BABY

ein Model

Aufmerksame Leserinnen und Leser werden es vielleicht diese Woche beim Wocheneinkauf bei Lidl entdeckt haben: Emma ist als kleines Babymodel auf einer Verpackung eines Kleidchens abgedruckt.

Wir wussten das natürlich schon vorher, um genau zu sein mehrere Monate, dass diese Woche ihr erster kleiner Job bekannt wird.
Emma hat bisher ein paar kleine Shootings als Kindermodel gehabt und weil ich vermute, dass viele vielleicht Fragen oder auch Vorurteile haben, habe ich hier ein paar Hard Facts für euch zum Thema Kindermodel zusammengestellt:

Wie kam es dazu, dass Emma modelt?

Zufall. Wir wurden angesprochen, haben darüber nachgedacht und uns dann bei einer Agentur gemeldet. Dort wurden wir zu einem Testshooting eingeladen, bei dem Emma zeigen konnte, wie sie sich vor der Kamera verhält. Da sie es von zuhause schon kennt, ab und an fotografiert zu werden, war es für sie keine große Sache.
Wir haben damals gesagt, dass wir es einfach mal ausprobieren. Sollte einer von uns ein doofes Gefühl haben oder wir merken, dass Emma keinen Spaß hat und hier Zwang im Spiel ist, beenden wir die Sache sofort.

Wie läuft so ein Shooting für einen Kunden ab? 

Der Kunde bekommt von der Agentur mehrere Kinder vorgeschlagen, er sucht sich einige aus und demnach werden die Kids angefragt. Telefonisch bekommen wir also meist wenige Tage vor dem Shooting einen Anruf, ob wir Zeit und Lust haben für Kunde XY zu shooten. Oft wird am Telefon auch bereits gesagt, worum es sich bei dem Shooting handelt: Katalog, Verpackung, PR …

Für jedes Kind wird mindestens ein Ersatzkind eingeladen (Je nach Shooting und Kunde), sollte das eigentlich ausgewählte Kind nicht so „performen“, wie gedacht. Sprich: Schlechte Laune haben, keine Lust haben, Angst kriegen oder auch plötzlich krank werden. Wer Kinder kennt, der weiß, dass sich ihre Laune mal schnell ändern kann. Man kann den kleinen nicht sagen: „Jetzt reiss dich mal kurz zusammen!„, wie man es vielleicht als Erwachsener tun würde. Emma war die ersten beiden Male das Ersatzkind und durfte auch zu unsere Überraschung ran, weil das eigentlich gewählte Kind schlechte Laune bekam. Eines der Fotos dieser beiden Shootings ist aktuell auf der Verpackung (siehe oben) bei Lidl zu sehen.

Die Shootings für die kleinen Kids dauern maximal 15 Minuten. Es geht alles recht zügig, dafür aber wahnsinnig liebevoll, fürsorglich und freundlich. Mehrere Leute sind am Set, wie man es von Shootings mit Erwachsenen kennt: Fotograf/in, ein oder zwei Stylisten/innen, Assistenten, dann oft beide Eltern der Kinder. Es ist aber nicht voll, einengend und überfüllt, wie ihr das auf den Fotos sehen könnt. Es gibt viel Spielzeug, es läuft Kindermusik und je nach Bedarf des Kindes wird es mehr oder weniger betüddelt. Es wird niemand zu irgendwas gezwungen und es wird sehr viel Geduld aufgebracht. Die Shootings finden alle spielerisch statt und die Kids werden nicht in irgendwelche Positionen gedrängt. Natürlich hat der Kunde eine Vorstellung oder ein Wunschmotiv – wenn das aber nicht machbar ist, ist es nicht machbar. So einfach ist das und das weiß das Team am Set, das weiß auch der Kunde. Oft haben die Kids Spielzeug in der Hand, Gegenstände um sich herum und sollen ganz natürlich sein. Ein freundliches Lachen ist das einzige, was wirklich entscheidend ist und dafür machen sich gerne die Eltern hinter dem Fotografen zum Horst :) Oder auch das Team am Set mithilfe von Seifenblasen, Luftballons oder anderen schönen und lustigen Dingen.

Kommt man zum Set, wird man als erstes begrüßt und hat Zeit, anzukommen, sich zu akklimatisieren. Wir Eltern bekommen die Kleidung in die Hand gedrückt und ziehen das Kind am Set direkt um. Die Stylistin schaut dann mal drüber, zuppelt hier und da noch was zurecht und jemand kümmert sich bei den Kids mit längeren Haaren darum, dass hier und da vielleicht nochmal gekämmt wird oder ein paar Strähnen mit einer Haarspange aus dem Gesicht genommen werden. Schnoddernasen oder Kekskrümel werden mit einem feuchten Tuch abgewischt und das war es auch schon. Kein Makeup, kein Haarspray, kein großartiges Styling. Ganz natürlich.
Beim letzten Shooting war es übrigens sehr witzig, denn Emma hatte urplötzlich den Drang, das gesamte Set auszukundschaften, rannte jede Ecke des etwa 3qm großen Settings ab und unterhielt lautstark das anwesende Team, indem sie sang und tanzte. Der Fotograf drückte einfach mehrfach lachend ab und nach wenigen Minuten war alles im Kasten. Generell ist Emma eher die Beyoncé: kommt rein, performt 1A und geht. Obwohl … die letzten Male hat sich Emma ziemlich arg beschwert, dass die Action schon so schnell vorbei und das Foto im Kasten war …

Kann man davon reich werden?

Nein. Die Kids kriegen einen kleinen Lohn, je nach Aufwand und ob sie das sog. Hauptkind oder Ersatzkind sind. Katalogshootings, Verpackungen und Kampagnenshootings werden unterschiedlich bezahlt, aber man hat nicht so viele Shootings im Monat, dass man davon z.B. seine Miete bezahlen könnte. Zumindest nicht in Hamburg! Aber zwischen drei und vier Monatspackungen Pampers sind schon für ein kleines Shooting drin. Rechnets euch selbst aus :) Bisher hatte Emma sieben Shootings, im Schnitt eins pro Monat. Emmas verdientes Geld gehört natürlich auch ihr, das landet alles komplett auf ihrem Sparbuch und ich glaube, dass sie später froh sein wird, dass sie davon vielleicht ihren Rollerführerschein, ihr Pony oder andere Wünsche bezahlen kann.

Erfüllst du dir damit einen eigenen Traum, du Dancemom?

Nein. In Anbetracht dessen, was ich arbeite und wie oft ich selbst vor der Kamera stehe, verwirkliche ich nicht durch mein Kind einen eigenen unerfüllten Traum. Ich lebe meine Träume selber und arbeite an ihnen. Ich sehe das Kindermodeln als Spaß an, als eine Erfahrung und vielleicht auch Chance für Emma. Wer weiß, was daraus werden kann? Die Olsen Zwillinge waren zum Beispiel nur wenige Monate alt, als sie das erste Mal vor der Kamera standen, Leonardo DiCaprio blies Kaugummiblasen in die Kamera und auch Kirsten Dunst modelte als kleines Mädel für Kataloge. Mir geht es nicht darum, mein Kind ins Showbusiness zu drängen, sondern ihr eine Option zu zeigen. Sie ist bei meinen Shootings oft dabei gewesen und zeigte Interesse und hatte bisher immer Spaß dabei, sich vor der Kamera zu bewegen. Und natürlich bin ich stolz und als ich ihre erste Verpackung im Laden sah, mehrere Kleidchen zur Kasse trug und strahlte, musste ich daran denken, dass da meine zauberhafte Tochter nun vielen Moms, Dads und anderen Kids entgegen strahlt!

 

Glaubst du nicht, dass ihr euer Kind da zu etwas zwingt, was es nicht will?

Nein. Ich bin der Meinung, dass man vieles ausprobieren sollte, um zu wissen, ob man daran Spaß hat oder nicht. Wir geben Emma so viele Optionen und Möglichkeiten, Dinge und Sachen auszuprobieren, wie es in unserer Macht steht. Man weiß ja nicht schon vorher, ob man Spaß an Karate, Bogenschießen oder Rhönradfahren, Klavier, Kontrabass oder Cello spielen hat, wenn man es nicht mal ausprobiert hat. Zudem kennen wir unser Kind und ihre Signale, wenn ihr etwas unangenehm ist oder sie auf etwas keine Lust hat. Ich würde sie niemals zu etwas zwingen, außer Brokkoli zumindest zu probieren. Ein Mal haben wir zum Beispiel ein echt wahnsinnig tolles Shooting abgesagt, weil es Emma an dem Tag nicht gut ging. Sie war leicht fiebrig und launisch. Natürlich hätten wir ihr ein Zäpfchen geben, mit Zucker vollstopfen und aufpushen können – aber das war es mir einfach nicht wert. Echt nicht. Es soll weiterhin Spaß für sie sein.

Bisher ist Emma bei jedem Shooting sehr entspannt, neugierig und gut drauf, während wir auch das eine oder andere Mal eher unentspannte Kids erlebt haben. Aber auch da blieben die Eltern cool, machten noch ein, zwei Anläufe und entweder hatten die Kids dann Bock oder eben nicht. Agentur und Kunden kriegen schnell mit, wie die Eltern drauf sind: wird hier gezwungen oder ist alles spielerisch? Kommt Druck oder ist alles eher locker und entspannt?
Mittlerweile kennt man auch die einen oder anderen Kids und ihre Eltern bereits und somit ist der Gedanke „Das ist jetzt hier ein Job!“ auch eher nebensächlich, denn man quatscht kurz, tauscht sich aus und lässt die Kids einfach Kids sein, während sie eben fotografiert werden.

Fragen? Dann her damit!

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7 Comments

  • Reply
    Birgit Bardo
    17. Juni 2016 at 11:02

    Ich finde den Bericht sehr interessant und habe auch schonmal darüber nachgedacht, meine Kiddis mal bei einer Agentur anzumelden, habe allerdings keine Ahnung was ist seriös und was nicht, da einfach der Markt dafür relativ gross ist. Kann man fragen über welche Agentur Du gegangen bist ?

    • Reply
      Anna Frost
      17. Juni 2016 at 11:04

      Wir haben hier in Hamburg ein paar Kindermodelagenturen, wir sind bei Boys&Girls und da bin ich sehr zufrieden, was den Ablauf, die Kommunikation und auch der Umgang mit Kids und Eltern angeht.
      Wenn du interessiert bist, mach mit den Agenturen Termine, triff dich und schau sie dir an. Die eine oder andere Agentur ist auch auf den Social Kanälen vertreten und gibt Einsicht in die Arbeit.

  • Reply
    Joanamarit
    17. Juni 2016 at 11:09

    Meine Mama hat als Kind bis ins Teenie-Alter oft für Unterwäsche gemodelt. „Unterschwäsche wie Mutti sie liebt“ :DD (War in den 70ern). Wir haben immer noch die Bilder im Keller & auch wenn ich glaube das es damals nicht so entspannt war wie bei euch, ist sie super stolz auf die Bilder und freut sich immer wieder drüber :) und ich bin natürlich auch stolz wie Bolle das meine Mama Unterwäschemodel war :D Finde es ganz toll wie ihr Emma alle Optionen dieser Welt geben wollt und ihr sie einfach machen lasst. Nur das mit dem Brokkoli finde ich nicht witzig! Der schmeckt nämlich wirklich nicht!!! :D

  • Reply
    Sabine
    17. Juni 2016 at 11:51

    Echt spannend! Ich würde es für mein Kind nicht machen, denn ich kann so schlecht einschätzen, ob er das wirklich will. Und bei uns ist es auch anders – ich selbst stand noch nie vor einer professionellen Kamera – daher wäre es komisch, wenn mein Sohn das machen sollte.
    Dennoch finde ich super, das Du es mit Emma machst. Das ist ein gutes Beispiel für die eigenen Träume nicht durch die Kinder auszuleben. Ich glaube oft wird es auch verturteilt, weil viele Menschen keine Erfahrung damit haben (also auch mal selbst vor der Kamera standen) und einfach verunsichert sind. Wenn Dir jemand was Böses will, wird er oder sie immer einen Weg finden. Daher kann man seine Kinder zwar vor Fotos im Netz oder der Öffentlichkeit schützen, aber jemand mit blöden Hintergedanken wird auch das „geschützte“ Kind finden. Liebe Anna, Du zeigst durch diesen Artikel auch, dass es kein schwieriges Thema sein muss, sein Kind zum Model zu machen.
    Viel Erfolg Emma! Ich mag die Olsen Twins und es wäre zu cool, wenn Emma auch mal so eine coole moderne Frau wird. Alles Gute!

  • Reply
    Jule
    17. Juni 2016 at 22:48

    Ich würde meine Tochter nicht in einer Agentur anmelden, sie ist aber auch sehr zurückhaltend Fremden gegenüber. Das passt einfach nicht zu ihr (und uns). Ich finde es aber völlig okay,wenn andere das machen. Nachdem ich die Werbung für Lidl gesehen habe, habe ich mich gefragt, ob Du Dir die Aufträge dann aussuchst. Also ist es Dir egal, welche Marken Emma repräsentiert oder achtest Du da schon drauf?

  • Reply
    FashionqueensDiary
    18. Juni 2016 at 11:42

    Natürlich wird es genug Menschen mit Vorurteilen geben, aber ich denke, dass jeder, der deinen Blog schon länger liest, genau weiß, dass du Emma zu nichts zwingen würdest oder „auf Teufel komm raus“ ihr irgendwas aufdrückst! Dein sehr liebevoller Bericht verdeutlicht das nochmals :-)

  • Reply
    VM
    19. Juni 2016 at 20:46

    Ich denke auch: Das sollte jeder Papa und jede Mama selbst entscheiden. Ich hatte zum Beispiel sofort gedacht: Das passt doch super! Emma wächst mit solchen Sets doch schon mit auf. Also warum dann nicht ausprobieren…
    Ich könnte das mit meiner Tochter nicht machen, denn sie ist eher so der Raudi :-D
    Auch wenn das für uns keine Option ist, ist so ein Artikel aufklärend. Ich hatte zum Beispiel das Bild von Castings im Kopf, aber so etwas gibt es für Kleinkinder also gar nicht. Das finde ich auch besser so :-)

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