TRAVEL

10 Dinge, die wir durch unseren Roadtrip im Wohnmobil gelernt haben

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Ein paar Learnings waren mehr oder weniger vorprogrammiert, andere haben mich ein wenig überrascht…

  • Wir sind definitiv nicht die Familienbett Familie.

    Ein Familienbett ist eine schöne Idee. Für uns jedoch einfach nicht richtig. Das Hymer Exsis-i Reisemobil mit dem wir 2 Wochen in Italien unterwegs waren, hatte zwar noch ein Hubbett inklusive Rausfallschutz, aber dem Tochterkind mit fast 3 Jahren war das ein wenig zu heikel und sie wollte lieber mit uns in der großen Koje schlafen. Da wir aber alle drei ziemlich wilde Schläfer sind, bekam ich in der ersten Nacht direkt mal einen ordentlichen Pferdekuss von der Tochter (der blaue Fleck ist noch immer da!), die in der Mitte schlief und in den weiteren Nächten hatte jeder von uns beiden Eltern mal den linken oder den rechten Fuß der Tochter im Gesicht. Oder gleich das ganze Kind. Eine Erfahrung, die wir in den fast drei Jahren als Familie mehrfach machten: Schlafen wir alle drei in einem Bett, schlafen mindestens 3 Leute nicht die Nacht durch. Nächstes Mal schläft einer von uns definitiv im Hubbett. Wer, ist mir Wurst. Aber weder das Tochterkind, noch wir sind nach solchen Nächten gut drauf. Und unfair ist es schon, wenn Madamme einen halben Ausflug verpennt und ich auf der Fahrt die Augen zu mache, während Jakob konzentriert fahren muss.

  • Zweisamkeit ist Mangelware.

    Ich hatte mir das ein bisschen romantischer vorgestellt: Abends, zwei bis zwölf Glas italienischen Vino, Kerzenschein, eingemuckelt in eine dicke Decke, Erwachsenengespräche bei Mondschein, die Grillen zirpen und das Kind schläft. Statt dessen war bis spät Abends noch Trallafitti und Party angesagt. Jeder Tag war so unglaublich aufregend für das Tochterkind, dass sie Abends große Probleme hatte zur Ruhe zu kommen und den Tag loszulassen. Einen einzigen Abend hatten wir zu zweit, als sie gegen 20:00 einfach umgefallen ist. Wir allerdings kurz darauf auch…
    Beim nächsten Mal planen wir nicht so eine straffe Reiseroute, sondern gönnen uns mehr Zeit an einem Ort. Mehr Zeit, um zu genießen, zur Ruhe zu kommen, anzukommen und uns an die neue Situation zu gewöhnen. Wir kennen unsere Tochter und ihre Neugierde und ihre Probleme, abends abzuschalten aufgrund des vielen Inputs (den sie auch teilweise fordert), von daher war es ein dummer Anfängerfehler und der elterliche Wunsch, doch so viel Sightseeing wie möglich auf einmal zu machen. Allerdings war intensive Familienzeit aber auch extrem schön.
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  • Personal Space ist Mangelware.

    Ich hatte noch den Impuls, meine Laufschuhe und Kleidung einzupacken, war aber doch krank und fühlte mich eher neben der Spur als in der Lage, zu laufen. Der Impuls war ein richtiger, denn das hätte mir ein wenig mehr Metime und Personal Space gegeben. In einem Wohnwagen hat man nicht viel Bewegungsfreiheit. Besonders dann nicht, wenn man eigentlich eine große und geräumige Wohnung gewohnt ist, in der man sich herrlich aus dem Weg gehen kann. „Tschuldigung, ich müsste hier mal…“, „Darf ich mal?“, „Scusi…„war an der Tagesordnung, während wir uns aneinander vorbeischoben. Aber tatsächlich nicht großartig nervig, sondern irgendwann ein running Gag. Wir hatten enorm viel Glück, dass das Wetter einfach grandios war und wir uns ohne Probleme draußen aufhalten konnten (auch mit dicker Jacke. Als Hamburger kennt man das ja :) ). Bei schlechterem Wetter wäre ein Vorzelt die richtige Investition gewesen.
    Jeder im Wohnmobil braucht etwas zu tun, wenn es nix zu tun gibt. Und zwar für sich ganz alleine. Ob nun Laufen, ein Handyspiel, der Gameboy, ein Buch oder was zu Malen. Auf jeder Packliste im Internet stehen zwar Gesellschaftsspiele, aber an Beschäftigungen, wenn man Gesellschaft gerade nicht ertragen kann, wird wenig gedacht. Wichtig ist, dass sich wirklich jeder mal alleine beschäftigen kann und somit den anderen die Möglichkeit gibt, die eigenen Batterien fürs Sozialleben aufzutanken. Ich bin so ein Mensch, der sich gerne mal zurückziehen, alleine sein muss und Stille braucht. Stille, um die eigenen Gedanken wieder hören zu können und um intensive Gesellschaft auf wenigen Quadratmetern wieder ertragen zu können. Ich bin überrascht, dass Jakob und ich uns erst am allerletzten Tag gestritten haben. Wegen einer Lapalie, übrigens. Wir mussten auch eigentlich mehr lachen, als dass wir uns gestritten haben… weil es einfach zu albern war und wir wussten, dass wir uns aufgrund aufgestauter Energie zanken. Ein typischer Good Fight, der die Luft bereinigt.

  • Campingplätze können echt chic sein!

    Oder auch nicht. Der in Bozen zum Beispiel war echt sehr chic. Beheizte Waschräume mit Sichtblenden zwischen den einzelnen Waschbecken, Frisiertische, einzelne und abschließbare Duschkabinen. Da fällt einem schon der Unterschied zu anderen Campingplätzen auf, bei denen man auf der Toilette sitzt, der Bewegungsmelder das Licht ausgehen lässt und die Phantasie mit einem durchgeht, dass einen gleich der Demogorgon holt… Für solche Fälle hat man natürlich eine Outdoorlampe dabei :D Ich kenne mich doch. Und meine Phantasie. Aber tatsächlich wird man weniger empfindlich was die sanitären Anlagen auf Campingplätzen wird. Vor allem dann, wenn man mutig für zwei sein muss und das Tochterkind eine große Portion der mütterlichen Phantasie abbekommen hat …
    Klaro kann man sich auch im Wohnmobil waschen, duschen und aufs Klo gehen. Haben wir auch gemacht. Aber tatsächlich fand ich es ganz nett, mich mit anderen Camperinnen in den Waschräumen zu unterhalten und morgens, sowie spät abends noch einen kleinen Spaziergang mit Emma über den Campingplatz zu machen. Ein bissen Personal Space, ein bisschen Me Time und vor allem Jakob, der alle Funktionen des Wohnmobilbades ausprobiert hat, ein wenig Zeit für sich geben.

  • Campingküche ist wahnsinnig vielseitig!

    Vor lauter Panik, wir könnten damit enden, nur Würstchen vom Grill zu mampfen, googlete ich nach Rezepten für den Campingurlaub. Ich stieß auf eine wahre Goldgrube an easy Rezepten für mega geniale Gerichte. Ganz speziell hat es mir die „Tinfoil Cuisine“ angetan, denn tatsächlich hab ich das als Studentin damals schon ein paar mal gemacht und wieder vergessen: Gerichte aus dem Alufolienpaket. Benötigt werden nur ein paar Zutaten, Öl und Alufolie. Die Alufolie mit ein paar Spritzern Öl benetzen, Zutaten wie Fisch oder Fleisch und /oder Gemüse rein, Kräuter dazu, noch ein wenig Öl und zusammen gefaltet ab auf den Grill. Kann man herrlich pro Person portionieren oder unterschiedliche Gerichte pro Paket und dann aufteilen. Ich habs damals in den Ofen geschoben. Gleicher Effekt. Das Ergebnis vom Grill ist super einfach und alle sind entspannt, weil es am Ende wenig zu spülen gibt, das Gericht gemütlich vor sich hin grillt und alles einfach nur lecker schmeckt. Klaro gab es auch Risotto und Nudeln vom Herd. Aber die Tinfoil Cuisine kann ich wirklich nur empfehlen und lässt sich mit frischen Zutaten aus der Reiseregion easy umsetzen. Aber auch hervorragend zuhause.
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  • Man kommt mit weniger aus, als man denkt.

    Und das gilt nicht nur fürs Reisen im Wohnmobil, sondern für jede Situation. Mit der Erkenntnis habe ich tatsächlich gerechnet. Während wir unsere Dinge und Sachen für die Reise packten, meinte ich schon zu Jakob, dass es definitiv zu viel sein wird und wir, wenn wir nach der Reise wieder zuhause sind, vermutlich einen Rappel kriegen und hier zuhause ausmisten werden. Wieder zuhause fallen mir viele Dinge auf, die absolut unnütz sind und vor allem unnötig Platz rauben…
    Fürs nächste Mal werde ich definitiv schlauer packen, zB. eine smarte Capsule Garderobe und weniger Lebensmittel von Zuhause mitnehmen. Letzteres tat ich, weil ich von Campingplätzen keine Ahnung hatte und nicht wusste, wie gut diese doch ausgestattet sind – auch was das glutenfreie Angebot (zumindest in Italien) betrifft. Da kann sich manch eine Supermarktkette in Deutschland von einem Campingshop in Italien eine gehörige Scheibe abschneiden!

  • Heute hier, morgen da.

    Mit dem Wohnmobil zu reisen ist die reinste Form von Freiheit. Kein Hotel buchen, keine Preisvergleiche – einfach dort hin fahren, wo es gefällt oder hintreibt und auf dem Campingplatz, Stellplatz oder freien Platz parken und bleiben. Easy peasy, lemon squeezy. Wer außerhalb der Saison mit dem Wohnmobil unterwegs ist, sollte jedoch checken, ob der Camping- oder Stellplatz noch geöffnet hat. Wenn ja, ist die Stellplatz Auswahl riesig und es kann sein, dass man einfach direkt in der Poleposition stehen kann mit dem schönsten Ausblick auf den Sonnenuntergang. Ich liebe es noch immer nach wie vor in luxuriösen Hotels zu nächtigen. Aufenthalte, wie zum Beispiel in den One&Only Resorts sind einmalig und setzen die Latte extrem hoch. Daher lässt sich für mich das Reisen mit einem Wohnmobil nur schwer einordnen. Was die Selbstbestimmung, die Freiheit und Flexibilität angeht, ist das Reisen im Reisemobil einfach nicht mit anderen Urlauben zu vergleichen. Nächstes Mal werden wir uns auch mal trauen, irgendwo ganz frei zu stehen… Für den ersten Reisemobilurlaub wollten wir es dahingehend jedoch entspannt angehen und uns ausprobieren.
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  • Reisen mit dem Wohnmobil ist nicht nur was für alte Leute!

    Klar, Herrschaften im Ruhestand haben besonders viel Zeit und können jederzeit Reisen – das können Familien mit kleinen Kids aber auch! Und mit großen Kids ebenfalls. Und junge Leute sowieso. In den zwei Wochen sind uns sowohl Reisende im Wohnmobil, mit Anhänger oder im Van begegnet, die sowohl jünger, als auch älter als wir waren. Mit Kids, ohne Kids, mit Teenagern, mit Babies und als alte Freunde zu viert oder sechst in einem Wagen. Reisen mit Wohnmobil kennt kein Alter. Und das ist echt klasse! Ein guter Freund von mir nahm sich eine Auszeit von seinem Job und reiste mit seiner Frau etwas über ein Jahr lang in einem selbstausgebauten Van von Canada nach Chile – es muss die beste Zeit gewesen sein und er kann es kaum erwarten, ein neues Ziel zu finden.

  • Nicht von der Größe abschrecken lassen! 

    Als wir das Exsis-i Wohnmobil von Hymer das erste Mal sahen, bekam ich innerlich die totale Panik. Um Himmels Willen, das Teil ist so riesig, das passt doch nirgends durch?!?!? Quatsch mit Sauce. Man gewöhnt sich super schnell an die neuen Maße, mit denen man auf den Straßen unterwegs ist und Jakob konnte das Wohnmobil mit seiner typischen Gelassenheit durch die Serpentinen in der Toskana fahren. Auch ich bin das Mobil eine kurze Strecke gefahren, tatsächlich gefiel mir aber der Job des Copiloten ein bisschen besser. Vor allem, weil ich dann auch hin und wieder mal ein Nickerchen machen konnte… hüstel…

  • Man achtet auf viele neue Dinge.

    Sind euch schon einmal die kleinen Schildchen am Straßenrand mit Camper Piktorgrammen aufgefallen? Also mir bis zu diesem Urlaub nicht. Sie zeigen nämlich die Richtung für den nächsten Stell- oder Campingplatz an. Auch ist es total egal, wie hoch und breit ein Tunnel ist, durch den man fahren möchte, wenn man in einem kleinen PKW fährt – fährt man ein Wohnmobil, sieht die Sache gleich ganz anders aus. Da sollte man die Maße für sein Gefährt im Kopf haben (wir hatten die Maße auf einem Zettel vorne auf der Konsole stehen)!

 

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5 Comments

  • Reply
    Ellie
    7. November 2017 at 22:57

    Wauw, ein super toller und wunderschöner Blogpost!<3
    http://www.blogellive.com

  • Reply
    Sylvie
    11. November 2017 at 13:12

    Ich habe euer Abenteuer ganz gespannt verfolgt, auch vor dem Hintergrund, dass auch bei uns im Freundeskreis die ersten Wohnmobile angeschafft werden. Und nun überlege ich, ob ich mir so eine Reise auch für mich und meine kleine Familie vorstellen könnte… ;) Was meinst du – würdest du so eine Reise auch machen, wenn Emma noch jünger oder schon älter wäre?
    Kleine Anmerkung zur „Tinfoil Cuisine“: Beim Garen in Alufolie sollte man vorsichtig sein (http://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Alufolie-Lebensmittel-gefaehrlich,aluminium106.html) – ich löse das immer dadurch, dass ich zwischen Gargut und Folie noch eine Lage Backpapier platziere.
    Liebe Grüße!

  • Reply
    Sylvie
    14. November 2017 at 12:22

    Schade, mein Konmentar ist weg?

    • Reply
      Anna Frost
      14. November 2017 at 12:35

      Nein, dein Kommentar landete aufgrund des eingefügten Links im Spam. Er ist nun freigeschaufelt <3

  • Reply
    Sylvie
    15. November 2017 at 12:25

    Ach gut – wunderte mich schon. ;)

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