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Kleiderschrank aussortieren in der Schwangerschaft?

Nach dem Duschen saß ich noch eine Weile in meinen Bademantel gehüllt auf dem Bett und starrte ins Leere. Das scheint offensichtlich ein Ding zu sein, was viele Menschen gerne machen – nach dem Duschen einfach nur so dasitzen. Nichts tun. Wenn ich genau darüber nachdenke, ist das eigentlich noch ein großer Bestandteil des eigentlichen Duschprozesses – noch ein bisschen Nass im Handtuch eingewickelt dasitzen und ins Leere starren. Vermutlich ist es ein Nachspüren des Wassers, welches beim Duschen erst auf den Scheitel trifft, dann den Nacken oder das Gesicht hinunter läuft, entlang der Schultern, über den Rücken und den restlichen Körper… Ich bade zu selten, um genau vergleichen zu können, ob das „dasitzen und ins Leere starren“ auch nach einem 20 Minütigen Bad notwendig ist, aber nach einer Dusche auf jeden Fall.
Spätestens dann, wenn man das Frieren anfängt, schaltet sich auch das Gehirn wieder ein und beginnt den Denkprozess. Der Blick auf die Uhr verrät, wie viel Zeit diese anschließende Entspannungssitzung gekostet hat und langsam bringt sich der Körper wieder auf Betriebstemperatur. Anziehen, Haare trocknen, Schminken… das übliche Prozedere.

Bevor ich die Tage jedoch mit dem Anziehen begann, dachte ich über meinen Kleiderschrank, seinen Inhalt nach und darüber, wann ich denn viele der Kleider überhaupt wieder anziehen werde. Und kann. Jetzt, im zweiten Trimester meiner zweiten Schwangerschaft passen mir schon viele Kleidungsstücke aus meinem Schrank nicht mehr. Der Bauch ist einfach schon so groß. So war er auch in der ersten Schwangerschaft, weswegen es mich nicht überrascht hat und ich bereits kurz nach der Bestätigung durch den Frauenarzt ein paar Hosen mit extra Platz für den Schwangerbauch kaufte. Meine Oberteile, Blusen und einige Kleider sind schon seit je her oversized, somit perfekt geeignet, um einen dicken Bauch darunter spazieren zu führen. Aber viele andere Teile in meinem Schrank werden wohl dieses Jahr nicht mehr in den Genuss kommen, von mir ausgeführt zu werden.

40 Wochen Schwangerschaft bedeuten meist mindestens 3 Jahreszeiten, die man schwanger durchlebt. Je nachdem, wie groß oder klein der Bauch der Schwangeren ist, beeinflusst das die Garderobe mehr oder weniger. In meinem akuten Fall (nasskalter) Winter im ersten Trimester, Frühling mit aktuellem Schneefall im 2. Trimester und (hoffentlich) Sommer im 3. Trimester. Nach der Geburt ist das Baby zwar da, aber der Bauch nicht sofort weg. Es dauert eine Weile – so war es jedenfalls bei mir in der ersten Schwangerschaft – bis der Bauch wieder in seine Urform zurückgefunden hat. Direkt nach der Geburt sah ich nämlich noch aus, als wäre ich im 5. Monat schwanger. Die Haut ist gedehnt, die Organe noch verschoben – Es dauert einfach eine Weile, bis alles wieder an seinem Platz ist. Das ist natürlich bei jeder Frau anders, bei mir hat es einfach länger gedauert, bis sich der gedehnte Bauch wieder zurückgezogen hat.
Hat es mich gestört? – Ein wenig.
Bekam ich dumme Kommentare deswegen? – Jede Menge. Besonders schmerzhaft sind die, die vielleicht eigentlich nicht böse gemeint sind, aber so rüber kommen, wie „Finde ich ja mutig von dir, dass du dich so zeigst…„.
War ich neidisch auf andere Moms, die 2 Wochen nach der Geburt wieder in ihre alten Jeans passten? – Natürlich! Auch weiß ich, dass es einfach Genetik ist, die da viel mitmischt.
Waren viele meiner alten Kleider zum Stillen absolut ungeeignet und unpraktisch? – Aber sowas von.
Trug ich noch länger als nötig meine Schwangerschaftsleggins, weil sie einfach zu bequem waren? – Kein Kommentar…

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Und wenn man nicht unbedingt ein Topmodel ist und 6 Wochen nach der Geburt den Victorias Secret Runway laufen möchte, dann hat die frisch gebackene Mom auch alle Zeit der Welt, um sich um ihren „after Baby Body“ zu kümmern, der sie zur Milf macht. Pam! Pam! Pam! Bedeutet im Klartext: Die meisten meiner Sommerkleider werde ich dieses Jahr unter Garantie nicht mehr tragen können. Und eigentlich mag ich auch ungern Reminder in meinem Kleiderschrank hängen haben, die mir zynisch zuflüstern, dass ich da vor 40 Wochen noch locker reingepasst habe. Das ist nämlich echt fies und trägt in keinem Fall dazu bei, ganz entspannt die Zeit im Wochenbett zu genießen. Für die einen ist so etwas vielleicht ein Motivator, für mich war es in der ersten Schwangerschaft jedes Mal ein Stich ins Herz, wenn ich diese Kleider im Schrank hängen und liegen sah…

Eigentlich wäre jetzt der geeignete Zeitpunkt, meinen Kleiderschrank auszusortieren. Die aktuelle Bauchgröße ist vermutlich das, womit ich nach der Geburt vorerst zurückbleibe, bzw. was sich zurückbilden muss. Und wenn ich jetzt schon in einige Kleider nicht mehr hineinpasse, wird es bis zur nächsten Saison zu lange dauern. Ich weiß auch, dass ich ein wenig Sportfaul bin und vermutlich auch meine Zeit brauche, um in die Gänge zu kommen und den Body in Wallung zu bringen…

Ist das bekloppt? Ist das irre?
Die Schwangerschaft zu nutzen und den Kleiderschrank auszusortieren?

Klar, Evergreens sortiert man nicht aus. Dinge, an denen das Herz hängt auch nicht. Niemals nie! Aber wenn ein Teil schon in der letzten Saison nicht wirklich getragen wurde, die kommende auch nicht getragen werden kann (aus Schwangerschaftsbauchgründen)…. würde es dann in der nächsten Saison eine Chance bekommen? Vermutlich nicht.

Und hey, dann hätte ich doch mal wirklich einen Grund nach der Geburt zu sagen: Ich hab nix anzuziehen – Ich muss dringend Klamotten einkaufen gehen! Die Chance, den Kleiderschrank einmal zu erneuern wäre genau jetzt!

Wie seht ihr das?

 

Fotocredit:  Charisse Kenion

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3 Comments

  • Reply
    Jenny
    26. Februar 2018 at 14:53

    Ich würde es machen, wenn du Lust dazu hast. Meine Kleider habe ich auch erst wieder angezogen, als der Sohn in die Kita ging und ich wieder ins Büro – mit Kleidern auf dem Boden rumkrabben ist ja eher unpraktisch 😂 Ganz liebe Grüße

  • Reply
    Denise
    26. Februar 2018 at 15:21

    Liebe Anna,
    ich bin genau wie du mit meinem 2. Kind schwanger. Es ist so lustig und beruhigend, dass ich mich gerade in allem was Du so schreibst, fast zu 100 Prozent wieder finden kann. Sei es bei den Gefühlen, den körperlichen Veränderungen, den Kommentaren von Aussen usw…..und auch beim Thema Kleiderschrank. Dazu möchte ich Dir sagen, dass ich gerade grandios meinen Kleiderschrank ausmiste und es fühlt sich SO gut an! Nie fiel es mir leichter! Es ist doch so, schon nach der ersten Schwangerschaft habe ich meine Figur nicht mehr zurück bekommen und ich denke, dass wird mit der zweiten genauso sein, zumal ich in diesem Jahr 40. Jahre werde und dann auch nicht mehr alles someasy ohne Entbehrungen und Sport geht. Auch wenn ich das Gewicht fast wieder hatte, so waren doch zum Beispiel meine Arme nicht mehr so schlank, weil man die ganze Zeit irgendwas trägt und einfach Muckis aufbaut. So auch in der Rückenmuskulatur. Meine ganzen zarten Seidenblusen konnte und kann ich in Größe 36 einfach knicken. Von den Umfängen des Bauches ganz zu schweigen (meine Tochter war ein Schwergewicht und ich bin 1,63 m groß). Wieviele Jahre sollen einem dann die ganzen Klamotten den Weg versperren? Und mag man sie dann noch? Also raus damit! Ich kann gerade gar nicht mehr aufhören auszusortieren 🤗 Alles Liebe!

  • Reply
    Katja
    28. Februar 2018 at 11:58

    Hier, ich hier, ich möchte bitte alle Kleider vom ersten Bild. Die sind nämlich alle soooo schööööhöön :O

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