BABY GRLPWR

Gastkolumne: Ich will nicht Patentante sein

large (27)

Ist die Frage nach dem Amt der Patentante und des Patenonkels mittlerweile veraltet? Wer sein Kind nicht taufen lässt – werden dann noch Paten gebraucht? Paten sind die verwandten oder befreundeten Erwachsenen, die das Kind in seiner christlichen Erziehung begleiten, es führen und leiten und für das Kind da sind. Wichtig im Falle der Patenschaft: Eine gleiche Firmung muss vorhanden sein, was mittlerweile im evangelischen Glauben auch nicht mehr sooo wichtig ist. Regelmäßige Kirchenbesuche mit dem frisch Getauften? Oft auch Fehlanzeige. Die Eltern? Waren zuletzt bei ihrer Hochzeit vor einigen Jahren das letzte Mal in der Nähe des eingestaubten Gesangsbuches. Nach der teuren Taufe, den vielen Geschenken und dem leckeren Buffet für alle Gäste war es das erst einmal mit der Stippvisite im Gotteshaus. Nächster Termin: Zur Konfirmation mit 14 oder Erstkommunion mit 9. Teurer Spaß, nur um die Omi glücklich zu machen, die als Einzige das Gesangbuch rauf und runter fehlerfrei singen kann und der es doch so viel bedeutet, dass der kleine Stammhalter mit Weihwasser, Oblaten und Traubensaft vor dem Teufel geschützt wird. Veraltet? Überholt? Gehts nur um die Geschenke? Manch einem Elternpaar könnte man leider genau das vorwerfen…
Gastautorin Johanna wehrt sich gegen das Amt der Patentante und das aus gutem Grund:

dies ist ein gastbeitrag

Ich bin in dem Alter in dem man heiratet und Kinder bekommt. Dieses berühmte 20 irgendwas in dem einige das Singledasein feiern wie eine nie endende Party, bis sie merken, dass sie die letzten dieser Party sind oder andere vor lauter Torschlusspanik versuchen noch eben etwas zu erreichen, bevor der Zug abgefahren ist. Ich liebe alle Menschen um mich herum die so sind, auch wenn ich es nicht verstehen kann. Sie heiraten und bekommen Kinder und dann werde ich plötzlich gefragt: Wirst du die Patentante? Die Welt dreht sich kurz um und ich frage mich ob ich es werde…

Und ich sage nein.

Ich bin nicht religiös. Taufpaten sollen Kindern in religiösen Fragen zur Seite stehen und sie begleiten auf dem Weg zu ihrem ersten Abendmahl. Religionsabhängig ist das entweder bis zum achten oder bis zum vierzehnten Lebensjahr, aber ich bin nicht religiös. Vielleicht fragt man mich genau deswegen, weil ich diese Art der Dinge hinterfrage und kontroverses Denken anrege, aber wenn ich weiß, dass das nicht gefragt ist und die Taufpatenschaft etwas ist, dass gewünscht wird, dann sage ich nein, weil ich mehr begleiten kann, als ein religiöses Ritual.

Ich bin nicht reich. Ich kann kein teures Geburtstagsgeschenk, Ostergeschenk und Weihnachstgeschenk kaufen, weil ich froh bin, wenn ich meine eigene Miete zahlen kann. Ich werde kein Sparbuch für dein Kind eröffnen, damit ihr den Führerschein oder die erste Ladung Möbel für die erste eigene Wohnung nicht bezahlen müsst, nur weil es so praktisch ist. Ich werde kein Sparferkel sein, weil ich mehr zu bieten habe als Geld und gerade du als meine Freundin solltest das wissen. 

Ich will keinen Ehrentitel. Versteh das nicht falsch, jeder wird gern geehrt. Die Ehrung von Verantwortung und der Aussicht darauf deinem Kind und deiner Familie mit diesem Titel der Patenschaft näher zu sein, als alle deine anderen Freundinnen, ist blendend. Ihr habt mich nicht vergessen und du willst mich dafür belohnen, dass ich dir so eine gute Freundin war und deswegen gibst du mir die Patenschaft für dein Kind. Ein Ehrentitel für unsere Freundschaft brauche ich nicht, wenn es nicht mehr ist als das.

Die Patenschaft ist für dein Kind und nicht für mich.

Ich will mir den Titel Patentante erarbeiten und von deinem Kind mit stolz Patentante genannt werden weil er ohne diese Arbeit leer ist. Aber was ist es denn, was ich will, wenn all die ganzen Dinge nicht die sind, die ein Pate meiner Meinung nach zu sein hat oder tun sollte? Ich sage dir was ich will, wenn du mich fragst ob ich Patentante werden kann:

Ich will wie eine Mutter sein für dein Kind, wenn es seine eigene Mutter nicht mehr erträgt.
Ich will es mitnehmen zu den ersten Konzerten für die du zu spießig, zu langweilig und dir selbst zu fein bist.
Wir fahren in den Urlaub zum Campen. So richtig im Zelt und zu schnell Auto fahren wir auch, gerade weil du es selbst nicht willst.
Wir essen alles was es zuhause nicht gibt, sogar mal bei Mc Donalds, obwohl es nicht schmeckt.
Ich bin die, bei der alles geht, was bei Mama und Papa nicht geht und wenn es Ärger gibt oder der Schuh ganz doll drückt und irgendwas ist, was man mal erzählen muss und zuhause nicht erzählen kann oder will, dann bin ich die Richtige dafür.
Ich will alles sein, was du nicht sein kannst und weswegen wir so gute Freunde sind.


Aber wenn du das eigentlich nicht willst.. dann werde ich auf keinen Fall Patentante für dein Kind. 

You Might Also Like

17 Comments

  • Reply
    Eileen
    13. Juni 2016 at 12:54

    DANKE! Danke für diesen Beitrag. Ich stecke in einer ganz ähnlichen Situation und fürchte diese Frage demnächst auch gestellt zu bekommen. Und ich denke eigentlich ganz ähnlich. Nur dieses Thema auch so anzusprechen und die entsprechenden Worte zu finde fühlt sich unfassbar schwierig an. Der Beitrag hat mir ein bisschen Mut gemacht und ich glaube, ich weiß jetzt was ich ihr sagen werde :)

  • Reply
    stine
    13. Juni 2016 at 13:09

    Super Beitrag.
    Regt zum Nachdenken an. Der Schritt „Nein“ zu sagen ist sehr mutig.

  • Reply
    Katharina
    13. Juni 2016 at 13:40

    Hallo !
    Ich hab die Überschrift des Artikels gelesen und fand das Thema ganz interessant, muss jetzt aber sagen, dass ich den Artikel ein bisschen wirr geschrieben und auch nicht immer ganz nachvollziehbar finde.
    Was ich verstehen kann ist, dass man das Amt der Patentante im religiösen Sinne nicht annehmen will, das würde mir auch fern liegen. Aber es ist immer die Frage, wie man Patentante versteht. Ich stand schon zweimal vor der Frage: Einmal wurde ich gefragt, das andere Mal habe ich gefragt. Beide Male war mir wichtig, dass es um eine ganzheitliche Begleitung geht. Ich möchte mein Patenkind begleiten, für es da sein, Fragen beantworten, helfen, Zeit mit ihm verbringen, lachen, spielen, reden, Probleme lösen und und und.

    Was mich an diesem Artikel stört ist zum einen die Fokussierung auf das Thema „Geschenke“. Wenn jemand so an die Sache rangeht, dann sind entweder die Ansichten veraltet oder die Freunde, die nach dem Amt der Patentante fragen, die falschen! Denn Patentante sein ist doch viel, viel mehr, als nur Geschenke und wenn das die Freunde so sehen sollten, dann fände ich das komisch! Ich würde diesen Punkt ganz klar klären und sagen, dass ich keine Geschenke-Tante bin!

    Der zweite Punkt, den ich merkwürdig finde ist der, dass man alles machen will, was die Eltern nicht machen. Das ist sogar zum Teil verständlich, aber aus Muttersicht auch nur zum Teil, denn bei einigen genannten Gründen, würde ich nicht wollen, dass sie jemand mit meinem Kind macht, wenn ich das eigentlich ablehne. Vielleicht kam der Punkt aber auch nur so rüber, aber für mich wirkt es stark so, als ob jemand die coole Patentante sein will, bei der man sich wie Pippi Langstrumpf fühlt und bei der man alles Verbotene machen kann. Wie gesagt: Teilweise verständlich, aber mit Einschränkungen.
    Auch hier wieder ein bisschen die reflektierte Moralkeule: Patentante ist für mich auch mehr als dem Kind ein Pippi Langstrumpf-Gefühl zu vermitteln und sich gegen die Eltern abzuheben.

    Für die Autorin alles Gute!

    Liebe Grüße,
    Kaddi

    • Reply
      Theresa
      13. Juni 2016 at 13:55

      Hallo Katharina,
      mir ging es beim Lesen ganz genau so wie Dir.
      Für meinen Geschmack ist der Artikel auch etwas gewöhnungsbedürftig zusammengesetzt und formuliert.
      Ich bezweifle zwar, dass die Autorin den letzten Absatz so drastisch gemeint hat, es liest sich aber auch für mich nur mit einem faden Beigeschmack…
      Liebe Grüße,
      Theresa

    • Reply
      Johanna
      13. Juni 2016 at 14:29

      Hallo Katharina,

      ich kann deine Herangehensweise total verstehen und ich weiß, wie reißerisch polarisierend die Sätze geschrieben sind und das sogar mit Absicht. Ich möchte, dass man den Standpunkt begreift, der aus unterschiedlichen Gründen dazu führen kann, sich in der Position des befragten unwohl zu fühlen. Bei mir wurde bisher immer davon ausgegangen, das ich diese Anfragen mit Ja beantworte und die Erwartungshaltung auf beiden Seiten war so grundlegend unterschiedlich, das ich die Fragenden enttäuschen musste. Denn wie auch für dich ist für mich eine Patenschaft mehr als nur Fokussierung auf einen der drei Punkte die ich anführte.

      Meine spitz formulierten Anforderungen sind zusammengetragen aus den Patenschaftsanfragen die ich erhielt und genau dieser Fokus auf den monetären Teil der dich stört störte mich damals, als man mir sagte ich solle Patentante werden, weil ich aus reichen Verhältnissen komme und daher eine finanzielle Stütze darstelle. Nichts was meiner Erwartung entspricht und doch etwas, das ich seither immer öfter so oder so ähnlich höre. Geld ist ein heikles Thema und finanzielle oder teure Geschenke sind ein unterschätzter und gleichsam überbewerteter Aspekt.

      Der zweite Punkt den du kritisierst ist der Pippi Langstrumpf Abschnitt und ich finde es wundervoll, dass du diesen Titel dafür nutzt, weil es genau unterstreicht was er sein soll. Pippi Langstrumpf war die Heldin meiner Kindheit! Natürlich geht es nicht darum gegen die geltenden Elterlichen, Rechtsstaatlichen oder sonstig wichtigen Regeln zu verstoßen, sondern darum den Horizont des Patenkindes zu erweitern. Es geht nicht darum, dass ich als Patentante alle Regeln brechen will sondern die Abenteuer mit dem Kind zu erleben, die es sonst eventuell nicht erleben würde, weil die Eltern es selbst nicht wollen oder können.

      Natürlich ist da immer der Punkt das so eine bindende Beziehung unter persönlichen Aspekten Individuell ist und sein muss. So unterschiedlich wie Menschen, Eltern, Kinder und Pateneltern eben sind. Im großen und ganzen hatte ich eine Patentante, die weit über die eigentlichen Aufgaben der Patenschaft hinausgingen und mit der ich Leidenschaften entdecken konnte, die ich sonst nie entdeckt hätte, weil das Interesse meiner Eltern dafür nicht da war.
      Sie sagt heute noch mit Stolz „Das hast du von deiner Patentante“ :)

      Ganz liebe Grüße (und Abenteuer) an Dich und dein Patenkind.
      Liebe Grüße
      Johanna

  • Reply
    Julie
    13. Juni 2016 at 14:19

    Ich hatte das Amt der Patentante – mal abgesehen vom religiösen Aspekt – bisher in erster Linie so verstanden, dass man der Ansprechpartner ist / die Verantwortung übernimmt, sollte den Eltern eines Tages etwas zustoßen. (Ok, da gibt es dann manchmal vielleicht noch Großeltern oder „richtige“ Tanten und Onkels, die allein nach dem Recht dann zuerst in die Pflicht genommen werden.)

    ich hatte nie drüber nachgedacht, dass jmd einen zur Patentante macht, damit das Kind dann tolle Geschenke abgrasen kann – was für Freunde hast du denn? (Dass man seinem Patenkind ggfs. mehr Geschenke zukommen lässt als irgendeinem Kind von irgendwelchen Freundin, ist wohl automatisch so.)

    • Reply
      Johanna
      13. Juni 2016 at 16:26

      Hallo Julie,

      Ich glaube auch, dass das Amt der Paten nicht von jedem gleich verstanden und interpretiert wird. Genau deswegen muss man darüber sprechen welche Erwartungen und Anforderungen man daran hat. Tatsächlich war ich damals auch sehr vor den Kopf gestoßen als man mir sagte man würde mich zur Patentante wollen weil ich so viel Geld hätte – glaub mir, diese Freundschaft hat sich über die Jahre nicht gehalten. (Es kommt ja immer darauf an was für ein Geschenk es ist. Ein Wochenende wandern in den Schwarzen Bergen kann das genau so sein wie ein neues Computerspiel!)

      • Reply
        Larissa//No Robots Magazine
        13. Juni 2016 at 21:05

        Wow, seine Paten nach dem Geld auszusuchen finde ich, ehrlich gesagt, auch ziemlich armselig. Ich habe meiner Freundin gleich gesagt, dass von ihr nichts erwartet wird, vor allem keine großen Geschenke. Klar, sie schenkt natürlich trotzdem was. Aber ich denke, sie weiß, dass eine Kleinigkeit vollkommen ausreichend ist. Zum Geburtstag gibt es jetzt Sandspielzeug und ein Buch. Das ist eigentlich schon zu viel, finde ich, aber wenn es ihr Freude macht, dann ist das natürlich toll. :)

  • Reply
    Susi
    13. Juni 2016 at 14:33

    Hallo,
    ich finde den Artikel etwas zu kurz und er lässt auch einige Faktoren außen vor.
    Mein Partner und ich stehen gerade ganz aktuell vor der Entscheidung. Es ist ein bisschen wie ein Heiratsantrag: Gibt es noch ein Danach, wenn man Nein sagt? Natürlich sagen die Eltern, dass es die eigene Entscheidung ist, aber es macht auch etwas aus der Freundschaft. Bei uns kommt aber noch ein ganz anderer Faktor dazu: Die Entfernung. In Kilometern gesagt: 700. Einmal durch ganz Deutschland von Süd nach Nord. Das ist bei uns das einzige Manko, aber vielleicht auch eine Chance die Freundschaft aktiv am Leben zu halten. Sich öfter als nur alle paar Jahre zu sehen. Es ist eine schwere Entscheidung. Der Grund für die Eltern uns zu fragen war ein ganz anderer, wie hier beschrieben wurde: Wenn die Eltern plötzlich sterben sollten, wollen sie ihr Kind in guten Händen wissen. Dieser Faktor wird in diesem Artikel gar nicht benannt, was ich schade finde. Es geht nämlich nicht ums Schenken oder Sparschwein sein. Es geht um den seelischen Beistand und zu wissen, dass das Kind nicht alleine ist, wenn die Eltern nicht mehr sein sollten – ganz unabhängig von Religion. Ich selbst hatte nie „richtige“ Pateneltern und hätte mir oft einen anderen erwachsenen Beistand für mich gewünscht. Ich frage mich, ob wir das über diese Entfernung sein können.
    Das Kind ist bereits auf der Welt und wir überlegen schon sehr lange, weil wir das Beste für das Kind wollen. Es geht hier nämlich nicht um uns als Pateneltern. Es geht um das Kind.
    Liebe Grüße

    • Reply
      Johanna
      13. Juni 2016 at 16:18

      Hallo Susi,

      du hast Recht. Nicht jeder wichtige Aspekt der bei einer Patenschaft dazu kommt ist von mir in dem Artikel beleuchtet worden und er ist sehr knapp. Ich finde es wundervoll, dass ihr eure Entscheidung nicht leichtfertig treffen wollt und empfinde diese Hürde, wenn ich darüber nachdenke welche meiner Freunde und Freundinnen meinem Anspruch an einer Patenelternschaft entsprechen, auch als schwer.
      Der Aspekt des Verantwortung für das Kind, falls etwas passieren sollte, lastetet in meinen Augen nicht allein bei den Paten, sondern bei dem sozialen Netz aus Großeltern, Onkel, Tanten und dem entsprechend, sofern man es denn als Elternpaar möchte, auch bei den Paten, die ja oftmals als sehr gute Freunde genau zu dem Zweck erwählt werden. Das ist richtig, wichtig und spielt ebenfalls in den Entscheidungsprozess ein.

      Gibt es noch eine Freundschaft wenn die Freundin/der Freund die Patenschaft nicht möchte und der Grund dem Elternpaar nicht passt, weil er eventuell kontrovers gegen die eigene Meinung steht? Das kann ich nicht beantworten, aber der ehemaligen Freundin, die mir sagte, sie wolle dass ich Patentante ihrer Kinder werde weil ich viel Geld habe sagte ich nein und wir sind heute nicht mehr befreundet. Hier ist es ganz klar abhängig von der Erwartung der einzelnen Parteien und natürlich muss man darüber reden welche Erwartungen jeder einzelne hat.

      In meinem kurzen Artikel geht es mir darum, dass diese Entscheidung Paten zu erwählen, nicht so oberflächlich sein sollte wie sie oft ist. Der Anfang ist gut gemeint, das Endresultat oftmals enttäuschend für eine der beiden Seiten, verläuft sich dann über Zeit und das Kind kennt Patenonkel oder Tante nur von der Grußkarte zum Geburtstag. Meine Patentante ist die beste Freundin meiner Mutter und unser Verhältnis ist heute noch ungebrochen herzlich, eben weil sie wie eine zweite Mutter war. Genau diesen Beistand den du selbst nicht hattest und dir aber für dein Kind wünscht findest du mit Sicherheit zwischen den Menschen die du magst und dann ist räumlicher Abstand nicht so wichtig.

      Ich wünsche Euch sehr, dass ihr die richtigen Menschen für euer Kind findet und euch auch eurer Entscheidung auch dann sicher seid, wenn es mal brenzlig ist.
      Ganz liebe Grüße
      Johanna

  • Reply
    Lisa
    13. Juni 2016 at 16:49

    Dieser Beitrag klingt irgendwie sehr egoistisch. Ich werde selbst bald Patentante und fühle mich um ehrlich zu sein sehr geehrt, denn das ist ein Vertrauensbeweis, ein Beweis, dass ich ein Vorbild bin, dass ich eine Person bin, die man gerne zur Familie zählt. Ich nehme diese Aufgabe – ja ich sehe es als Aufgabe – mit Hingabe und Leidenschaft an und freue mich schon riesig. Ich will die beste Patentante sein, die, mit der man über alles quatschen kann, die, mit der man lustige Abenteuer unternehmen kann, die, die man mal anruft, wenn es Probleme gibt – mit Jungs, mit den Eltern oder Freunden, ich will da sein für mein Patenkind, in jeder Lebenslage und will ihr beim Großwerden zuschauen, die kleinen Fortschritte miterleben, mich mit ihr freuen, mit ihr lachen und mit ihr weinen! Ich will mit ihr Geburtstage feiern, auch den 18. – ja ich werde bestimmt Mal zum 18. eingeladen, denn das bedeutet endlich das Geschenk von vor 18 Jahren zur Taufe einlösen, das gar nicht viel gekostet hat, aber etwas ganz Besonderes ist, etwas, worüber ich mich selbst am meisten freuen würde – die erste große lange Reise nach dem Abschluss, gesponsert von der Patentante, die ab meinem 1. Lebensjahr monatlich einen kleinen Beitrag auf mein Reisekonto eingezahlt hat. So eine Pantentante will ich sein und ich kann es kaum erwarten!

  • Reply
    Larissa//No Robots Magazine
    13. Juni 2016 at 21:00

    Wir haben unser Kind nicht getauft (und auch nicht kirchlich geheiratet), weil wir eben nicht religiös sind. Dennoch habe ich Paten fürs Kind ausgesucht. Ich finde die Vorstellung schön, dass es noch Bezugspersonen außerhalb der Familie hat – ja, gerne, um mit jemanden all das zu unternehmen, was es mit uns nicht kann. Es geht dabei gar nicht um Geschenke, große Ausgaben sind uns eher unangenehm.
    Ich bin auch schon lange Patentante, sogar richtig mit Kirche und allem, aber ich habe das auch nie als religiöse Aufgabe gesehen. Leider wohne ich von meinem Patenkind auch zu weit weg, um ihm das sein zu können, was ich gerne möchte. Aber wenn es will, dann kann es gerne zu mir kommen, wenn es mich braucht – immer, auch wenn die Konfirmation vorbei ist. Für mich ist das eine lebenslange Aufgabe – so lange das „Kind“ das möchte.
    (Ich kannte meine Paten übrigens überhaupt nicht. Und das finde ich feige und armselig. Dann lieber Nein sagen.)

    • Reply
      Anna
      16. Juni 2016 at 15:57

      Genauso sehe ich das auch! Ich finde, dass ein Pate/eine Patin eine wichtige Bezugsperson für das Kind ist, die eben nicht aus der unmittelbaren Familie stammt.
      Deshalb kann man meiner Meinung nach auch ruhig Paten auswählen, ohne das Kind zu taufen. Ich werde das genauso machen, wenn ich einmal selbst Kinder habe. Denn obwohl meine Eltern und meine Patentante religiös sind, hat dies in meiner Beziehung zu ihr nie eine Rolle gespielt. Sie ist einfach eine sehr wichtige Person für mich, die immer für mich da ist, schon seit ich klein bin. Und darum geht es doch eigentlich, oder?

  • Reply
    Soraya
    14. Juni 2016 at 11:18

    Hallo
    Was für ein interessantes Thema. Erst einmal vielen Dank für diesen, zum Nachdenken anregenden Artikel. Er zeigt eine Sichtweise deren ich mir nie bewusst war.
    Ich werde in wenigen Wochen selbst Mutter. Die Paten sind gewählt. Und auch wir hatten für die Wahl unserer Paten Gründe.
    Ich selbst hatten nie Paten und habe diese immer vermisst. Mein Mann hatte immer sehr engen Kontakt und als sein Patenonkel früh verstarb, hat er sich selbst einen neuen ausgesucht und gefragt ob er dieses Amt haben möchte. Bis heute ist der Kontakt zu allen (auch zu deren Partnern) sehr eng.
    Daher wünschen wir uns für unser Kind auch jemanden, der für es da ist. Jemand der gerne etwas mit ihm unternimmt. Jemand, der sich der kleinen und grossen Sorgen annehmen kann, bei denen wir als Eltern nicht auf dieselbe Art helfen können. Eine Person die teilhaben soll am Leben unseres Kindes, weil Sie dies auch möchte.
    Wir haben weder religiöse noch finanzielle Wünsche und da wir in der Schweiz leben, haben Paten (leider) auch kein Adoptionsrecht im Falle unseres Ablebens. Aber auch in diesem Falle können Sie für unser Kind da sein.
    Wen haben wir also gefragt? Wir hatten eine Liste mit Kandidaten. Und wie bei einem Heiratsantrag (sehr schöner Vergleich übrigens) hatten wir zuvor angedeutet ob die jewailigen Personen gerne einmal Pate werden würden und wie sie sich das dasein als Pate vorstellen. Zudem haben wir auch direkte Anfragen erhalten von Freunden, die gerne Pate werden wollen.
    Schlussendlich haben wir einen Sandkastenfreund gefragt, der wie ein Fels in der Brandung ist. Zeitgleich wird mein Mann Pate von seinem Kind (das etwa ein Monat später zur Welt kommen wird) und die beiden können miteinander aufwachsen.
    Und wir haben eine langjährige Freundin gefragt, welche vor Kreativität und Lebensfreude nur so sprüht und mit offenem Herzen und viel Elan durchs Leben geht. Sie kann es kaum erwarten und hat schon ganz grosse Pläne angedeutet, wie sie für unser Kleines präsent sein will.
    Pate sein ist ein Amt mit langjähriger Verantwortung und es ist schön zu sehen, dass sich viele von der Ehre nicht blenden lassen und sich Gedanken machen und mit den Eltern offen sprechen.
    Aber ich finde es sehr schade dass in diesem Artikel die Absichten der Eltern so negativ dargestellt werden und bereits schon eine Rebellion gegen die aufgestellten Regeln angedeutet werden. Bei einem Paten werden die Kinder mehr dürfen als bei den Eltern un das soll das Kind auch geniessen. Aber dein Artikel klingt danach als wollest du dem Kind zeigen, dass es rebellieren soll (dafür brauchen Kinder keine Hilfe, das kommt von selbst) und damit dass du die Wünsche der Eltern die sich um ihr Kind sorgen nicht ernst nimmst und ihre Autorität bewusst untergraben willst. Mich würde dieses Verhalten sehr verletzen. Ich hätte nach den ersten Erfahrungen dieser Art wohl bedenken ob ich dir mein Kind anvertrauen kann.
    Ich finde es spricht für dich dass du dich gegen die Patenschaft entschieden hast. Aber ich hoffe dass du nicht so von allen werdenden Eltern in deinem Freundeskreis denkst und auch gute Absichten erkennen kannst, die diese bestimmt ebenfalls haben. Denn du scheinst ihnen sehr viel zu bedeuten und sie haben viel Vertrauen in dich gezeigt, indem sie dich gewählt haben.
    Alles Gute für deine Zukunft.

  • Reply
    Beauty Butterflies
    16. Juni 2016 at 16:37

    Ich finde den Artikel ganz fabelhaft! Aus diversen der genannten Gründe würde ich eine Patenschaft ebenfalls ablehnen. Hinzukommt, dass viele die Patenschaft als „Bezugsperson“ für das Kiind empfinden. Aber wie kann man einem Neugeborenen eine Bezugsperson einfach vor die Nase setzen. Wie viele Patenkinder kenne ich, die ihre Paten nicht mal sonderlich kennen, weil er/sie mit den Eltern gar nicht mehr befreundet ist. Vielleicht mögen Patenkind und Pate sich später nicht mal?! Ich finde es ist ein veraltetes Ritual was oft nur gemacht wird „weil das eben so ist – weil es dazu gehört“. Im übrigen denke ich genauso über die kirchliche Trauung wie auch die Taufe selbst, aber das wäre dann nochmal ein anderer Post :)

  • Reply
    Juli
    30. Juli 2016 at 16:08

    Auch ich wurde vor einiger Zeit mit dem Thema konfrontiert. Ich werde bald Mutter und meine Schwester möchte das Amt der Patentante nicht übernehmen. Sie ist nicht religiös und stellt dies als Begründung in den Raum. Ehrlich gesagt war ich, obwohl ich mit meiner Schwester oft nicht das beste Verhältnis hatte, dennoch tief traurig und enttäuscht. Ich finde, es geht dabei nicht um „das Relgiöse“. Es geht in unserer Zeit selten um das Religiöse. Meiner Ansicht nach ist es ein vorgeschobener Grund. Wir wohnen ca 200 km voneinander entfernt und mit dem Amt der Patentante ist so mancher „Stress“ sicherlich vorprogrammiert. Dennoch: Ein Pate ist eine schöne Sache, für Kind und Eltern. Wer in der heutigen Zeit wählt Paten aus religiösen Gründen? Ich jedenfalls nicht, obwohl ich selbst religiös bin.
    Meine eigene Patentante war für mich immer eine besondere Person – ohne besonders viele oder gar teure Geschenke. Es geht um einen Ansprechpartner außerhalb der eigenen Eltern.

  • Reply
    Martyna
    4. Januar 2017 at 1:47

    Ich stand vor ca. 7 Jahren vor einer ähnlichen Situation und ich habe …abgelehnt. In erster Linie fühlte ich mich geehrt, aber es hatte leider den Beigeschmack, dass ich sonst zu der Mutter des Kindes keinen so engen Draht hatte, wie es meiner Meinung nach bei einer Patenschaft nötig wäre. Es handelt sich bei der Mutter des Kindes um meine Kusine die in Polen lebt..damals fühlte es sich einfach so an, als erwarte man jetzt Geschenke von der „reichen“ Tante aus Deutschland, das passte für mich einfach alles nicht zusammen. Ich bin selbst getauft und katholisch erzogen, spiele aber mit dem Gedanken aus der Kirche auszutreten…hinzu kommt, dass ich einfach alles Religiöse hinterfrage und auch in diesem Punkt hätte ich den Erwartungen nicht gerecht werden können, aber es hätte sich vor Allem einfach falsch angefühlt. Beim Ablehnen habe ich mich wirklich schlecht gefühlt, denn ich weiß, dass sie damit überhaupt nicht gerechnet hatte. Aber im Nachhinein war es so nicht nur besser für mich, sondern besonders für das Kind, denn ihre Patentante lebt nun gar nicht so weit weg von ihr, kann mit ihr in die Kirche gehen und ihm Notfall eher für sie da sein.

  • Leave a Reply