BABY

Werkzeugkisten und Spielküchen

emma header spielzeug anna frost fafine

Auch wenn ich im Keller mehrere Kisten und auch in der Wohnung eine halbe Schrankseite mit meinen alten Puppen, Barbies und anderen Mädchenkram horte, werfe ich diese Dinge nicht auf Babyfrost und hoffe, dass ich sie somit in eine Richtung präge. Kinder werden eh von ihrer Umwelt geprägt, aber sie soll ihren eigenen Weg gehen dürfen. Ja, ich kann es nicht verleugnen, ich greife doch manchmal lieber gerne zum rosafarbenen Accessoire für sie, als zum Blauen, aber dennoch hält sich hier farblich die Waage. Seien wir mal ehrlich: Die als genderneutral gekennzeichneten Kleider, Accessoires und Spielzeuge sind dann entweder Gelb, Grün oder Beige und das sind nicht unbedingt die Farben, die ich als besonders attraktiv erachte. Meine Güte, wäre das geil, wenn ich sie in einem Quietschrosa mit abwechselnd Pink und Lila Kinderzimmer setzen könnte, aber ja… das wäre auch nur für 20 Minuten fürs Auge angenehm. Danach setzt vermutlich die Schneeblindheit ein. Also eigentlich Pinkblindheit. Ihr wisst, was ich meine…

Ich gebe offen zu, dass ich meiner Tochter gerne all den Kram kaufen möchte, den ich als Kind nicht hatte, aber gerne gehabt hätte: eine bunte Kinderküche, ein großes Puppenhaus mit kleinen Püppchen, ein großzügig eingerichteter Kaufmannsladen mit Obst, Gemüse und vielen anderen Dingen aus Holz … Früher war das nicht drin. Ich war daher oft bei Freundinnen zum Spielen, die eben jene Dinge hatten. Das war absolut nicht schlimm, sondern normal, denn ich hatte dafür andere Dinge und meine Freunde waren deswegen bei mir. So ist das als Kind. Ich weiß noch, dass ich immer alle meine Barbies in eine große Reisetasche packte, meinen Barbiehauskoffer zusammenklappte und zu meiner damaligen besten Freundin marschierte, die nur zwei Straßen weiter wohnte. Astrid hatte das Barbie Traumschiff. Das Traumschiff mit den zwei Cocktailgläsern als Schornsteine. Und sie hatte das Barbiepferd. Und Katja brachte immer das Barbiecabrio mit. Stundenlang verbrachten wir drei Mädchen damit, uns Geschichten auszudenken, unsere Puppen an- und auszuziehen, Schuhpaare zusammenzusuchen und die Barbies auf Reisen zu schicken. Besonders aufregend war es, wenn ich dann eine besonders tolle neue Barbie aus dem Amerikaurlaub mitbrachte oder ein neues Outfit, welches es hier in Deutschland (noch) nicht gab. Bei Astrid lernte ich auch Nintendo spielen. Sie teilte sich ein Zimmer mit ihrem Bruder und sie war super gut bei Mario Kart. Ich nicht. Auch heute nicht, denn ich habe keine Ahnung, was die Tasten X, O und das grüne Quadrat eigentlich machen. Bei Tekken gewann ich nur durch Zufall, weil ich irgendwas drückte…

Einen Kaufladen hatte mir damals mein Vater mit meinem Opa zusammengezimmert. Meine rote Kasse klingelte oft, denn es kam immer jemand zum Einkaufen vorbei. Das Geld in der Kasse hatte meine Mutter in liebevoller Handarbeit selbst gemacht: Echte Münzen unter ein Blatt Papier gelegt und mit einem Buntstift abgepaust, indem sie in schnellen Strichen drüber malte. Geldscheine gab es auch, aber die waren etwas komplizierter zu malen. Mein Kaufladen bestand aus leeren Kartons und Dosen und Gläsern, wie sie es im echten Supermartk zu kaufen gibt, die meine Mutter und meine Oma für mich aufhoben, ausspülten und teilweise mit neuen Etiketten beklebten.

Manchmal, wenn ich abends nicht schlafen kann, surfe ich auf eBay herum und suche das Spielzeug zusammen, welches ich als Kind hatte. Polly Pocket Figürchen und Schatullen, Barbies dessen Köpfe mein Bruder abgerissen hatte (ein Drama! Denn sie waren kaum zu reparieren und der Kopf saß auf den Schultern. Ein Trauerspiel…) oder an Silvester mit einer Rakete in Nachbars Garten schoss, Puppen und Brettspiele… Es ist ein Jammer, dass man nicht alles aufheben kann. Immer mal wieder schreibe ich meinen Eltern eine Nachricht, „Erinnert ich euch noch an die Puppen, die ….“ und ein paar Tage später packe ich das zugeschickte Paket mit eingestaubten Kindheitserinnerungen aus. Was nicht mehr aufzufinden ist, weil es vielleicht verkauft oder weggeworfen wurde, suche ich bei eBay. Der schönen Erinnerung wegen. Kindheit ist etwas schönes und kostbares und leider ist sie immer schneller zu Ende. Gerade in der heutigen Zeit. Ich hatte das Glück, sehr behütet aufwachsen zu können und an meine Kindheit habe ich wirklich schöne Erinnerungen, wofür ich vielen Menschen aus meiner Familie sehr dankbar bin und viele Erinnerungen verknüpfe ich mit Spielzeug, Puppen und anderen Dingen, mit denen ich spielte.

Heute bin ich teilweise enttäuscht, wie sich Spielzeuge über die Jahre stark verändert haben. Polly Pocket Figuren waren damals wirklich klein. Sehr klein. Wenige Zentimeter klein. So klein, dass sie in die Hosentasche passten. Heute sind sie aus Weichplastik, man kann ihnen die Kleider an und ausziehen, sie haben kämmbare Haare und sie sind handtellergroß.

Mein Opa, gelernter Schreiner, baute viel Spielzeug für mich. Ich war das erste Enkelkind und genoss den Luxus 4 Jahre und 9 Monate vieles für mich alleine zu haben. Er baute eine Babywiege, in der bis heute jedes Kind in der Familie die ersten Nächte schlummerte, baute mir ein Schaukelpferd, welches ich abgöttisch liebte und er baute mir ein Puppenbett, welches heute schon in Emmas Zimmer steht und darauf wartet, von ihr bespielt zu werden. Diese Schätze sind kostbar, haben einen unschätzbaren emotionalen Wert und jedes Mal, wenn ich an diese Dinge denke oder sie sehe, fallen mir die vielen Spiele, die ich mit ihnen spielte. Ich hatte auch zwei kleine Spielzeugautos, mit denen ich allerdings nicht herumfuhr, sondern ich trug sie mit mir herum. Es waren kleine Schätze.

Wenn ich heute Spielzeug für Emma aussuche, dann lege ich sehr viel Wert auf die Materialien, aus denen sie bestehen. Holz ist in meinen Augen das schönste Material für Kinderspielzeug, was vielleicht auch daran liegt, dass ich mit viel Holz, vermutlich wegen des Berufs meines Opas, aufgewachsen bin. Holz ist ein wunderbares Material; robust und doch sieht man ihm jedes Lebensjahr an. Kratzer, Macken, Schrammen machen Holz zu etwas ganz Besonderem, machen es teilweise schöner. Es werden Einzelstücke.

Demnächst steht Emmas erster Geburtstag an und dann folgt einen Monat später auch schon Weihnachten. An ihrem ersten Weihnachten war sie eher passiv beteiligt, mit 6 Wochen war da nichts mit Geschenke aufreißen und Spielzeug hat sie ebenfalls gar nicht interessiert. Dieses Mal wird es für alle Beteilgten also etwas spannender und vermutlich wird jede Mutter meine Aufregung nachvollziehen können. Am liebsten möchte ich mein Kind mit allem überschütten, was die Spielzeuggeschäfte hergeben. Alles. Jetzt! Und auf einmal!

Und natürlich beobachte ich sie viel, kenne ihre Interessen und Vorlieben und demnach überschlagen sich in meinem Kopf die Ideen für Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke. Jedoch muss ich mich bremsen. Es folgen noch viele weitere Geburtstage und ich weiß, dass die Zeit rasen wird. Ehe ich mich versehe, geht sie schon in die Schule, macht bald das Abitur und steigt kurze Zeit später in die nächste Rakete in Richtung Mars. Stop! Stop, Stop, Stop! Bleiben wir doch erst einmal beim ersten Geburtstag. Diesem wahnwitzigen Meilenstein! Erster Geburtstag…

Und woran hat mein Töchterlein Interesse? An Kochen und Heimwerken. Es ist faszinierend… Jakob würde sagen: „Monkey see, Monke do!„, denn sie tut Dinge, die ich oft tue: Kochen und Heimwerken. Dinge und Sachen zusammenschrauben, auseinander bauen und Dinge und Sachen zu Essbarem zusammenwerfen. Wir haben hier ein extrem neugieriges Kind, was viel beobachtet und dann Dingen auf den Grund geht. Wie geht das auf? Wie geht das wieder zu? Warum schafft Mama, dass dieses Ding Geräusche macht? Wie geht das? Was passiert, wenn ich das hier da reinstecke? Kann man daran ziehen, drehen oder drücken? Wie funktioniert das?

Emma beobachtet viel und man kann wenig vor ihr geheim halten. Schnell hat sie die Mechanik hinter vielen Dingen herausgefunden und probiert viel aus, nimmt auseinander und erforscht Hintergründe. Sie rührt in Schüsseln, legt Sachen hinein, erforscht Lebensmitel und beobachtet, was wir damit machen.

Bob der Baumeister trifft auf Martha Stewart.

Zu Weihnachten wird es wohl eine Kinderküche und einen Werkzeugkasten geben. Die Interessen des Kindes müssen ja gefördert werden :)

tausendkind september

//Werkzeugkasten / Werkzeugkoffer / WerkzeuggürtelSpielherd / Waschmaschine / Spielküche / Spielküche Pink/ Kombi Küche //

 

Heute gibt es Grillhähnchen mit Fisch. Und bei euch?

Ein von anna frost (@annafrost) gepostetes Foto am


Ja, ich freue mich auf den ersten Sandkuchen, den ich spielerisch essen muss. Ich freue mich auf den ersten Eintopf aus Grillhähnchen und Forelle aus dem Spielofen und erst recht freue ich mich auf die ersten Kekse, die meine Tochter mit der Bohrmaschine aus dem Werkeugkoffer bearbeiten wird. Es wird wunderbar! Wenn nicht sogar episch! Und sie wird hoffentlich die schönsten Erinnerungen haben, wenn sie mal älter ist und Spielzeug für ihre Kinder aussucht…

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20 Comments

  • Reply
    Lea
    18. September 2015 at 14:28

    So voller Liebe, dass ich echt ein bisschen die Tränen unterdrücken müssen. <3

  • Reply
    Rieke
    18. September 2015 at 15:57

    Meine 2-Jährige Nichte hat zum Geburtstag die Küche oben rechts bekommen. Die ist super, kann ich empfehlen ;) Auch einfach zusammenzubauen und mit viel viel Platz für alles, was eine Gourmetköchin so benötigt. :)

    Liebe Grüße
    Rieke

    • Reply
      Anna Frost
      18. September 2015 at 16:44

      die ist echt schön! le toy van macht wahnsinnig tolles spielzeug. auch die puppenhäuser sind unglaublich schön!

  • Reply
    nora
    18. September 2015 at 16:39

    ich liebe wie du schreibst!

  • Reply
    lisa
    18. September 2015 at 16:40

    Tolle Auswahl an Spielküchen! Weißt du schon, welche du davon Emma schenken wirst? Suche nämlich auch eine für meine Tochter ;)

    • Reply
      Anna Frost
      18. September 2015 at 16:44

      vermutlich die beiden unten rechts, von le toy van. mit denen liebäugle ich schon länger :)

  • Reply
    Janina
    18. September 2015 at 19:54

    Ich hatte auch das Barbie Traumschiff und meine Freundinnen waren deshalb oft bei mir. Wir haben uns dann mit Milch und Kakaopulver „Cocktails“ gemischt.

    Unfassbar wie lang das alles her ist…Gut 20 Jahre.

    Und die Sache mit Polly Pocket kann ich gut nachvollziehen. Ich habe die kleinen Püppchen geliebt und gehütet wie einen Schatz. Mein Bruder hatte „Mighty Max“ – quasi die Version für Jungs

  • Reply
    Sarahs Torten
    18. September 2015 at 20:07

    Ich habe vor einiger Zeit auch Polly Pocket gesucht, weil ich es später für meine Tochter haben wollte. Ich war entsetzt wie sehr es sich verändert hat – zum schlechten :( Die Holzspielzeuge von Grimms sind sehr sehr schön, den Regenbogen gibt es zu Weihnachten und wir haben schon so Holzschälchen und einen Stapelturm. Ganz ganz tolle Qualität.

    • Reply
      Anna Frost
      18. September 2015 at 21:03

      Wegen Polly Pocket: Schau auf jeden Fall bei eBay! Dort gibt es ganz viele alte Schatullen und Puppen. Und ist auch nicht soo teuer. Habe vor 2 Jahren mal einige gekauft :)

      • Reply
        Sarahs Torten
        18. September 2015 at 21:11

        Das habe ich vorhin gleich mal gemacht., Da kommen echt Erinnerungen hoch!

  • Reply
    Mel Zett
    19. September 2015 at 8:59

    Du schreibst so schön! Meine Jungs sind 8 und 11 Jahre alt, aber es macht mir trotzdem spass, Deine Baby-Texte zu lesen. Oft komme ich danach ins Grübeln und denke daran, wie es war, als unsere Mäuse so klein waren. Danke für diese Momente!
    Wir haben übrigens damals die Ostheimer Figuren gesammelt. Das war toll beim Tiernamen lernen und auch heute noch steht die passende Krippe mit allem möglichen Getier unterm Weihnachtsbaum. LG ;-)

  • Reply
    Sabrina
    20. September 2015 at 19:45

    Danke für die nostalgischen Emotionen, Anna. Bin ganz gerührt und kann nicht aufhören mein 8 monatiges Baby während des Stillens abzuknutschen…

  • Reply
    Christina
    21. September 2015 at 13:21

    Ganz arg schön geschrieben… ich habe mich gerade sehr in meine eigene Kindheit zurückgesetzt gefühlt.
    Und die Liebe die drin steckt. <3

  • Reply
    neographics
    21. September 2015 at 15:36

    Das Grillhähnchen ist nach wie vor unschlagbar … auch bei 40 jährigen Kollegen :D

  • Reply
    Patrizia
    21. September 2015 at 19:00

    Ich liebe wie du schreibst. Eine tolle Auswahl an Spielküchen :)

    http://www.thesmallnoble.de

  • Reply
    Vika
    22. September 2015 at 8:05

    Ich hab als Kind immer am liebsten mit Lego gespielt :) hab immer ne Werkstatt gebaut und die Straßen mit gelben kreppband angeklebt hihi. Da kommen Erinnerungen hoch :)

    Hätte aber ne frage zum Layout .. Auf meinem iPhone ist das Blog komplett linkslastig und sehr schmal. Soll das so ? Weil es war nicht immer so .. lg

  • Reply
    Tine
    22. September 2015 at 18:29

    Als wenn es der Zufall so gewollt hätte, gab’s heute bei Kivanta einen Facebookeintrag zum Thema Werkbank, unter anderem mit diesem Link
    http://www.kivanta.de/Melissa-Doug-grosse-Werkbank-ab-3-

    Die will man selber haben :)

  • Reply
    Mina Fohemia
    22. September 2015 at 20:33

    Hej Anna,
    wenn du selbst gerne handwerkst und selbermachst dann wäre es doch auch eine schöne Idee für Emma eine Kinderküche zu individualisieren. Auf Pinterest gibt es 1000 Beispiele wie man die IKEA Duktig Küche aufpimpen kann. Der Blog Little Years hat sich auch schon daran versucht:
    http://www.littleyears.de/blog/tag/schonste-kinderkuche/
    Und auch hier ist ein schöner Beitrag
    https://www.hej.de/ideen/kinderzimmer/pimp-your-duktig
    Das Gute, man kann es ganz auf die Einrichtung des Kinderzimmers abstimmen. Gib einfach mal Duktig bei Pinterest ein!
    LG,
    Mina

    • Reply
      Anna Frost
      23. September 2015 at 7:29

      das ist echt ziemlich cool! Danke für die Links!

  • Reply
    Sahra
    27. September 2015 at 13:14

    Liebe Anna,
    wir legen auch viel Wert auf gutes Spielzeug. Ich hatte anfangs Angst, dass ich es eventuell nicht immer beeinflussen kann, aber durch den Amazon Wunschzettel und direkt geäußerte Wünsche, bekommt sie wirklich, was sie benötigt pder wofür ihr kleines Herz schlägt. Zum 1. Geburtstag bekam sie damals von uns allerdings einen Pukylino und den hat sie sehr geliebt, letztes Weihnachten gab es dann die Vergrößerung in Form eines Laufrades. Zum 2. Geburtstag schenkten wir dann eine Kinderküche von Kidkraft. Wir wollten unbedingt eine mit Kühlschrank, etwas größer und haben auch lange überlegt welche es werden soll. Das Zubehör ist auch aus Holz und/oder Stoff. Das hat am Ende fast mehr gekostet als die Küche selbst, war somit aber schon mal gut ausgerüstet. Das meiste kauften wir von auch von Kidkraft oder Hape. Küchenmaschine, Kaffeemaschine, Toaster … und sie liebt sie nach wie vor und bespielt sie fast täglich. Die Waschmaschine finde ich ja auch total süß, vielleicht wandert die noch auf den Wunschzettel :) Ansonsten halten wir Spielzeug auch eher minimalistisch und dafür qualitativ hochwertig. Ich finde, so viel Spielzeug benötigt man gar nicht, wenn man genau die richtigen Dinge hat, die das Kind auch wirklich interessieren und ihr Spiel fördern. Wir haben übrigens diese kleine Werkbank http://www.hans-natur.de/goki-werkbank-werkzeugkiste_p15711.html … hier wird nämlich auch fleißig geschraubt und gehämmert. Manchmal wird es aber auch zweckentfremdet, z.B. wenn die Kuscheltiere krank sind ;)

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