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Feminismus – Antworten auf Fragen und Ignoranz

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kaya feministin

Ich nenne mich öffentlich stolz und gerne Feministin. Sich öffentlich „Feministin“ zu nennen führt jedoch oft dazu, dass man negativen Kommentaren ausgesetzt ist und über die letzten Jahre habe ich mir so einige Sachen anhören müssen.
Dinge, die versuchten Feminismus zu relativieren oder Feminismus gar als eine Art Teufelskult oder Volkskrankheit darzustellen. Dinge, die manchmal nur für Kopfschütteln bei mir sorgten und Dinge, bei denen ich wirklich wütend wurde.
Man lernt schnell, dass es in so einer Diskussion nicht hilft, wenn man wütend wird, da einen der Gegenüber dann gar nicht mehr ernst nimmt und weil man sich selbst einfach unglücklich macht.
„Pick your battles“, würde Anna jetzt sagen.

Ich habe also damit angefangen, mir Antworten parat zu legen, denn meistens ähneln sich die kritischen Kommentare stark; es ist fast wie eine Art Bullshit-Bingo und je nach Aussage meines Gegenübers weiß ich meist schon genau, was ich antworten werde. An manchen Tagen würde ich gerne einfach mit einer kurzen Antwort antworten, an Tagen an denen es mich einfach so aufwühlt, wie unaufgeklärt manche Leute sind, wenn es um Feminismus geht. Jedoch möchte ich gerne dass sich jeder stolz Feminist nennt und ich möchte gerne, dass wir gemeinsam dafür kämpfen, dass das Realität wird.
Daher hier ein paar Antworten auf die Bemerkungen die ich am häufigsten höre, wenn ich sage, dass ich Feministin bin. Antworten, die möglicherweise auch euch helfen ruhig zu reagieren, wenn jemand eine der folgenden Bemerkungen macht nachdem ihr sagt „Ich bin Feministin!“.

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„Feministinnen sind Männerhasser“

Kurze Antwort: Nein
Ausführliche Antwort: Ich kann verstehen dass du, wenn du an Feministinnen denkst, das Bild von einer Frau im Kopf hast, die gegen nichts anderes als das männliche Geschlecht kämpft. Dieses Bild hast du sicher weil Frauen, die sich Feministinnen nannten oder nennen, männerfeindliche Aussagen gemacht haben. Jedoch steht Feminismus für Gleichberechtigung und nicht für das Herabsetzen eines Geschlechts. Du wirst sicher wissen, dass aggressive Statements aber schneller die Runde machen und mehr Aufmerksamkeit bekommen. Feminist kann sich jeder nennen und jeder kann Dinge im Namen des Feminismus behaupten, jedoch hat Feminismus nichts mit Männerhass zu tun.

„Dieser Genderquatsch soll aufhören, Männer und Frauen sind nunmal unterschiedlich!“

Kurze Antwort: Ja, sie unterscheiden sich, so wie sich alle Menschen unterscheiden. Bedeutet ja aber nicht, dass nicht alle Menschen die gleichen Chancen, Rechte und Möglichkeiten haben sollten.
Ausführliche Antwort: Frauen und Männer unterscheiden sich biologisch, da gebe ich dir recht. Jedoch bestimmt unsere biologische Geschichte nicht immer, welchem Geschlecht wir uns zugehörig fühlen oder wie wir diese Zugehörigkeit ausdrücken. Manche Frauen fühlen sich weiblicher, andere Frauen entsprechen weniger dem, was wir in unser Kultur als „weiblich“ empfinden. Genauso wie manche Männer gerne vor Testosteron strotzen wollen, während andere typische „Frauensachen“ mögen. Das sollte kein Grund dafür sein sich über jemanden lustig zu machen oder weniger zu respektieren.
Genauso wie es für einen Bürojob keinen Unterschied macht, ob Männer stärkere Arme als Frauen haben oder Frauen morgens häufiger länger im Bad brauchen. Wir müssen anfangen Genderklischees zu überwinden wenn wir eine Gleichberechtigung von Mann und Frau wollen, was nicht bedeutet, Unterschiede zwischen verschiedenen Geschlechtern zu leugnen oder abzulehnen. Sie sollten nur nicht dazu führen, dass jemand benachteiligt oder verurteilt wird.

*Augenrollen*

Kurze Antwort: *Augenrollen*
Ausführliche Antwort: Was genau nervt dich denn am Feminismus? Vielleicht hast du durch ein paar negative Eindrücke ein Bild von Feminismus im Kopf, das dem Begriff so gar nicht gerecht wird. Wenn du möchtest, können wir uns gerne über Feminismus austauschen und ich kann dir erklären, warum er für mich wichtig ist und warum ich der Meinung bin, dass auch du dich Feminist nennen würdest.

nicole-adams-198431

„Frauen sind heutzutage nicht mehr benachteiligt“

Kurze Antwort: Leider doch, deswegen kämpfen wir ja für Gleichberechtigung.
Ausführliche Antwort: Dass Männer und Frauen weltweit nicht die gleichen Rechte haben ist leider nicht abzustreiten. Jedoch sind Frauen viel gleichberechtigter in den westlichen Ländern als in anderen Teilen der Welt. Trotzdem finden wir auch in westlichen Ländern noch keine volle Gleichberechtigung von Männern und Frauen, zum Beispiel in der Berufswelt, im Sport oder auch in alltäglichen Dingen.
Männer werden beim Einstellungsverfahren oft bevorzugt, im Sport verdienen Männer nicht nur weitaus mehr sondern werden auch mehr unterstützt und im alltäglichen Leben deuten Slutshaming und die Objektinfizierung der Frau auf eine Ungleichheit und Benachteiligung der Frau hin.

„Cool, ich bin auch Feminist/in!“

Kurze Antwort: <3 <3 <3
Ausführliche Antwort:
<3 <3 <3 <3 <3 <3 <3 <3 <3 <3 <3 <3 <3 <3 <3


Ich habe eingesehen, dass ich bei Menschen, die bereits eher ignorant oder uninteressiert dem Thema gegenüberstehen, mich bei meiner Antwort eher kurz halten muss, während ich bei Leuten, die interessiert scheinen, eher dazu neige eine längere, erklärende Antwort zu wählen. Wie ihr am liebsten reagiert ist natürlich euch selbst überlassen, Hauptsache wir reagieren und setzen uns gemeinsam dafür ein, dass unser Geschlecht keine Rolle spielt wenn es zu unseren Rechten und Möglichkeiten kommt.

Ich bin mir bewusst, dass Feminismus, Sexismus und Gender komplexe Themen sind, ich habe hier versucht möglichst simple Antworten zu formulieren, die der Komplexität der Themen nicht unbedingt gerecht werden, jedoch für eine einfache Diskussion ausreichen. Sollte euch also das nächste Mal jemand blöde daher kommen, schickt ihm den Link zu diesem Artikel.

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7 Comments

  • Reply
    leonie
    21. Juni 2017 at 10:47

    DANKE!!! DANKE!!!!

  • Reply
    Lotti
    21. Juni 2017 at 11:19

    Kaya, du sprichst mir aus der Seele.

    Ich studiere Informatik. Da habe ich das Gefühl das besonders hier eine sehr ablende Haltung gegenüber Feminismus herrscht. Aber das ist kein Problem, ich werde es noch nicht müde die lange Antwort zu bringen. Und ich bin es nicht müde bei jeder Ungleichheit das anzusprechen.

    Es freut mich, grad auch von dir, die sich ja ähnlich in ihrem Bereich durchsetzen muss wie ich, einen solchen Artikel zu lesen und würde mich sehr freuen wenn noch weitere Folgen …

  • Reply
    Kritikerin
    21. Juni 2017 at 11:28

    *gähn*, ganz ehrlich.

    Ich hätte mir etwas tiefgründigeres gewünscht. Zum Beispiel eine kritische Auseinandersetzung mit denen, die Schuld daran sind, dass das landläufige Bild beim Wort „Feminismus“ eher negativ besetzt ist. Und neue Ansätze – entweder, um das Bild wieder gerade zu rücken und zwar ausgehend vom Sender der eurer Meinung nach falschen Botschaft.

    Oder, falls der Gegner (= Sender oder aber auch die Vorurteile) zu übermächtig sind: warum nicht einen neuen Begriff entwickeln und kultivieren. Du schreibst: „Feminismus setzt sich für Gleichberechtigung“ ein. Aber ist das Wort Feminismus nicht schon Ausdruck gelebter Ungleichheit? Feminsmus setzt sich für die Gleichberechtigung der Frauen ein und distanziert sich damit ausdrücklich von Männern. Zu sagen, dass sich Feminismus für Gleichberechtigung ohne den Zusatz „für Frauen“ einsetzt, ist schlichtweg unwahr und schon dem Wort nach falsch.

    Sollte es nicht einen Begriff geben, der sich direkt für beide Geschelchter und deren Gleichberechtigung einsetzt? Universal, geschlechterübergreifend? Fände ich erstrebenswerter, zukunftsweisender und auch unterstützenswerter.

    Ich bin eine Frau die offen und direkt ausspricht: Ich bin KEINE Feministin. Und nein, ich bin keine überzeugte Hausfrau. Ich bin Alleinverdienerin meiner Familie und gehöre mit meinem Einkommen zu den oberen 10%.

    • Reply
      Kaya
      21. Juni 2017 at 23:35

      Hey,
      Ja, ich wünsche mir auch oft dass es neben „Feminismus“ noch einen anderen Begriff gäbe der das ausdrücken würde, wonach Feminismus strebt, nämlich der Gleichberechtigung der Geschlechter. Dann gäbe es nämlich viele Diskussionen gar nicht und das Thema wäre sicher häufig leichter zu diskutieren. Das Thema Feminismus ist wie du auch schon erkannt hast ein sehr großes mit vielen Aspekten. In diesem Artikel geht es aber nicht um den Begriff „Feminismus“ selbst, sondern wie man sich mit kritischen Kommentaren auseinander setzen kann und versucht somit auch das „Bild wieder gerade zu rücken“. Passend also, dass dein Kommentar auch eher kritisch ist! Ich fände es schön gäbe es einen Begriff der rein vom Wortlaut ausdrückt, wofür der Begriff Feminismus momentan steht. Aber solange es diesen Begriff nicht gibt werde ich mich weiter stolz Feministin nennen :)

    • Reply
      Steffi
      22. Juni 2017 at 22:05

      Hallo Kritikerin :)
      Ich teile deine Ansicht bezüglich des Begriffes. Aus diesem Grund nenne ich mich nicht Feministin, da ich für Gleichberechtigung beider Geschlechter plädiere. Aus meiner Sicht erreicht sich Gleichberechtigung nicht durch die Schaffung einer Gegenbewegung, sondern den Ausgleich im individuellen Bedarfsfall. Aus meiner Sicht suggeriert der Begriff Feminismus genau diese Gegenbewegung – Wörter sind bedeutsam. Dennoch ist klar geworden, dass es nicht um eine reine Gegenbewegung geht – die Frage bleibt ob der Begriff wirklich passend ist… Ich bleibe dabei einfach ein möglichst offener Mensch zu sein, mit eigenen Bedürfnissen und beispielsweise dem Wunsch nach Tätigkeitsbezogener Vergütung.

  • Reply
    Anna Teresa
    21. Juni 2017 at 12:11

    Sooooo lesenswert!!! Gleich mal auf Twitter geteilt! Ich würde mich sehr über weitere Artikel zum Thema Feminismus freuen. Ich selber beschäftige mich erst seit circa 4 Monaten ausgiebig mit dem Thema und sauge momentan alles auf, was es da so zu lesen gibt und dieser Artikel hier ist einfach nur toll. :-)

    Liebste Grüße
    Anna

  • Reply
    PLAYLIST – Girlpower – Little White Pages
    22. Juni 2017 at 14:06

    […] Frost (aktuell und sehr lesenswert ist der Beitrag über Feminismus von Annas Gastautorin […]

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