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5 Dinge die du lernst, wenn du in einem Internationalen Studentenwohnheim lebst

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kaya feministin

Als ich damals die Zusage für meinen Erasmusplatz in den Niederlanden bekam, fing ich sofort an nach einer Wohnung für mich zu suchen. Auf keinen Fall wollte ich in ein Studentenwohnheim. Von Freunden hatte ich gehört, dass sie sich teilweise die Küche mit 10 Leuten teilen würden und die schimmligen Bäder neben den dubiosen Mitbewohnern noch das kleinste Übel seien. Ich wollte in eine WG, Locals aus Rotterdam kennenlernen, so richtig in der Stadt leben. Und ich wollte nicht mehr als 500€ zahlen und damit hatte sich das dann auch schon erledigt. Alle WGs waren voll oder zu teuer und die Zeit rannte mir davon. Letzte Option: Studentenwohnheim. Shit.
Mein bester Freund riet mir mehrmals, ich solle den freien Platz annehmen und mich nicht so anstellen. Aus der Not heraus hörte ich am Ende also auf ihn, bewarb mich und bekam einen Platz. Mein Studentenwohnheim war ein Wohnheim für international Studierende, die für ein Auslandssemester oder Jahr in Rotterdam leben oder ihr gesamtes Studium dort absolvierten. Jedoch darf keiner länger als ein Jahr bleiben, also ist dort immer einiges was los und jede Menge Bewegung.
Man lebt mit Menschen aus aller Welt zusammen: Russland, Korea, Finnland, der Karibik… Was zugegebenermaßen nicht immer einfach ist, einem aber definitiv nie langweilig wird. Es fühlt sich nicht so an, als hätte man nur einen Mitbewohner, sondern dutzende und in der kurzen Zeit habe ich einiges gelernt.

 

5 Dinge die man lernt, wenn man in einem Internationalen short stay Wohnheim lebt:

 

  1. Musikgeschmäcker können ja so unterschiedlich sein

Du hast kein Bock um 1 Uhr nachts traditionell bosnische Musik zu hören? Schade! Dein Nachbar schon! Also fängst du an zu beten, dass es bald aufhört oder der Housing Officer sie ermahnt die Musik leiser zu machen. So jedenfalls in den ersten Wochen… Denn irgendwann gewöhnst du dich dran, fängst an selbst in deinem Zimmer rumzuspringen, wenn die Nachbarn mal wieder die Boxen aufdrehen. Bis du neue Nachbarn bekommst, die hören dann vielleicht lieber brasilianischen Funk oder K-Pop. Und daran gewöhnt man sich dann auch.
Wenn man mich jetzt also nach meinem Musikgeschmack fragen würde, ganz ehrlich ich wüsste nicht was ich antworten sollte…

  1. Der Müll deiner Nachbarn wird auch dein Müll sein

In der Theorie knotet man seinen Müllbeutel zu wenn er leer ist, nimmt ihn aus dem Mülleimer und bringt ihn runter zu den Tonnen, wo er dann irgendwann von der Stadtreinigung abgeholt wird. Nun ist es aber so, dass die Stadtreinigung manchmal kaum hinterher kommt den ganzen Müll abzuholen. In dem Fall befinden sich eine Straße weitere Tonnen, in welche man seinen Müll werfen kann, wenn die Tonne vor dem Wohnheim mal wieder voll ist.
Ja, so ist es in der Theorie…
In der Praxis wird der Müll einfach vor die Tonne auf den Fahrradparkplatz geworfen, wo die Tüte dann irgendwann aufreißt und dir Bananenschalen und Plastikreste um die Räder deines Fahrrads wehen. Der Müll, den deine Nachbarn produzieren wird immer auch dein Müll sein, daher an dieser Stelle mal kurz der Appell an all die Studenten da draußen, die im Wohnheim leben: Bringt euren Müll vernünftig weg!!!

 

  1. Ordentlichkeit ist nicht auf der ganzen Welt gleich definiert

Ich habe das Gefühl, dass in Deutschland Ordentlichkeit überall relativ gleich definiert ist. Und auch habe ich das Gefühl, dass man sich überall in Deutschland darauf einigen würde, dass ich ganz sicher nicht dieser Definition entspreche. Keiner würde mir ein Messitum vorwerfen, aber bevor Freunde kommen bin ich erstmal 2 Stunden mit aufräumen beschäftigt. Anders bei all meinen brasilianischen Freunden, die so viel entspannter waren und was meine Oma als Unordnung empfunden hätte war für sie völlig in Ordnung.

  1. Am Samstag hast du vor 12 Uhr Mittags ruhig zu sein

Ob man das wohl weiter erläutern muss? Ich glaube nicht…

 

  1. Hilfsbereitschaft ist international

Egal ob du eine Küchenwaage, eine Luftmatratze oder einfach nur ein Bier brauchst: Dir wird geholfen. Immer! Der Finne leiht dir seine Teller, vom Kroaten bekommst du Nudeln, wenn du keine mehr übrig hast, der Engländer wird dir nach Hause helfen wenn es eine lange Nacht war. Meine koreanische Mitbewohnerin zeigte mir wie ich meinen Reis vernünftig koche und meiner russischen Mitbewohnerin half ich mit ihren Deutsch Hausaufgaben. Egal was du brauchst: Wenn du etwas brauchst wird dir geholfen werden, von jedem! Auch wenn dabei manchmal Klischees bedient werden, was es eigentlich fast noch schöner macht, weil das ein wenig Witz in die ganze Sache bringt.

 

Im Studentenwohnheim zu wohnen war eine schöne und aufregende Zeit, aber am Ende ist man doch froh, wenn man wieder heim kommt und auch ohne Flipflops das Badezimmer betreten kann.

 

Photo by Samuel Zeller on Unsplash

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1 Comment

  • Reply
    Tanja
    27. Juli 2017 at 18:59

    ….das ist wohl wahr! xo Tanja

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