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Ich wäre sehr gerne mit dir befreundet, aber deine Freundinnen sind scheiße!

freundinnen

Es gibt da diese Frau. Nein, sie ist Mädchen, denn eigentlich hätte ich an dieser Stelle Mädchen schreiben wollen, aber sie kein Mädchen mehr. Sie ist toll. Eine wirklich tolle Frau. Sie schreibt wahnsinnig gute Texte, kann Gedanken, die man nur schwer denken kann in Worte fassen und fasziniert mich mit ihrer Art und Weise zutiefst. Girlcrush würde ich das nicht nennen, nein, dafür läuft meine Schwärmerei für sie schon viel zu lange. Wir hatten bereits den einen oder anderen Berührungspunkt, es wäre kein Problem, dass daraus eine nähere Bekanntschaft, dann vielleicht Freundschaft und vielleicht auch tiefe Freundschaft werden könnte. Wir haben ähnliche Interessen, einen ähnlichen Humor und auch sonst schwimmen wir schon auf einer Wellenlänge. Sie ist diese Art Frau, die man gerne als seine Freundin hätte. Wenn nicht als beste, dann doch zumindest als Teil des Girlsquads. „Warum seid ihr eigentlich nicht befreundet?„, hörte ich schon das eine oder andere Mal. Ja, gute Frage… Eigentlich wäre ich es gerne. Sehr gerne. Eigentlich. Wenn sie nicht Freundinnen hätte, die einfach nur scheiße sind. Und das hält mich davon ab, näheren Kontakt zu ihr zu suchen.

Frauen, die so strahlen, wie die Sonne, ziehen leider auch Motten an. Motten, die sich in ihrem Antlitz sonnen, auf ihrem Rücken die Karriereleiter hinaufsteigen und sie vielleicht dann links liegen lassen, nachdem erreicht wurde, was zum Ziel gesetzt wurde. Vielleicht erkennt man dies nur von außen, mit genügend Abstand. Vielleicht liegt es daran, dass ich einen Teil ihrer Freundinnen kenne und schon mitbekommen habe, wie diese Messer in den Rücken ehemaliger bester Freunde gestochen haben.

Frauen, ey!„, würden Männer an dieser Stelle sagen, „Männer sind da einfacher gestrickt. Wir gehen ein Bier trinken und legen die Karten auf den Tisch.„. Können Frauen das auch? Bier trinken gehen und die Karten auf den Tisch legen? Uuuuh… vorsichtig! Gegen das Bier ist nichts einzuwenden, aber wird hintenrum gesagt, dass die Eine da nix Gutes im Schilde führt, kann das nicht gut enden. Man könnte für immer die missgünstige Ziege sein, die Unruhe stiftet. Zumal es auch ziemlich unsympathisch wäre, beim ersten Treffen zu erwähnen, dass da ein giftiger Zahn ist, der dringend gezogen werden sollte. Aber was ist, wenn ein Zahn erst giftig wird, wenn er von jemandem als solcher betitelt wird? Wenn mit dem Finger draufgezeigt wird?

Ich wäre gerne weiterhin mit dir befreundet, aber eine deiner Freundinnen ist scheiße.„, ist ein Satz, den ich ebenfalls schon vor einigen Jahren gehört habe. Gefolgt von Beispielen, warum die eigentliche Freundin doch eine vermeintliche Feindin sein soll. Verwirrend. Mehr als verwirrend und lässt einen mehr als irritiert zwischen zwei Stühlen zurück. Man bekommt sprichwörtlich einen mit der Bratpfanne übergezogen. Was tun? Auf die Meinung der Freundin vertrauen? Auf die eigenen Instinkte vertrauen? Was sagt das Bauchgefühl an dieser Stelle? Es bedarf einiges an Stabilität, um mit so einer Info umgehen zu können. Wenn Vertraute plötzlich aufgrund von Worten anderer Vertraute zu Fremden werden könnten…

Was ich tat? Füße still halten. Zuhören und abwarten, was die Worte mit mir machen. Mit meinen Gedanken und Gefühlen. Und akzeptieren, dass sich nicht jeder im Girlsquad lieb haben muss. Das Leben ist kein Taylor Swift Musikvideo, aber die Vorlage ist nicht schlecht. Ich behielt die Worte und Gedanken für mich, denn es ist eine Sache, die ich mit mir und nur mir alleine ausmachen musste. Mit wem sollte ich sie teilen, vielleicht sogar besprechen? Mit der Freundin, die von der anderen zur Feindin erklärt wurde? Das hätte vielleicht unnötig Öl in die Glut gegossen… Und manchmal muss man einfach wissen, wann ein Informationsfluss stoppen und schwelende Glut gelöscht werden sollte. Ich traf damals für mich eine Entscheidung, mit der ich sehr gut leben konnte: Ich akzeptierte die Meinung und Einstellung, aber vertraute auf mein Bauchgefühl, dass alles ok ist. Ich war mit beiden befreundet. Sehr gut sogar.

Aber wie würde sie wohl reagieren, die Frau, die ich toll finde und gerne als Freundin hätte? Wenn ich ihr sage, dass die junge Frau aus ihrem Girlsquad nicht diejenige ist, die sie vielleicht vorgibt zu sein? Und ich das weiß, weil ich sie erlebt habe, als Freundin einer anderen Freundin? Uh, verzwickte Nummer. Und allein beim Nachdenken über die verwirrenden Ecken, über die man sich kennt, bekomme ich Kopfschmerzen. Ich halte es da, wie man es von Männern wohl kennt: Gemauschel und hintenrum Getratsche ist nicht meins, ich mag es, wenn die Karten auf den Tisch kommen und Ehrlichkeit und Vertrauen sind in einer Freundschaft das wichtigste Gut.

Jedoch bin ich jemand, der Menschen mehrere Chancen gibt und auch daran glaubt, dass sich Menschen durch unterschiedliche Gegebenheiten, Freundschaften und Situationen verändern. Vielleicht ist das junge Mädchen nicht mehr die backstabbing Bitch, die sie mal war. Vielleicht. Und vielleicht hat die Frau, die ich so toll finde, das längst auf dem Schirm und ebenfalls, wie ich damals, eine Entscheidung getroffen und nimmt die Menschen so hin, wie sie sind, weil sie auf ihr Bauchgefühl vertraut. Vielleicht. Ich weiß es nicht. Und vielleicht nehme ich einfach mal meinen Mut zusammen und treffe mich auf ein Bier mit ihr. Weil sie ist nämlich echt toll!

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15 Comments

  • Reply
    Deborah
    16. September 2015 at 11:08

    Toller Text. Du sprichst mir aus dem Herzen. Meine Güte, was sind Freundschaften doch schwer. Und ja, manche Dinge muss man ganz alleine mit sich aus machen. Mir geht es da auch so. Nur ist es bei mir der Fall, dass meine Freundinnen im Moment gerade in einer anderen Welt leben. Und die Frau, mit der ich gerne mal ein Bier trinken möchte, kenne ich von der Kita meiner Tochter, aber da getrau ich mich auch nicht einfach zu Fragen.. Na ja, Frauen eben. Aber dein Text ist toll! Du bist sowieso toll, auch wenn ich dich nicht persönlich kenne!

    • Reply
      Anna Frost
      16. September 2015 at 11:29

      das simpelste, was ich mal gesagt bekam war:“ hey, warum waren wir eigentlich noch nicht zusammen was trinken? Kaffee oder Bier, wie du magst. wie siehts aus? “
      Augen zu und durch!

      • Reply
        Christiane
        16. September 2015 at 19:39

        Oh der Spruch ist toll. Den merke ich mir und werden ihn bei Gelgenheit zum Besten bringen. Man muss nur erstmal über seinen eigenen Schatten springen, um dann zu merken, dass die anderen nicht beißen.

  • Reply
    Jenny
    16. September 2015 at 11:08

    So etwas ist schon oft in die Hose gegangen. Schnell wird man selbst, die eigentlich beste Freundin, zur Feindin und das, weil man auf einen „giftigen Zahn“ hinweist.

    Ich finde deinen Schreibstil wirklich unheimlich angenehm und das Thema gut auf den Punkt gebracht.
    Liebe Grüße

    • Reply
      Anna Frost
      16. September 2015 at 11:27

      vielen dank <3

  • Reply
    Gülnur
    16. September 2015 at 12:40

    Diese Situation kenne ich. Allerdings war der giftige Zahn nicht eine Freundin der Freundin, sondern der Freund mit dem sie in einer Beziehung steckte. Ich war der Meinung, dass eine beste Freundin die Pflicht hat, es zu erwähnen, wenn man das Gefühl hat das diese Person einen nicht gut behandelt und nicht gut für einen ist. Ich hatte wohl Unrecht. Ich hatte aus Freundschaft und Liebe zu ihr gehandelt aber sie glaubte, dass ich ihr diese Beziehung und Glücklich zusein nicht gönne. Sie war sauer, sprach nicht mehr mit mir. Ich war wieder die jenige die ihr schrieb, weil die Freundschaft nicht enden sollte aber zurück kam nichts, zumindest nichts dauerhaftes. 2 Jahre nach dieser Situation und nachdem sie zu ihm in den Süden gezogen war, ist sie wieder zurück, getrennt von ihm.
    Was uns leider nicht wieder zusammen geführt hat.
    Es ist traurig und schmerzlich eine Person in seinem Leben zu verlieren nur weil man es gut meinte und ehrlich war. Aber ich bin lieber ehrlich zu jemandem und sage, dass eine gewisse Person nicht gut für einen ist, mit jeglicher Konsequenz.

    Entschuldige den langen Spam

    • Reply
      Anna Frost
      16. September 2015 at 13:54

      ach, spam ist definitiv was anderes :) freue mich über deinen kommentar!
      es ist fingerspitzengefühl gefragt, gerade bei freundschaften und auch in der liebe. sagst du deiner freundin, dass du glaubst, ihr der partner nicht gut tut und sie sich daraufhin trennt, bist du diejenige, die dafür verantwortlich gemacht wird. obs nun gut endet oder schlecht… vielleicht tut man dies ein mal und lernt daraus. letztendlich müssen die personen die entscheidungen selbst treffen.

  • Reply
    Janina
    16. September 2015 at 12:42

    Ich habe leider erst zu spät auf mein Bauchgefühl gehört und mich von meiner damals vermeintlich besten Freundin und Mitbewohnerin
    ausnutzen lassen. Dabei gab es ein paar Freundinnen, die mich länger kannten und es vor mir erkannt haben, dass sie mir nicht gut tat.
    Es hat viel Zeit, Nerven und leider auch Geld gekostet um da rauszukommen.

    Vermutlich lag es auch daran, dass sie krank war (hatte kurz nachdem wir zusammen zogen einen schweren Schlaganfall), dass die Freundschaft sich in eine falsche Richtung entwickelt hat und sie mir leid getan hat, so dass ich alle Anzeichen ignoriert hab.

  • Reply
    Carmen
    16. September 2015 at 15:30

    Hm…was ich (als Frau) nicht ganz verstehe:
    warum kann man nicht mit besagter Frau ein Bier/Kaffee/wasauchimmer trinken gehen und, wenn man sich gut versteht, öfters treffen und Zeit miteinander verbringen OHNE auf die anderen Freundinnen zu sprechen zu kommen?
    Wenn du doch an DIESER Frau Interesse hast und nicht an ihren Freundinnen?
    Man muss doch nicht immer mit mehreren etwas unternehmen.

    Der Freundeskreis eines Menschen ist ja oft bunt zusammen gewürfelt:
    die Sandkasten-Freundin von früher, Freunde aus dem Sportverein, aus Schulzeiten, aus dem Studium, Kollegen die zu Freunden geworden sind…und diese Freundschaften spiegeln die unterschiedlichen Seiten und Facetten eines Menschen wieder.
    Aber ich habe nicht den Anspruch, dass sich alle kennen, geschweige denn mögen.

    Deswegen fände ich es doch sehr schade, wenn man sich von so etwas zurückhalten lassen würde und vielleicht eine wunderbare Freundschaft dadurch verpasst.

    Viele Grüße, Carmen

    • Reply
      Anna Frost
      16. September 2015 at 16:34

      ja, da hast du recht mit. und steht auch in der letzten zeile, dass ich das machen werde… vielleicht ;)

      • Reply
        Carmen
        16. September 2015 at 17:20

        Streich das Vielleicht! ;-)

        • Reply
          Anna Frost
          17. September 2015 at 8:25

          !!

          • Carmen
            17. September 2015 at 15:25

            :)

  • Reply
    Eli
    18. September 2015 at 22:19

    Ich liebe diesen Text…denn zeigst du uns Frauen damit nicht wie wahnsinnig toll es ist dass wir so sind und denken wie wir es tun? Dass wir uns um andere sorgen und Gedanken machen und uns trotzdem zurück nehmen können wenn wir merken dass es nicht der richtige Zeitpunkt ist? Ich finde dass toll und danke für dieses Beispiel! Es gibt so viele tolle Frauen da draussen, es ist schön sich kennen zu lernen! Also raus mit uns, ich freu mich drauf :) p.s. ich finde du bist eine besonders tolle Frau ;)

  • Reply
    Ari
    28. September 2015 at 14:53

    Ich war auch schon das ein oder andere Mal in einer ähnlichen Situation. Allerdings denke ich da irgendwie immer an das Sprichwort: „Zeig mir wer deine Freunde sind und ich sage dir, wer du bist.“ Wenn ich keinen Draht zu den Freunden der Person habe, die ich eigentlich total sympathisch finde, zögere ich trotzdem jedes Mal, auf die Person zuzugehen. Irgendwie denke ich, dass sie ja dann ähnlich ticken muss, wenn sie „solche“ Freunde hat. Meistens verlasse ich mich daher auf mein Bauchgefühl und bin damit eigentlich super gefahren :-)

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