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Superdad, Partner in Crime und ein Miteinander – Klassische Rollenverteilung gibt es nicht

 

 

Die Sache mit dem Elternsein hatte ich mir einfacher vorgestellt. Da bin ich ganz ehrlich. Knallhart und ehrlich. Eltern werden war jetzt nicht so schwer, aber die Koordination des Alltages mit einem Baby, bzw. jetzt mit einem mehr als aktiven und fordernden Kleinkind ist dann doch eine enorme Herausforderung. Besonders dann, wenn ein eigenes Business nebenbei gestemmt werden will. Einige Monate war ich tagsüber mit Emma alleine und versuchte nebenbei den Blog und einige Projekte am Laufen zu halten, später kam die Agentur dazu. Selbstständigkeit mit Baby ist kein Zuckerschlecken und ich war dankbar, wenn abends Jakob nach Hause kam und mir nach seinem eigenen stressigen Arbeitstag den Rücken frei hielt, damit ich den Kopf kurz frei bekommen konnte und an meinen Projekten arbeitete.

Mein Lieblingsfoto aus der Schwangerschaft ist quasi das letzte Foto von mir mit Schwangerbauch: wir sind bereits in der Klinik und ich durfte mich in ein warmes Schaumbad legen, bei Musik und träumerischem Licht sollte ich mich entspannen, die Wehen kommen lassen und üben, sie wegzuatmen. Stattdessen lag ich in der Badewanne und beantwortete E-Mails, während ich die Wehen wegatmete. Das entspannte mich tatsächlich mehr als die tüddelige Musik.

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Immer, wenn ich gefragt werde, wie ich „das denn alles so schaffe“ – also Kind, Familie, Haushalt, den Blog und die Agentur, weiß ich es eigentlich auch nicht so richtig. Es funktioniert halt einfach.
Den Spruch „Ein Kind ist kein Kind“ höre ich oft und er macht mich fuchsig. Sehr sogar, denn auch „nur ein“ Kind kann ziemlich anstrengend und fordernd sein, wenn man zusätzlich noch ne ganze Menge anderen Kram auf dem Zettel hat, der nicht vernachlässigt werden darf.
Wenn ich sehe, dass eine befreundete Mom mit vier Kindern nicht nur ihrem Mann den Rücken frei hält, sondern auch noch selbst wieder arbeiten geht, bin ich mir eigentlich sehr sicher, dass das, was ich hier täglich schaffe, nicht in Ansätzen dem entspricht, was sie schafft. Sie ist in meinen Augen die Gewinnerin des Mom Games und wenn ich ihre ehrlichen Tweets über ihren Alltag lese, merke ich, wieviel Arbeit und vor allem Liebe sie in alles reinsteckt.
Auch befreundete allein erziehende Eltern schaffen es. Täglich aufs neue schaffen sie es, Job und Kind und alles andere auf der To Do Liste zu jonglieren. Prison Break ist ebenso möglich, denn eine verlässliche Babysitterin oder die Oma hilft aus.
Und wenn ich uns alle vergleiche, dann fällt mir auf, warum es klappt: Wir alle haben Partner an der Seite, die uns dabei helfen, Ordnung ins Chaos zu bringen. Ob es nun der Ehepartner, die Großeltern oder verlässliche Babysitter sind – ganz alleine ist niemand. Vor allem dann nicht, wenn er/sie die Augen aufmacht und sich sein Netzwerk genau ansieht.
Ich habe Jakob eine Menge zu verdanken. Wir haben hier in Hamburg leider keine Familie, die uns unterstützen kann, die wohnen alle sehr weit weg. Aber wir haben es geschafft, uns so zu organisieren, dass es doch irgendwie alles funktioniert. Manchmal ist ein wenig Planung nötig, oft muss man schnell und flexibel reagieren können aber mit Absprache und gegenseitiger Unterstützung ist nahezu alles machbar.

Ich saß letzte Woche in einem Vortrag, der Frauen (Neueinsteigerinnen, Quereinsteigerinnen und Wiedereinsteigerinnen) u.a. motivieren sollte, in der Arbeitswelt durchzustarten oder sogar zu überholen und es wurde gesagt, dass der Vorteil von Frauen gegenüber Männern in der Jobwelt der ist, dass Männer nie oder sehr selten lernen mussten, spontan und flexibel schnell eine Lösung zu finden, für die sie gerade stehen müssen. Als Beispiel diente ein Kind mit 40°C Fieber und ein Termin, zu dem die Mutter muss. Für viele Väter stünde nie zur Debatte, dass sie mit dem Kind zuhause bleiben würden, statt dessen müsse die Mutter zusehen, dass das Kind versorgt wird oder sie müsse ihre Teilnahme an dem Termin absagen.

Ein Beispiel, welches mir zu denken gab. Denn tatsächlich ist das bei Jakob und mir nicht der Fall. Wir sind aber auch – und das ist mir bewusst – in unserer Konstellation nicht der Normalfall. Als Selbstständige haben wir zwar den Vorteil, unsere Arbeitszeiten so einzuteilen, wie es gerade passt, aber auch das trifft nicht immer zu. Wenn das Kind krank ist, um auf das genannte Beispiel einzugehen, können wir uns aufteilen, abwechseln. Gearbeitet werden muss trotzdem, denn das Risiko Selbstständigkeit kommt in der Situation erst recht zum Tragen.

Dads dont Babysit – it’s called „parenting“!

Ich habe Jakob viel zu verdanken, denn er ist mehr als nur mein Partner in Crime. Als Mann, Partner und Vater kann ich mich jederzeit auf ihn verlassen und auch das „spontan und flexibel Lösungen finden“ hat er für sich ausgebaut. Ich sehe unsere Beziehung und unser Elternsein nicht als Aufgabe einer einzelnen Person, sondern es ist ein Miteinander. Kommunikation ist wichtig und auch Zugeben können, dass man Hilfe benötigt, sind essentiell bei einem funktionierenden Miteinander.
Wenn ich lese, dass sich Frauen freuen, dass sie „den Papa auch mal kurz mit dem Kleinen alleine lassen können“, macht mich das ehrlich gesagt ziemlich wütend. Kinderbetreuung und -Erziehung ist nicht reine Frauensache. Der Mann ist ebenso ein vollwertiges Mitglied im Elternclub, also sollte er sich auch so verhalten; bzw. Verhalten dürfen. Mütter sollten die Väter mehr in die Verantwortung ziehen. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass viele Väter nicht nur an den Wochenenden mit ihren Sprösslingen Zeit verbringen wollen und ebenso weiss ich, dass viele Frauen nicht nur die Erfüllung in der Tätigkeit als Mutter finden. Eine schöne Voraussetzung, um genau jetzt an der Schraube zu drehen und die Situation neu auszubalancieren. Stay-at-Home-Dads sind heute keine Seltenheit mehr.

Wenn ich mal ganz ehrlich bin, es gibt viele Eigenschaften, die wir an den Männern besonders schätzen, die jene herausragenden Eigenschaften von uns Frauen hervorragend ergänzen: Jakob zum Beispiel hat genau dann, wenn meine Hutschnur längst geplatzt ist, noch einiges an Geduld und Ruhe übrig, die auch mich wieder in Richtung Normalnull zurück holt. Umgekehrt bin ich diejenige, die mit immer neuen Ideen das Tochterkind (und auch unser aller Leben) auf Trab hält (Stichwort: spontaner Umzug). Während ich noch irgendwo letzte Kraftreserven suche, ist Jakob derjenige, der Nachts oder ganz früh morgens die Stellung hält, damit ich noch ein wenig schlafen kann.

Eine Umfrage einer Forsa Studie von Pampers hat ähnliche Ergebnisse hervorgebracht:

  • Frauen sagen häufiger als Männer, dass sie die Liebe und Spielfreude, die ihr Partner dem Kind entgegenbringt, besonders bewundern.
  • Männer hingegen geben häufiger an, dass die Kraft und Belastbarkeit sowie das Organisationstalent ihrer Partnerin herausragende Eigenschaften im Umgang mit dem Kind sind.    

(*   An der Umfrage haben 317 Mütter und 322 Väter teilgenommen, deren ältestes Kind maximal 5 Jahre alt ist. 70% der Befragten haben ein Kind, 30% zwei oder mehr Kinder.) 

Für uns war früh klar: Wir sind ein Team. Keiner muss was alleine stemmen und die Unterstützung des anderen ist in jeder Situation gesichert. Und genau so, wie wir berufliche Projekte angehen, wollten wir auch unser Elterndasein angehen: als Team, miteinander, gemeinsam und mit viel Herzblut. Bei uns gibt es kein „Ich mache mehr als du!“, hier wird dem anderen der Rücken freigehalten und nicht mit Stechuhr gearbeitet. Jeder bekommt die Chance zur Selbstverwirklichung und das ist genau das, was zählt und was wir unserer Tochter vermitteln wollen. Klassische Rollenverhältnisse sind passé und vor allem veraltet.

Und wenn ihr mich fragt, wer das Dad-Game gewonnen hat, dann ist das in meinen Augen Jakob. Immer und zu jeder Zeit, denn er ist nicht nur Superdad, sondern auch derjenige, der mir den Rücken freihält, um meine Ziele zu verwirklichen. Ich weiß, dass das was wir haben etwas ganz besonderes und wertvolles ist. Und das weiß ich enorm zu schätzen. Um ihm zu Danken oder wertzuschätzen, was er für mich und uns tut brauche ich nicht zwingend einen Vatertag, genauso wenig, wie ich für mich einen Muttertag brauche. Aber schön ist es dennoch, wenn auch an diesem speziellen Tag an einen gedacht wird und man ein kleines bisschen extra Liebe bekommt.

Also nicht vergessen: am 25. Mai ist Vatertag <3

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4 Comments

  • Reply
    Ellie
    23. Mai 2017 at 13:26

    Das ist so ein toller Post, dake! Und die Bilder sind echt super!;-)<3
    http://www.blogellive.com

  • Reply
    Steffi
    23. Mai 2017 at 15:09

    Ich stimme dir so absolut und zu 100% zu. Ich werde richtig wütend, wenn ich sehe, wieviele Frauen von ihren Partnern mit dem „Kinderding“ im Stich gelassen werden. Selbst Paare, von denen ich es nie gedacht hätte, fallen nach der Geburt des Kindes in veraltete Rollenbilder. Neulich sagte mir eine Freundin, im Nachhinein würde sie es auch so machen wie ich aber sie hat einfach gar nicht daran gedacht, dass es auch anders geht. Mein Learning: vormachen dass es auch anders geht. Mein Freund und ich teilen uns Erziehung und Job zu gleichen Teilen und dienen damit als Role-Model für Viele in unserem Umfeld. Vielen Dank, dass du über dieses Thema schreibst und damit ganz vielen da draußen zeigst, wie echte Partnerschaft abseits etablierter (und zu wenig hinterfragter) Modelle funktioniert.

  • Reply
    Katja
    24. Mai 2017 at 9:30

    Unabhängig von Vatertag/Promotion eine wunderschöne Liebeserklärung :)
    Danke.

  • Reply
    berit
    17. Juni 2017 at 19:51

    Läuft bei uns und im Umfeld genauso. Väter und Mütter teilen sich Haushalt und Kinderbetreuung und versuchen dabei Präferenzen des anderen zu berücksichtigen. Es ist ein ständiges Geben und nehmen, oder wie ich vor Jahren mal gelesen habe: Eine Beziehung klappt nicht, wenn jeder 50/50 gibt. Es muss 100/100 sein.

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