BABY Family & Kids

Versprochen ist versprochen… oder?

Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz bei uns und daran wird niemals gerüttelt, da beißt keine Maus den Faden ab und das wird immer um jeden Preis eingehalten: Wenn Mama und Papa etwas versprechen, dann wird das auch eingehalten.
Hierbei ist es wichtig, dass von unserer Seite nicht willkürlich alles Mögliche versprochen wird und wir in keinster Weise die Kontrolle darüber haben, ob unser Versprechen auch eingehalten werden kann, sondern gut abgewägt wird, ob unser Versprechen zu 100% wasserdicht ist, oder nicht.
Bestehen Zweifel, sagen wir das unseren Kindern, zB. so: “ Ich kann es dir nicht ganz hoch und heilig versprechen, weil wenn es zB. regnet funktioniert es nicht. Also sei bitte nicht enttäuscht, wenn wir unser Vorhaben aufgrund des Regens verschieben müssen – Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Wir holen es dann nach.“
Bin ich mir zu 100% sicher, dass ich mein Versprechen einhalten kann, formuliere ich das auch so, wie zB.: „Schatz, das verspreche ich dir hoch und heilig; wenn du heute aus der KiTa nach Hause kommst, backen wir gemeinsam einen Kuchen. Die Zutaten haben wir alle da.“.

Mittlerweile weiß Emma, dass sie sich auf mein Wort verlassen kann und versteht auch, wenn etwas nicht ganz wasserdicht ist und eventuell umgeplant werden muss. Nicht nur, weil ich es ihr so sage, sondern weil es nicht „hoch und heilig“ versprochen wird. Mir war es von Anfang an wichtig, dass sich meine Kinder auf mich und mein Wort verlassen können, etwas was ich selbst nicht immer hatte und mich oft enttäuscht hat. Nicht zu wissen, ob Hü oder Hott oder mit welcher Willkür darüber entschieden wird, ob ein Wunsch oder eine Bitte erfüllt oder ihr nicht nachgegangen wird, kann für Misstrauen sorgen.
Und wenn ich eines brauche, dann ist es das Vertrauen meiner Kinder in mich und mein Wort.
Meine Kinder sollen lernen und wissen, dass sie mir Vertrauen, sich auf mich und mein Wort verlassen können und sie in mir immer ihren sicheren Hafen haben.

Für mich ist es wichtig, dass meine Kinder den Zusammenhang von Versprechen und Vertrauen kennen lernen, sich auf mich verlassen können und auch verstehen, wenn ein Versprechen aus nachvollziehbaren Gründen nicht eingehalten werden kann.
Wenn uns zB. ein Stromausfall am Kuchenbacken hindert, liegt es nicht daran, dass ich mein Versprechen nicht eingehalten habe. Da waren „höhere Mächte am Werk“, sagt man so schön. Kann man den Kindern erklären und alle sind gemeinsam traurig und überlegen sich eine Alternative. Stellt sich jedoch heraus, dass ich nicht kontrolliert habe, ob wirklich alle Zutaten im Haus sind und es reicht zeitlich nicht mehr, die fehlenden Zutaten einzukaufen, liegt der Fehler bei mir, wäre eigentlich vermeidbar gewesen und macht deutlich, dass ich kopflos ein Versprechen gegeben habe, was ich nun nicht einhalten kann.
Glaubwürdigkeit ist eine Tugend, die ich meinen Kindern mitgeben möchte.

Versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen!

Denn mit einem Versprechen beginnt so vieles: Eine Abmachung, eine Terminabsprache, ein Deal, eine Versöhnung, Teamwork… Glaubwürdigkeit, Versprechen einhalten sind die Grundpfeiler des Miteinanders – eines funktionierenden und fairen Miteinanders. Kann ich einer Person nicht vertrauen, weil sie „sich eh nicht an die Abmachung hält“, gibts schnell schlechte Stimmung und schlägt noch schneller in absolutes Misstrauen um.
Kommt jemand ständig zu spät, hält sich nicht an verabredete Zeiten, ist das vielleicht eine gewisse Zeit noch ein lustiger running Gag, aber schlägt irgendwann in absolutes Misstrauen um und die Beziehung, ob beruflich oder privat, leidet darunter.
Wir Eltern, die Familie, ist für unsere Kids die erste Instanz bei der sie lernen zu Vertrauen und Versprechen einzuhalten. Also alles, was über ihr Urvertrauen hinausgeht und erweitert, sowie stärkt. Emotional starke Kinder haben Vertrauen – in sich selbst, in andere und in die Welt.

Warum dieses Thema in meinem Kopf herumspukt?
Weil es in letzter Zeit einige Male vorgekommen ist, dass ich meine Tochter trösten musste, weil sie von Playdates um mehrere Stunden versetzt wurde. Da kommt man nicht 5 Minuten, nicht 20 Minuten, sondern gerne mal 1,5 Stunden zu spät und meldet sich zwischendurch nicht. Anschließend wird sich nicht wirklich entschuldigt, sondern eher das Chaos auf die Kinder geschoben.
Klar, wir sind auch verplant und tüddelig. Und mit Kids ist alles oft noch chaotischer und dauert eine gefühlte Ewigkeit. Aber jeder kennt seine Kids am besten und wenn man weiß, dass ein Mittagsschlaf zur geplanten Verabredezeit stattfinden sollte, dann sagt man doch, dass man erst später Zeit hat. Und wenn man weiß, dass die eigenen Kids gerne trödeln, dann plant man eben mehr Zeit ein. Versteht mich nicht falsch, ich bin auch nicht der 100% korrekte Alman (dringend diesem Instagram Account folgen, wenn ihr einen Funken Selbstironie habt ;D ) und bin überpünktlich, aber alles, was über 20 Minuten Verspätung hinausgeht, muss schon wenigstens mit einer kurzen SMS angekündigt und entschuldigt werden.
Als Erwachsene komme ich eher damit klar, um einige Zeit versetzt zu werden – ich beschäftige mich einfach irgendwie und schlage die Zeit tot. Mit Kids hat sich meine Ansicht über Pünktlichkeit, Versprechen und Verabredungen und das Einhalten dieser Absprachen jedoch ein wenig geändert…
Für Kinder ist eine halbe Stunde Warten schon eine Unendlichkeit und nicht zu wissen, wann diese Unendlichkeit endet, weil sich ja nicht an eine Verabredung gehalten wurde, ist eine unendliche Unendlichkeit. Endlose Tränen vorprogrammiert.

Wie seht ihr das? Haltet ihr es mit Versprechen und Abmachungen wie die Dachdecker? Oder sind sie euch wichtig und achtet darauf, dass ihr und auch eure Kids diese einhalten?
Wie geht ihr mit Enttäuschungen eurer Kids um, wenn andere ihre Versprechen nicht einhalten?

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6 Comments

  • Reply
    Theresa
    3. Juli 2019 at 13:04

    Ich handhabe es genauso wie du. Meine Tochter ist zwar erst knapp 2, aber ich verspreche ich nichts, was ich nicht wirklich auch halten kann.
    Ich kriege die Krise, wenn ich mich nicht auf wen verlassen kann und bin in puncto Pünktlichkeit seit meiner Tochter auch nochmal wesentlich empfindlicher geworden. Mit Kids braucht man ggf. länger bis man das Haus verlassen kann, da macht einer nochmal in die Windel, jemand kotzt, ein anderer heult weil er im Winter im Lieblingsbadeanzug rausmöchte etc. – aber ich plane genau deshalb immer einen ordentlichen Puffer ein, damit wir auch pünktlich sind.
    Ich habe generell das Gefühl, dass alles etwas unverbindlicher geworden ist 🤷🏼‍♀️ #früherwarallesbesser

  • Reply
    Verena
    3. Juli 2019 at 14:17

    DA bin ich absolut deiner Meinung. Mein Mann und ich überlegen genau wann wir etwas versprechen und wann nicht. Eben genau aus diesen Gründen. Ich möchte,dass meine Kinder sehen und spüren,ich halte Wort. Daher kommt dieser Satz sehr bewusst und durchdacht daher. . Und anschließend den Kindern sagen zu können:“sehr ihr,wir haben es euch dicxh versprochen.“ Und in strahlende Augen zu sehen,ist doch das Schönste.
    Viele Grüße aus Lübeck,
    Verena :-)

  • Reply
    Janine
    3. Juli 2019 at 14:42

    Ich wünschte andere Kinder oder Erwachsene hätten so eine Mutter wie dich! Ich denke mir auch als Erwachsene manchmal, dass es einfach nicht sein kann, dass mir andere Menschen mit ihrem zu spät kommen ständig meine Zeit rauben. Klar sind 10-15 Minuten bei manchen nicht der Rede wert, aber das summiert sich einfach über die Zeit. Manchmal hilft da aber auch eine klare Ansage.
    Danke dir für den Beitrag!
    Grüße aus Heidelberg
    Janine

  • Reply
    Jenny
    3. Juli 2019 at 15:57

    Zu spät kommen ist für mich, wenn es über 10-20 Minuten sind, absolut unhöflich. Die Zeit eines anderen zu verschwenden und ggf noch nicht mal ne Info rein zu geben, macht mich echt fuchsig.

    Hier werden auch alle Versprechen gehalten. Sonst ist man tatsächlich irgendwann unglaubwürdig.

  • Reply
    Sid
    3. Juli 2019 at 17:44

    Ich halte es da wie du versprechen sind einzuhalten und Termine auch. Und wenn man warum auch immer zu spät kommt muss man Bescheid sagen. Kürzlich erst ein enttäuschtes Kind gehabt weil die Verabredung in diesem Fall sein cousin lieber ins Schwimmbad gehen wollte anstatt zu spielen. Seine Mutter hat dies unterstützt obwohl ich sagte das es blöd ist. Hätten dann später zwar mit sollen aber da ich keinen badeanzug besitze ging das nicht da hätte man den Schwimmbad Besuch auch vertagen können und nicht auf den Zeitpunkt der Verabredung legen können. Sowas kotzt mich an.

  • Reply
    Ella
    13. Juli 2019 at 11:36

    Witzig, dass du „wie Dachdecker“ geschrieben hast xD ich kannte das vorher nicht, aber muss es jetzt selbst erleben, wie diese ober-asi Dachdecker unzuverlässig und scheiße sind.. sogar unsere Postpakete haben sie schon geklaut! Wirklich unglaublich…
    Ich sehe das absolut wie du und ich hoffe, dass diejenigen, die diese simplen Weisheiten noch nicht beherzigen, mal deinen Artikel lesen und sich Gedanken machen!! ;)
    Weiter so <3

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