 4 Wochen klicke ich mich durch deine Videos und seid kurzem auch durch deinen Blog.
    Ich bin dir (euch) absolut verfallen und hoffe das du aufgrund des „Dampf ablassens“ jetzt besser damit umgehen kannst.

    Glaub mir…Es wird jemand neues kommen, wo die Vertrautheit und liebe einschlägt wie eine Bombe…. Irgendwann

    Ich drücke dich
    Dein neuer Fan
    Priscilla

    • Reply
      Anna Frost
      29. November 2017 at 10:28

      haha :D Da hast du was falsch verstanden: Den Artikel hat Kaya geschrieben, nicht ich ;)

      • Reply
        Priscilla
        29. November 2017 at 18:33

        Ups… Das ja Panne hihi.
        Naja verzeih mir, wie gesagt ich bin noch neu bei dir

  • Reply
    Nadine
    29. November 2017 at 11:18

    Liebe Kaya, du packst all diese Gefühle, all dieses Nachdenken so gut in Worte. Ich kann so nachvollziehen, wie du empfindest und du sprichst mir so sehr aus der Seele. Danke dafür! ❤️

  • Reply
    Mrs Unicorn
    29. November 2017 at 13:09

    So ein trauriger Beitrag. Vielen Dank für deine Eindrücke.

    Viele Grüße und eine fantastische Woche.
    Celine von http://mrsunicorn.de

  • Reply
    StellaNova
    29. November 2017 at 15:33

    Den Artikel kann ich für mich 100% unterschreiben, gleiches Gefühl, gleiche Gedanken … es ist schade und traurig. Man sollte versuchen sich die gute gemeinsame Zeit in Erinnerung zu halten ! Die Wehmut über das hätte sein können wird immer wieder hochkommen… du bist nicht allein Kaya ;)

  • Reply
    Tatiana
    30. November 2017 at 0:54

    Kommt mir sehr bekannt vor. Aber auch wenn es traurig ist – dann sollte es nur eine Begleitung für einen Lebensabschnitt und keine Freundin fürs Leben sein. Die verliert man nie.
    Alles Gute!

  • Reply
    Mela
    30. November 2017 at 10:55

    Toller Artikel, und auch schon so in meiner Teenagerzeit passiert, wir waren beste Freunde zu dritt sie gingen auf anderen Schulen wurden dort die ,,beliebten “ wir haben nie wieder einen richtigen draht zueinander bekommen. Jetzt Jahre Später unterhalten wir uns grüßen uns. Aber es ist immer wieder komisch die Besten Freundinnen von damals zu sehen. Aber das ihnen die Zeit doch etwas bedeutet hat, ist schön zuwissen als eine von ihnen Krebs bekommen hat gutartig und es ist alles gutgelaufen. Aber sie wollte es mir persönlich erzählen bevor der Buschfunk losgeht.
    LG

  • Reply
    Serap
    30. November 2017 at 16:14

    Wie du die Gefühle in Worte fassen kannst sind beeindruckend. Du sprichst mir so aus Seele. Habe meine Kindheitsfreundin während meiner 2. Schwangerschaft verloren. Das war vor fast 3 Jahren. Letztes Jahr hatten wir wieder versucht uns an zu näheren aber es ist nichts wie es war und dann immer sie habe sich verändert (Freund, Heirat, neue Lebensweise) sei nun nicht mehr so flexibel. Meine Entscheidung ist es nun einfach zu lassen, tja so ist es eben. Schade

  • Reply
    Nicole
    1. Dezember 2017 at 23:42

    Liebe Kaya. Ich kann mit dir fühlen. Auch ich hatte schon eine Freundschaft die ich heute noch vermisse. Aber das Leben ändert sich, wir Menschen ändern uns. Und manchmal passt es dann leider nicht mehr.
    Gut, wenn keine bösen Worte fallen.

    Kopf hoch.

    Gruß Nicole

  • Reply
    Berit
    3. Dezember 2017 at 19:28

    Ich denke das macht leider jeder mal durch. Menschen ändern sich, wir ändern uns. Manchmal so leise und schleichend, dass man es nicht mitbekommt. Trauer nicht um das was hätte sein können. Es ist wie es ist und das ist gut so.

  • Reply
    Anne
    10. Dezember 2017 at 12:46

    Wundervoll!:) Habe zufälligerweise gestern in meinem Blog http://www.kennst-du-das.com das Thema Freundschaft ein bisschen bearbeitet. „Goldstücke des Lebens“
    Freundschaften sind wunderschön, können ebenso schmerzvoll sein. Schön wie du schreibst!!!

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