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Angst, Sorgen und Bedenken – 6 Tipps mit ihnen umzugehen & sie in den Griff zu kriegen

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Mein Herz raste. Es schlug immer schneller. Mein Hals schnürte sich zu, meine Ohren fiepten und ich fühlte mich taub, aber gleichzeitig war meine Haut auf 100% Empfang gestellt und mein eigentlich kuschelweicher Pullover brannte auf meiner Haut. Ich musste raus, die Situation verlassen, fliehen. Das war mein erster Impuls. Raus hier. Ich saß in einem Büro am Schreibtisch, gegenüber die Kollegin, die mich schockiert ansah und fragte, ob es mir gut ginge. Ich sei so blass und würde seit geraumer Zeit ins Leere starren. „Jaja, alles gut. Ich glaube, ich muss mal kurz an die frische Luft„, fiepte ich mit heller und brechender Stimme. Fange ich gleich auch noch zu Weinen an? Was ist hier los? Was ist mit mir los? Mein Körper ist außer Kontrolle!
Meine Beine konnten mich gerade noch zur Tür hinaustragen, als ich vor den Stufen zusammensackte und auf allen Vieren auf dem Bürgesteig nach Luft schnappte, als hätte ich gerade unbewusst den Weltrekord im Tiefseetauchen ohne Sauerstoffflasche gebrochen. Wie ich später feststellte, hatte ich an diesem Tag vor etwa 10 Jahren meine erste Panikattacke. Es war auch nicht die letzte, jedoch kann ich sie heute kommen spüren und abwenden oder besser mit ihnen umgehen oder sie ganz einfach vermeiden.

Wer schon einmal eine Panikattacke hatte oder hin und wieder mit Ängsten, Bedenken und Sorgen zu kämpfen hat, der weiß, dass sie einen schnell übermannen und den Tagesablauf bestimmen können. Gerade als Freiberufler oder Selbstständige ist man prädestiniert dafür, die eine oder andere Sorge und auch Ängste zu haben. It comes with the job. Kein festes Einkommen, keine festen Urlaubszeiten, ständig wird gearbeitet – die Liste der negativen Aspekte sind lang (die positiven Aspekte aber auch, sonst würde ich es nicht machen ;) ). Die Gedanken drehen sich nur um dieses Thema und irgendwann zeigt auch der Körper diverse Anzeichen – Stresspickel, juckende Haut, trockene Hautstellen, fahle Haut im Gesicht, Augenringe, Sodbrennen, Magenschmerzen, Schlaflosigkeit und Übelkeit sind nur ein paar mögliche Anzeichen. Wenn weder die Seele, noch der Körper dem Druck standhalten können, suchen sie sich Möglichkeiten, dir mitzuteilen, dass etwas nicht stimmt.
Es ist unglaublich erleichternd zu wissen, was die Anzeichen sind und wie man sich selbst helfen kann, den Stress, die Ängste und Sorgen abzubauen und anzugehen.

Folgende Dinge haben mir das eine oder andere Mal schon geholfen und vielleicht sind sie auch für euch hilfreich:

 Meditieren.

Meditieren ist schwierig und ein Prozess, der das ganze Leben lang geübt werden muss. Es gibt kein wirkliches richtig und falsch – jeder muss für sich selbst herausfinden, was einem beim Meditieren hilft. Gerade Menschen mit Panikattacken oder Ängsten glauben, sie hätten nicht die Geduld und Ruhe für Meditation, weil sie nicht für längere Zeit ruhig sein können – dachte ich auch. Aber genau das ist es, was man in den Momenten wirklich braucht: Ruhe und das Konzentrieren auf sich selbst, seine Atmung und auf den Körper hören. Beim Meditieren geht es darum, den Kopf frei zu machen, an nichts zu denken und einfach nichts zu tun. Versucht es mal, ihr werdet es nicht bereuen!! Hier ist zB. ein schönes Video für eine geführte Meditation für Anfänger. Die Apps Calm und Simply Being sind auch hervorragend, um zu entspannen, zu meditieren oder das Atmen zu üben.

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Schlaf.

Mindestens 7 Stunden Schlaf braucht der erwachsene Mensch. Wer jedoch mit Sorgen, Ängsten und Bedenken ins Bett geht, hat sehr oft auch Probleme einzuschlafen oder gar einen erholsamen Schlaf die Nacht zu kriegen. Auf der anderen Seite kann Schlafmangel auch ein Auslöser für Sorgen und Ängste, sowie Panikattacken sein. Auch hier können Meditation und Atemtechniken helfen, den Tag loszulassen und in einen erholsamen Schlaf zu gleiten.

 

Sport.

Ok. Keine Liste über Wellbeing Improvement ohne Sport. Ja, finde ich auch lästig, hilft aber. Echt. Regelmäßig Sport zu treiben hilft, den Kopf frei zu bekommen, sich auf etwas anderes – nämlich seinen Körper – zu konzentrieren und schütten nebenbei ein paar Endorphine aus, die dabei helfen, Ängste zu reduzieren. Ok, und nebenbei gibts den Hintern aus Stahl. Nice oder? Sport, der deine Herzfrequenz hoch treibt, ist besonders gut geeignet.

Koffein.

Wer Koffein zu sich nimmt, egal in welcher Form, während er gerade mit Ängsten, Sorgen und panikattacken kämpft, gießt im wahrsten Sinne des Wortes Öl ins Feuer. Koffein verschärft die Auswirkungen von Ängsten zusätzlich und ist genau das, was wir nicht wollen.

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Pause.

Ich tendiere dazu, mich zum Weitermachen zu zwingen, wenn in meiner Vorstellung gerade alles droht über und unter mir zusammenzubrechen. Ich bin der Kapitän, ich verlasse das singende Schiff nicht, sondern renne panisch umher, suche die Löcher und halte sie mit Händen und Füßen zu, während ich noch versuche, weiter zu rudern. Genau falsch.

Gezielte Entspannung kann Wunder wirken für Seele und Verstand. Pause machen – das kann ein Spaziergang in der Mittagspause sein, 10 Minuten Meditation am Morgen oder am Abend, ein regelmäßiger Nachmittag im SPA… Eine Pause ist hervorragend, um Ängste und Panikattacken grundsätzlich zu vermeiden, aber auch die letzte Reißleine, wenn ich euch mitten in eine Panikattacke hineinmanövriert habt und nicht mehr nur die Löcher im Schiff versucht zu stopfen, sondern gleichzeitig noch diverse Feuer austreten müsst. Zieht euch zurück. Fahrt einen Tag ans Meer und lasst euch den Kopf durchpusten, weint, schreit und lasst es raus. Und erkennt beim nächsten Mal frühzeitig, wann ihr euch wieder auf der Einbahnstraße befindet und dringend die nächste Abfahrt suchen müsst.
Um dies zu vermeiden, sucht euch tägliche Pausen. Tägliche Me-Time. Wer ausgeglichen ist, kann der Angst die Stirn bieten.

 

Hobby.

Wenn mich meine Aufgaben übermannen, ich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehe, ich vor lauter Stress Kopfschmerzen kriege und wegen des Drucks mit einer Schreib- oder Kreativitätsblockade zu kämpfen habe, finde ich mich oft bis zu den Ellenbogen im Dreck wieder. Ich gärtnere. Ich kürze die Äste meiner Obstbäumchen und animiere sie zum Verzweigen, entferne die Blätter aus dem Hochbeet, setze Pflänzchen um, topfe Pflanzen um, fege das Laub auf der Terrasse zusammen, kontrolliere die Pflanzen in der Wohnung und versorge sie. Für mich hat es sich bewährt, etwas völlig anderes zu machen, wenn ich drohe am Stress zu ertrinken. Mich körperlich zu betätigen, nicht großartig kreativ sein zu müssen, hilft mir, mich wieder zu erden. Sucht euch etwas, dass euch von eurer eigentlichen Arbeit ablenkt, am besten gar nichts damit zu tun hat und geht darin auf.

 

Photocredits: Photos by Jeremy Bishop /Valentin Polo / 

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6 Comments

  • Reply
    Ellie
    30. September 2017 at 14:39

    Super coole Bilder und super tolle Tipps!<3

  • Reply
    Miss Achtung
    30. September 2017 at 16:29

    Ja, das mit dem Koffein… es stimmt so sehr. Energydrinks, Kaffee – es stört ja auf Dauer auch einen guten Schlaf. Ich merk‘ das total. :/ Und teilweise kann ich morgens ohne Kaffee nicht mal mehr funktionieren. Es ist so ein elender Kreislauf.
    Ich weiß auch, dass Meditation, Entspannung, Yoga oder Achtsamkeit mir mehr helfen würde… Ich schaff’s einfach nicht. Es macht mich irgendwie zornig. Bei mir hilft es gar nicht, weil man das eben so viel üben muss. :( Die Hobbies helfen bei mir am meisten. Etwas machen, was Freude macht. Wo eventuell sogar noch etwas rauskommt. Ein kleines Kunstwerk, ein Schmuckstück, ein schönes Bild, ein Brief. Das geb‘ ich anderen auch immer als Tipp! :)

  • Reply
    Mrs Unicorn
    3. Oktober 2017 at 1:17

    So ein schöner ehrlicher Beitrag. Vielen Dank für die Tipps.

    Liebe Grüße und noch eine tolle Woche.
    Celine von http://mrsunicorn.de

  • Reply
    Lila
    5. Oktober 2017 at 14:18

    Hallo Anna, wirklich ein toller Beitrag. Irgendwie sind das ja Tipps, die immer helfen, nicht nur bei Panikattacken. Man müsste sie nur Mal regelmäßig befolgen. 😉 LG Lila

  • Reply
    Tanja mit
    5. Oktober 2017 at 21:54

    Hallo liebe Anna.
    Ich hatte meine erste Panikattacke vor 4 Jahren. Es war schrecklich. Ich konnte nicht mehr wirklich atmen und letztendlich wachte ich dann im Krankenhaus auf.
    Erst wurde vermutet, dass ich einen Herzinfarkt hatte. Mit 26 Jahren. Dann war aber relativ schnell klar, dass es eine Panikattacke war. Ich stand damals auch unter ziemlichen Druck und hatte 1000 Ängste, denn mein Papa war erst vor kurzem gestorben. 3 Jahre zuvor meine Mama. Ich hatte ihren Tod „gut weggesteckt“ bzw. verdrängt, aber dann, als auch mein Papa von uns ging, da brach die Welt zusammen. Letztendlich war ich dann bei einer Therapeutin, wo wir natürlich über den Verlust sprachen, aber letztendlich führte sie mich auch zur Meditation und zu Entspannungsübungen, welche mir bis heute noch helfen und mir wieder Halt geben, wenn ich ins wanken komme.
    Ebenso kann ich bestätigen, dass Hobbys wirklich helfen. Das habe ich aber erst vor kurzem festgestellt, weil ich wirklich lange Zeit kein Hobby hatte.

    So, jetzt hab ich hier einiges geschrieben, obwohl ich eigentlich nur sagen wollte, wie wichtig und gut dein Artikel ist! Es ist so verdammt wichtig, dass man auch über diese Themen spricht. Denn z. B. höre ich in meinem Bekanntenkreis immer noch des öfteren, dass Panikattacken ja nur Einbildung sind oder die Person halt einfach nur zu labil für das normale Leben ist. Furchtbar und traurig…

    Viele liebe Grüße an dich und hab einen schönen Abend.
    Tanja

  • Reply
    Anni
    13. Oktober 2017 at 10:15

    Mal ein ganz anderes Thema und ich finde es klasse, dass du es hier mit aufnimmst!
    Die Fotos gefallen mir sehr; direkt einen neuen Desktop-Hintergrund gefunden :-)
    Schönes Wochenende euch!

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