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„Ich bin nicht so wie andere Mädchen“

Kaya Feministin Fafine

“Ich hänge lieber mit Jungs rum, Mädchen sind zu anstrengend”

Zitate wie dieses sieht man, hört man (viel zu oft). Überall. Von Frauen.
Dabei geht es gar nicht mal darum Frauen schlecht zu reden, sondern einfach darum zu zeigen, dass man selbst stark ist. Ein starkes Mädchen oder eine starke Frau. Die arbeitet, die unkompliziert ist, die nicht den Genderklischees einer Frau entsprechen möchte.

Als ich in der Pubertät war, habe ich häufig selbst Dinge gesagt wie “Die meisten meiner Freunde sind Jungs, mit Mädchen ist das irgendwie so anstrengend”.
Dabei aber nie erkannt, was ich damit eigentlich wirklich mache, was die Message dahinter ist. Denn dieser Satz ist nichts anderes, als Frauen unter Männer zu stellen; ich habe ein ganzes Geschlecht einfach abgestempelt, damit ich nicht dafür abgestempelt werde, selbst dazu zu gehören. Sehr ironisch, wenn man so darüber nachdenkt.

Zudem habe ich immer weibliche Freunde gehabt. Es war nie so, dass all meine Freunde und Bekannten nur männlich waren. Meine engsten Freunde waren damals immer Mädchen, die Mehrheit meiner Bekannten männlich. Und natürlich gerät man schneller in Konfliktsituationen, wenn man einer Person sehr nahe steht und viel Zeit mit dieser verbringt, als mit Personen, mit denen man nur ab und zu in einer Gruppe Freizeitaktivitäten unternimmt.
Ich war mit Jungs in dem Alter niemals so eng wie mit Mädchen und dass es irgendwann mal Streit gab oder Diskussionen wegen Meinungsverschiedenheiten, habe ich immer darauf geschoben, dass es Frauen sind. Weil das sagen ja auch immer die anderen so: Frauen weinen schneller, Mädchen sind zickig, die sind so emotional und wenig entspannt, Frauen meckern immer. Jungs machen sowas nicht. Jungs sind einfach nur Jungs. Raufen sich mal, aber kein Zickenkrieg…

Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, dass die Tatsache, dass ich mit meinen Freundinnen Streit hatte aber nie mit Jungs, eventuell daran liegen könnte, dass ich mit ihnen ganz andere Dinge tue und teile oder dass ich möglicherweise mit einem bestimmten Typ Mensch nicht klarkomme, welchen es sowohl unter Frauen als auch unter Männern gibt.

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Heute macht es mich traurig, wenn ich junge Mädchen oder auch erwachsene Frauen höre die Dinge sagen wie “Mit Frauen komme ich nicht so gut klar”, weil dahinter einfach diese Ironie steht. Zu sagen, man sei selbst nicht so, aber anderen Frauen nicht das gleiche Recht beizumessen von dem Genderklischee abweichen zu können.

Wir sollten einander stärken und helfen, zusammenhalten im Streben danach zu zeigen, dass Genderklischees überholt sind.
Wer das Gefühl hat mehr zu sein als nur ein emotionales Bündel, das immer zickt, nicht rational handelt und sowieso eigentlich immer weinen muss: Gratuliere, du hast erkannt dass es diese Vorurteile gegenüber dem weiblichen Geschlecht gibt und dass du, obwohl du eine Frau bist, dem überhaupt nicht entsprichst.
Natürlich bedeutet das nicht, dass man generell keinem Klischee entspricht oder entsprechen sollte: Du kannst Schuhe und shoppen lieben (oder hassen), du kannst nah am Wasser gebaut sein (oder immer gefasst bleiben) und auch mal richtig zickig werden. Aber das sind alles Eigenschaften die jedes Geschlecht ausweisen könnte. Man ist dadurch nicht mehr oder weniger Frau, nicht besser oder schlechter.
Es kann sein dass man sich mit einem Persönlichkeitstypen mehr versteht, mit einem weniger. Aber es ist unmöglich, dass man sich generell nicht mit einem Geschlecht versteht. Und es ist unfair und ironisch zu meinen, man sei selbst kein Abbild der Vorurteile, die es dem jeweiligen Geschlecht gegenüber gibt, aber alle anderen seien es.

 

Girls support Girls! Um Vorurteile abzubauen, muss man an einem Strang ziehen. Wer nicht möchte, dass einem mit Vorurteilen begegnet wird (was meist der Grund hinter Aussagen wie “Ich komm besser mit Jungs klar” ist ), darf diese Vorurteile nicht weiter verbreiten.
Stop shaming each other! Und lasst und stattdessen füreinander und miteinander stehen, so dass wir alle die gleichen Chancen bekommen, unabhängig von irgendwelchen Klischees und Vorurteilen. 

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6 Comments

  • Reply
    Lena
    8. Januar 2018 at 17:15

    Prinzipiell stimme ich all dem zu, allerdings ist die Aussage nicht mit Frauen klar zu kommen ja nicht automatisch auch die Aussage anders zu sein. Ich komm im allgemeinen mit wenigen Menschen gut aus, aber noch weniger mit Frauen als mit Männern. Meine Theorie dabei ist aber, dass Mann und Frau unterschiedlich sind und deshalb die Macken des anderen Geschlechts leichter hingenommen werden können… Wenn Frauen mit dem gleichen Temperament aufeinander treffen, empfinde ich das häufig als anstrengender. Vielleicht liegts auch daran, dass man seine eigenen Macken erkennt und damit umgehen muss.. Ich denke es gibt auch viele Männer denen es so geht.
    Ich bin auch eine typische Frau auf die viele Vorurteile passen und trotzdem (oder vielleicht gerade deswegen) sag ich auch: mit Männern kann ich besser, Frauen sind mir zu kompliziert.

  • Reply
    Kerstin
    14. Januar 2018 at 21:47

    So oft gehört. Immer daran „gestoßen“. Aber aus einem Bauchgefühl heraus. Nie hinterfragt. Du hast dieses Gefühl formuliert. Danke.

  • Reply
    Der linkische Mittwoch - ° Verenas Welt °° Verenas Welt °
    19. Januar 2018 at 14:34

    […] Feminismus: „Ich komm besser mit Jungs klar“ […]

  • Reply
    Ella
    24. Januar 2018 at 23:46

    Toller Beitrag, liebe Kaya! Sehr interessante Gedanken. Kann ich gut nachvollziehen.
    Aber vielleicht ist an Lenas Kommentar auch was dran. Und ich denke, es sind noch etwaige andere Dinge hier involviert, wie z. B. „sexueller“ Konkurrenzkampf mit dem eigenen Geschlecht, was sicher gemildert werden könnte und sollte(!da hast du völlig recht!), aber ganz wird es wohl nie verschwinden, was evolutionstheoretisch Sinn macht (Stichpunkt „sexuelle Evolution“).
    Ich hab den Satz auch gesagt, hin und wieder. Und wenn ich so drüber nachdenke, was die Auslöser waren: ein Klischee oder Vorurteil, bei dem man sich mehr mit dem anderen Geschlecht identifizieren kann; explizit: Frauen, heißt es, sind vorsichtiger, umsichtiger und sagen Dinge lieber durch die Blume, statt mit der Tür ins Haus zu fallen. Das ist doch eigentlich auch eine tolle Sache! Doch ich tendiere dazu, Dinge sehr direkt zu sagen und schätze es ebenso, wenn andere zum Punkt kommen, statt um den heißen Brei zu reden.
    Aber diese Tendenzen in den Geschlechtern sind bestimmt zum größten Teil anerzogen. Und wenn wir die Vorurteile nicht reproduzieren würden, gebe es sie vermutlich nicht und die Geschlechter wären gleich ;) Also nächstes Mal halte ich vielleicht lieber meine Klappe! :D

  • Reply
    Charlotte
    28. Januar 2018 at 15:17

    Hey Kaya, ich lese deine Blogposts von Anfang an und muss sagen ich kann mich da sehr mit dir identifizieren.
    Dieses „ich bin anders“ „ich komme nicht gut mit Mädchen klar“ hinterfrage ich in letzter Zeit auch immer wieder.
    Das Studium nimmt einem da finde ich auch viel Genderdenken. Gerade bei Informatik, denn bei uns an der Uni gibt es nur 10% Informatikfrauen.
    Das führt zu einem Freundeskreis aus Informatikern und nicht Informatiker wo es
    Feinfühlige, Stille, Diven und Lästerer gibt. Wo die Mädels auf den Putz hauen, laut sind und Meinung zeigen, und wo einfach jeder sehr eigen ist.
    Ohne alle Vorurteile. Und so sollte es sein.
    Leider habe ich das Gefühl schon wenn ich mich mit Bekannten von der Pädagogischen Hochschule treffe nicht…. Also hoffe ich das dieses Geschlechterrollen an mehr stellen aus unseren Köpfen verschwinden und wir uns einfach gegenseitig alle Unterstützen, anstatt uns nur von Rollen in die wir gezwängt werden abzugrenzen.

  • Reply
    Der linkische Mittwoch
    26. Februar 2018 at 11:56

    […] Feminismus: „Ich komm besser mit Jungs klar“ […]

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