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Du bist ein Gewinn!

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Es gibt Situationen, in die will man sich nicht hineindenken, wenn man Eltern ist. Gar nicht. Darunter zählen unter anderem jegliche Arten von Krankenhausaufenthalten des eigenen Kindes. Und jedes Mal, wenn man von einem Kind liest, das ins Krankenhaus musste – ob nun von sehr eng befreundeten Familien oder weiter entfernt bekannten Eltern – dann läuft es einem eiskalt über den Rücken, denn auch mit nur einem Funken Empathie im Herzen, spürt man den Kummer und die Angst auch über ein paar Zeilen eines Facebookstatusses, einem kurzen Tweet oder einer SMS hinweg.

Ich erinnere mich an eine Situation, es muss um die 25 Jahre her sein, als mein Bruder mit knapp 3 Jahren über ein Geländer im Treppenhaus stürzte und sich nicht nur das Bein, sondern auch einen Teil seiner Hüfte brach und eine enorme Gehirnerschütterung davon trug. Ich war gerade 6 Jahre alt und dachte, er würde sterben. Ich kam aus der Schule nach Hause, er wollte mich begrüßen und kletterte dazu auf das Geländer. Jedoch rutschte er ab, kippte vorne über und stürzte mit dem Kopf voran eine Etage tiefer. Ein Unfall, der sich in mein Hirn eingebrannt hat und von dem ich noch lange Alpträume hatte… immer wieder stürzte er im Traum an mir vorbei und ich konnte nichts tun..
Ein Krankenwagen holte ihn und meine Mutter ab, mein Vater war auf der Arbeit, meine Oma nahm mich zu sich nach Hause und beschäftigte mich, während meinem Bruder das Bein wieder zusammengeflickt wurde. An die Besuche im Krankenhaus kann ich mich nur dunkel erinnern, es war jedoch immer erschreckend und auch traurig ihn da so fixiert im Bett mit der Gibshose zu sehen. Wie es meinen Eltern erging, ihren Sohn dort liegen zu sehen, weiß ich nicht… Darüber haben sie nie gesprochen. Aber ich kann es mir vorstellen. Besonders heute, da ich selbst Mutter bin. Täglich war einer von ihnen in der Klinik, um bei ihm zu sein, um ihn zu beschäftigen, denn es war langweilig im Krankenhaus. Besonders auf der Intensivstation, auf der er eine Weile liegen musste.
Ich erinnere mich nicht daran, wie lange er in der Klinik war. Auch nicht daran, wie lange er noch den Gibs tragen musste oder wann im endlich der durch den Sturz halb ausgeschlagene Zahn ausgefallen war… Aber ich erinnere mich noch an einen Tag, an dem ein Clown in die Krankenzimmer kam und bei den Kids im Zimmer für Spaß sorgte. Und genau für diese Zeit waren einfach mal alle Sorgen vergessen, spielten keine große Rolle und man konnte seine Gedanken treiben lassen.

Diese Gedanken, diese Erinnerung kam letztens wieder ans Tageslicht, als die Deutsche Fernsehlotterie auf mich zukam und mich bat, doch für eines ihrer Projekte auf du-bist-ein-gewinn.de Projektpate zu werden.
Als Deutschlands traditionsreichste Soziallotterie ist es der deutschen Fernsehlotterie ein großes Anliegen, mit ideeller und finanzieller Unterstützung zu einem besseren Miteinander in Deutschland beizutragen. Seit 60 Jahren motivieren und ermöglichen sie Menschen, anderen zu helfen, um so das Gemeinwesen im Land zu festigen. „Auf du-bist-ein-gewinn.de möchten wir Menschen, die sich für Hilfebedürftige in ganz Deutschland einsetzen, eine Bühne bereiten. Damit möchten wir Beispiele aufzeigen, wo und wie Solidarität heute gelebt und organisiert wird. Wir gewähren Einblicke in Projekte und zeigen, wie sich Helfer vor Ort einbringen.“ (weitere Infos hier). Und schaut man sich all die vielen Projekte an, stellt man schnell fest: Jeder einzelne Helfer ist ein Gewinn!

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Zwischen all den vielen Projekten, die von der Deutschen Fernsehlotterie unterstützt werden, fiel mir das Projekt der Clinic Clowns des Aegidius Hauses – eine Kurzzeit-Pflegeeinrichtung für schwerstbehinderte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene – ins Auge und erinnerte mich an diese Geschichte von vor 25 Jahren. So, wie es damals meinem Bruder und auch mir geholfen hat, in der schwierigen Situation ein Lachen, einen Weg zu finden, mit der Situation umzugehen, würde ich es mir auch für meine Tochter und den vielen, vielen anderen Kindern wünschen, die tagtäglich in Kliniken sind.

Mit Dipl. Päd. Nicole Paetz, der Pädagogischen Leitung des Aegidius Hauses habe ich dieses Interview geführt, um mehr über die Arbeit eines Clinic Clowns zu erfahren: 

AF: Wie und wann kam die Idee auf, die Clinik-Clowns im Aegidius-Haus einzusetzen?
NP: Die Idee, die Clinic-Clowns im Aegidius-Haus einzusetzen entstand bereits lange bevor das Haus  geöffnet hat. Im benachbarten Kinderkrankenhaus AUF DER BULT waren diese bereits zu jener Zeit langjährig im Einsatz und die überaus positiven Erfahrungen und tollen Erlebnisse für die Kinder wollten wir auch gern unseren Gästen ermöglichen.

Wie helfen die Clinik-Clowns bei der Therapie und in ihrer Einrichtung?
Die Clinic-Clowns bringen unsere Gäste zum Lachen. Und Lachen ist Therapie. Die wundervollen Momente, die sie unseren Kindern schenken, sind unvergesslich.

Wer steckt hinter der Schminke und der roten Nase?
Hinter der kleinsten Maske der Welt, der Clownsnase, stecken sehr unterschiedliche Charaktere. Die Clowns sind alle ausgebildete Clowns und in dem speziellen Bereich Clinic-Clownerie fortgebildet. Die Clowns im Aegidius-Haus arbeiten hauptberuflich als Clinik-Clowns und/oder sind weiterhin tätig als Kleinkünstler.

Wie wird man Clinik-Clown? Besucht man eine Clownschule?
Die Clowns im Aegidius-Haus sind Clowns des Clinic-Clowns-Hannover e.V. Der Verein achtet sehr gewissenhaft auf die künstlerische Qualität und ob die Clowns persönlich erfahren genug sind, die Arbeit in den Kliniken zu meistern. Jeder Clown hat eine eigene persönliche Geschichte, wie er/ sie zur Clownerie kam. Alle haben eine professionelle Ausbildung als Clown in einer Clownsschule und wurden für die Clinic-Clownerie fortgebildet. Der Verein bildet die Clowns kontinuierlich in dem Bereich der Clinic-Clownerie, aber auch z.B. im Bereich der Hygiene weiter.

Was braucht es ihrer Meinung nach, um Clinik-Clown zu sein? Was zeichnet einen besonders tollen Clinic-Clown aus?
Als erstes braucht es den Willen sich allen Gegebenheit offen zu stellen und damit clownesk umzugehen. Weiterhin benötigen die Clowns natürlich auch viel Handwerkszeug, wie Jonglieren, Akrobatik, Zaubern, Slapsticknummern, Singen, Tanzen. Diese verschiedenen Aktivitäten bringt der Clown dann in seiner/ ihrer spezifischen Art dann zusammen. Dass vieles dabei schief geht, versteht sich von selbst. Es geht aber nicht darum eine Nummer vor den Kindern darzubieten, sondern zu schauen, worauf springen die Kinder an, was finden sie gut, worüber amüsieren sie sich. Die Arbeit der Clinik-Clowns ist eine kontinuierliche Annäherung an die Kinder und Angehörigen und eine ständige Improvisation. Man weiß in der nächsten Minute nicht was passiert. Die Qualität eines Clinik-Clowns ist das spontane Herantasten an die Bedürfnisse der Kinder. In Sekundenschnelle erfasst er/ sie die Situation und verwandelt sie in ein Spiel, dass die Kinder und Angehörigen von ihrem Alltag ablenkt werden und die Schmerzen, Ängste und Frustrationen in der Klinik vergessen. Ein Erfolg ist es immer wieder, wenn nach dem Besuch der Clinik-Clowns die Stimmung lockerer, freier und leichter ist. Dabei geht es nicht darum, immer Spaß zu haben. Das kann auch einmal in einer kräftigen, langen Umarmung oder einem ernsten Gespräch enden.

Glauben Sie, man hat den Clown irgendwo tief in sich oder muss man es lernen?
Jeder Mensch ist irgendwie ein Clown. Nur die wenigsten trauen sich diese persönliche Seite offen zu zeigen. Das Handwerkszeug kann man lernen, aber die Grundintention der positiven Begegnung hat jeder in sich. Die naiv-kindliche Seite wird leider zu oft versteckt oder sie wird in einer eher peinlichen und abwertenden Art gezeigt. Das hat aber nichts mit Clownerie zu tun, denn Clowns und speziell Clinic-Clowns achten sehr empathisch darauf, dass es dem Gegenüber gut geht und nicht verletzt wird.

Wie lange sind die Clinic-Clowns schon bei Ihnen aktiv?
Vom ersten Tag an, seit Oktober 2014.

Gibt es für Sie wichtige Erkenntnisse aus der Arbeit mit Clinik-Clowns?
Unsere Gäste lieben die Clowns und freuen sich jede Woche wieder neu, wenn diese kommen. Sie strahlen, haben jede Menge Spaß und erleben tolle, einzigartige Momente.

Ist Ihnen schon einmal ein Kind begegnet, das Angst vor Clowns hat? Wie wird damit bei Ihnen umgegangen?
Es gibt immer wieder Situationen, in denen Kinder Angst vor Clowns haben. Die Berichte über Horror-Clowns helfen dabei natürlich nicht, obwohl jenes selbstverständlich nichts mit Clownerie und Clinic-Clowns- Arbeit zu tun hat. Wenn ein Kind Angst vor uns hat, dann geben die Clowns dem Kind größtmöglichen Freiraum und Platz. In einem großen Raum versuchen sie dann möglichst weiten Abstand zu halten und dem Kind die Möglichkeit zu geben sie nur zu beobachten ohne in Aktion zu treten. Dann wird das Kind nicht direkt angespielt, sondern nur Kinder, die auch mitspielen wollen. In einem kleinen Zimmer gehen die Clowns schnell raus, machen eine Luftballonblume oder hinterlassen etwas anderes für das Kind. Da ist die nötige Distanz leider nicht machbar.

Wie sieht ein Clown Alltag im Aegidius-Haus aus?
Es gibt eigentlich nicht DEN Alltag. Wie gesagt, improvisieren die Clowns in Abhängigkeit, welche Kinder auf was anspringen. Oftmals singen sie Lieder oder machen Musik. Das ist vielfach der Beginn. Dann werden die Kinder aufmerksam auf sie und dann versuchen sie die Kinder persönlich anzusprechen. Sie gehen immer zu zweit, so dass die Kinder auch die Möglichkeit haben einfach zuzuschauen, was die Clowns erst einmal mit einander spielen.

Wie wichtig ist Lachen als Therapie?
Diese Art von Therapie ist immer noch unterbewertet, obwohl die Medizin langsam anerkennt, dass nicht nur technische und medikamentöse Therapien notwendig sind. Das Lachen und die Arbeit der Clinic-Clowns ist eine ergänzende Therapie, die Stimmungen bei Patienten und Angehörigen verändert und das kindliche Lebensgefühl versucht immer wieder neu zu entfachen. Jeder kennt das Gefühl, einfach mal über ein peinliches Missgeschick und über sich selber herzlich zu lachen, befreit ungemein. Clowns sind für die Kinder Verbündete, die die gleichen Missgeschicke, „Unfälle“ verursachen, wie sie selber. Die Kinder kennen es, wenn man mal gegen die Tür läuft und freuen sich tierisch, wenn einem das passiert und keiner verletzt ist. Das befreit und nimmt ihnen für einen kurzen Moment die Angst und die Schmerzen. Für die Eltern ist es ebenfalls eine heilsame Therapie, wenn sie sehen, dass sich ihr Kind doch noch über Dinge diebisch freuen kann und noch ganz Kind ist.

Was sind die größten Argumente für die Arbeit mit den Clinic-Clowns?
Das Lachen der Kinder, die Unbeschwertheit die dann im Raum herrscht. Das Lachen und die Freude unserer Gäste erfüllt uns alle und versüßt uns den Tag.

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Wie schaffen es die Clinic-Clowns, auch in schwierigen Situationen mit den Patienten immer den Humor zu behalten?  Nehmen die Clowns auch mal Emotionen und Geschichten mit nach Hause?
Auch in schwierigen Momenten tasten sich die Clowns langsam heran, erspüren wann der richtige Moment für ihre Intervention ist. Da kann es auch mal passieren, dass man erst einmal wieder geht, um Minuten später wieder zu kommen. Die große Kunst ist es Dinge, Erfahrungen, Emotionen aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Das gelingt einfacher mit den Kindern und ist schwieriger mit den Eltern. Kinder können uns ihre Erfahrungen und Erlebnisse recht frei und einfach erklären, damit können wir dann schnell spielen. Da hängen oftmals nicht zu große Emotionen dran. Aber die große Qualität der Clinic-Clowns ist, dass auch mit den Kindern, Eltern und Geschwistern ernsthaft über die Probleme, Ängste und Gefühle gesprochen werden kann. Auch hier sind die Clowns Verbündete der Kinder, d.h. manchmal erzählen sie uns Dinge, die sie den Eltern lieber nicht erzählen. Das gehört zu der intensiven Beziehung dazu.

Die kleinste Maske der Welt schützt in der Mehrzahl der Begegnungen davor, dass die Clowns die Emotionen, Geschichten mit nach Hause nehmen. Da wir aber immer enge Beziehungen zu den Kindern und den Angehörigen aufbauen, kann es aber manchmal schon passieren, dass diese dann auch zu Hause auf dem Küchentisch landen. Dafür bietet der Verein Clinic-Clowns Hannover e.V. auch Supervisionsgespräche an. Der kollegiale Austausch zwischen den Clowns hilft in diesen Situationen auch oftmals.

Wenn ihr auch ein Projekt kenn, dass dringend von der deutschen Fernsehlotterie gefördert werden sollte, dann schaut mal auf Du bist ein Gewinn vorbei und informiert Euch, wie ihr euer Projekt einsenden könnt.

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2 Comments

  • Reply
    Ellie
    3. September 2017 at 12:10

    Super süsse Bilder und grossartiger Post!<3

  • Reply
    Ella
    8. September 2017 at 2:26

    Wow, danke für diesen tollen Beitrag!!
    Ich war der Lotterie und derartigen Glücksspielen immer eher abgeneigt gewesen… aber ich hatte ja keine Ahnung, dass es Soziallotterien gibt!
    Eine win-win-Situation für alle, großartig!
    Bin also jetzt ein Fan der deutschen Fernsehlotterie und werde in Zukunft sicher das eine oder andere Mal ein Los für mich kaufen oder an andere verschenken <3

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