Fashion

#mbfwb Spring Summer 2014 – ein offener Brief an Lena Hoschek

mbfwb lena hoschek

Sie hat es einfach drauf. Lena Hoschek schafft es, das Publikum binnen weniger Sekunden in ihre Welt zu holen, sie in ihre Designer-Seele schauen zu lassen und zu verstehen, was sie inspiriert hat und wie sie die Frauen in der nächsten Saison sieht. Musik, Catwalkdesign, Haare & Makeup der Models – alles ist stimmig und versetzt den Zuschauer umgehen in die Welt der Hoschek. Gerade deswegen ist ihre Show eine derer, der ich am meisten entgegen fiebere. Vergangene Woche verzauberte sie mich wieder. Die ersten Takte der Musik dröhnen im Saal, der mit Kunstrasen begrünte Catwalk wird von einem Model betreten, die gerade eben aus der Serie Mad Men entsprungen sein könnte. Oder einer koscheren Variante von „Eis am Stil“. Wir befinden uns ende der 50er, anfang der 60er Jahre, dank des Rasen-Catwalks haben wir auch eine genauere Location: Wir sind bei einem Picknick im Grünen. Opulente Blumenohrstecker, die beinahe das ganze Ohr verdecken, Hochsteckfrisuren, Ponys, dicke schwarze Eyeliner und pinke Lippen.

Erstmals in einer Kollektion der Hoschek sind 2014 auch Schuhe, die die Muster der Kleider aufgreifen. Lena Hoschek präsentierte uns leichte Pastell- und Bonbonfarben – von Rosa über Pistaziengrün bis hin zu Beige – und lies alles, was die Zeit der späten 50er- und frühen 60er-Jahre hergab, wieder aufleben: bauchfrei, Bustiers, Bleistiftröcke, Rüschen, Spitze, Blumenmuster, Karos, hohe Taillen und sogar Bikinis. Geschickt drapierte Schleifen gaben einigen Kleidern eine dreidimensionale Optik, die mich an vintage Badekappen erinnerte. Schön oder nicht, darüber lässt sich gerne streiten. Ein Hingucker ist es definitiv.


Eines störte mich jedoch enorm, werfen wir einen Blick auf die Models, die die farbenprächtigen Designs präsentieren und deswegen gibt es an dieser Stelle einen offenen Brief an Lena Hoschek:

lena hoschek spring summer 2014 mbfwb

mbfwb lena hoschek 2

 

Liebste Frau Hoschek,

Seit Jahren begeisterst du mich mit den Kollektionen, die du auf der Berliner Modewoche zeigst. Du hast ein Gespühr für Farben, Formen und Stil. Deine Mode, so sagtest du einmal, sei für Vollweiber gemacht. Deine Idealfrau hat Kurven, wie etwa Christina Hendricks und auch Sophia Loren, Marilyn Monroe und Gina Lollobrigida. Frauen mit Busen, mit Hintern, Frauen mit Hüften und Proportionen, wie sie eine Frau heute eben hat. Frauen, die deine Kleider tragen, stürmen in Scharen ins Zelt, sitzen Frontrow und applaudieren im Takt zu jedem Design, welches auf dem Catwalk präsentiert wird. Frauen sind begeistert, denn eine Designerin spricht von Sexsymbolen der 50er Jahre, wie eben Marilyn Monroe und  Sophia Loren. Du verfolgst keine Trends, du schaffst sie indem du dem Ausdruck verleihst, was dich seit deiner Kindheit fasziniert. Du bist eine Designerin, die die personifizierte Weiblichkeit der 50er Jahre ins 21. Jahrhundert transportiert, was ich sehr an dir schätze. Jedoch lief es mir vergangene Woche zur Mercedes Benz Fashionweek Berlin eiskalt über den Rücken. 

Die sonst so kurvigen und nah an der Inspiration gecasteten Models sind spindeldürr. Die Träger der Kleider fallen reihenweise von den knochigen Schultern, Ausschnitte sind leer, Bikinihöschen flattern im Takt der Schritte des klapperdürren Models, anstatt sich an einem prallen Gesäß zu schmiegen. Man kann zwar bis zu einem gewissen Maße mit Gürteln die Taillen schnüren, aber irgendwann hat auch ein Gürtel nicht mehr genug Platz, für weitere Löcher.

Liebste Frau Hoschek, sag mir, ist das deine angepasste Vision von einem Sexsymbol der 50er Jahre? Deine Kundschaft sieht anders aus. Sie sitzt in der ersten Reihe und kriegt den Mund vor Entsetzen nicht geschlossen. Mode, die für kurvige Frauen designed wird, an Size 0 Frauen zu präsentieren, tut deiner Kollektion nicht gut. Es bedarf leider viel zuviel Phantasie, wie so ein grandios geschnittenes Kleid an einem Vollweib aussehen würde, während es an einem Magermodel gezeigt wird. Selbst deine Publicity-Hascherei durch Buchung von Castingshow Teilnehmerinnen sorgt da nicht für genügend Füllmaterial. Die Mädels haben auch nicht mehr auf den Hüften. Nimm dir doch ein Beispiel an deinem Kollegen Patrick Mohr, der darauf scheißt, wie schlank seine Models sind. 

Liebste Frau Hoschek, ich vergöttere deine Mode, deine Kleider, aber bitte nimm die Hungerhaken vom Catwalk!

Datt is doch nich mehr schön!

Danke.

Deine Anna

 

Fotos:© Mercedes Benz Fashion 

 

You Might Also Like

18 Comments

  • Reply
    vany
    8. Juli 2013 at 16:41

    danke anna, dass du das ausgesprochen hast. ich liebe die kleider von lena hoschek aber war ebenfalls sehr schockiert über die models. als sie nur 2 meter vor mir über den laufsteg geschwebt sind war ich erschrocken, dass sie nicht vor mir zusammen klappen.
    ich hoffe dass sich etwas ändert!

    liebst,
    vany

  • Reply
    Sina
    8. Juli 2013 at 16:42

    <3

  • Reply
    Miss Harrcore
    8. Juli 2013 at 16:46

    Ich fände es interessant, wenn man auf dem Laufsteg verschiedene Frauentypen präsentieren würde. Schlanke, durchtrainierte, kurvige – Schönheit ist so relativ.

  • Reply
    Sophie_MYBESTBRANDS
    8. Juli 2013 at 16:54

    WORD!
    Danke für die offenen Worte, der Brief hat all das zusammenfasst, was sich der Großteil der ModeredakteurInnen & BloggerInnen bei dieser Show gedacht hat…

    • Reply
      Lia
      8. Juli 2013 at 17:51

      Ich bin ganz deiner Meinung!
      Klasse Brief! !

  • Reply
    marcthomas
    8. Juli 2013 at 17:20

    Hat leider auch nichts mehr mit „sportlich- schlank“ zu tun.
    Viele sind knochiger als die Haute Couture Models der Paris Schauen.
    Frauen ohne Muskelmasse. Heruntergehungert. Traurig. Freudlos. Null Attitude.

    Dawid Tomaszewski war noch schockierender: Frauen, die aussahen als hätte man sie direkt aus einer Klinik für Essgestörte oder Drogenabhängige geholt. Dem war wahrscheinlich auch so, denn ausdrucksstark und selbstbewusst laufen konnte seltsamerweise keine von ihnen.

    Das gibt mal wieder viel Inspirationsmaterial für die jungen Mädchen.

    Designer. Die Huren des Magerwahns.

  • Reply
    lisa
    8. Juli 2013 at 17:38

    Liebe Anna Frost,
    ich weiß absolut, was du meinst! Wir haben genau das in unserem Interview mit Lena Hoschek auch angesprochen (http://uberding.net/?p=30027) – die Antwort ist nicht komplett im vlog gelandet, aber sie schien selbst total genervt davon, wie schwierig die Modelauswahl dieses Jahr wieder gewesen sein muss. Nach ihrer Aussage versucht sie jede Saison wieder, kurvigere Models zu casten – müsse sich aber eben mit dem zufriedengeben, was zu den Castings kommt. Und da die meisten Designer ihre Kleider scheinbar immer noch am liebsten an Hungerhaken sehen wollen, sind das eben größtenteils Size Zero Models.
    Ich will Lena Hoschek auf keinen Fall zur Heiligen machen, aber sie definitiv die mir sympathischste Aussage zu diesem Thema getroffen. Andere Designer waren mit ihrer Modelauswahl komplett zufrieden und schienen nicht einmal über das „zu dünn“-Thema nachgedacht zu haben.
    Ich verstehe, dass es gerade bei Lena Hoschek mit ihrer femininen Mode und dem Statement für kurvige Frauen makaber wirkt, dass die Mode von solchen Models gezeigt wird – aber es ist die ganze Branche, nicht ein einziger Designer.

  • Reply
    Sandra
    8. Juli 2013 at 17:56

    Schön, dass es jmd anspricht! Auch ich liebe die Designs von Lena Hoschek und war immer mächtig beeindruckt, dass sie endlich mal ein Designer lieber den richtigen weiblichen Frauen hingibt! Finde es echt schade, dass sie keine kurvigen Models gebucht hat aber für die gibt es in der Modewelt ja sowie so weniger Gebrauch…

  • Reply
    Sari
    8. Juli 2013 at 19:42

    Wenn man in einer modellagentur keine kurvigen modelle findet, meldet man sich halt bei einer people-agentur. Ausserdem ist es ja auch nicht so das es in berlin keine pin up oder burlesque midelle gibt die den carwalk aufmischen könnten. Wenn man will findet man auch jemanden.

    • Reply
      Hendrike
      9. Juli 2013 at 11:16

      Ich sehe das wie Sari. Dann castet man halt mal in der örtlichen Rockabilly-Szene und gut ist…

    • Reply
      Ivy
      9. Juli 2013 at 15:19

      Ganz richtig!!!

      Wo ein Wille ist….

  • Reply
    Annie
    8. Juli 2013 at 22:37

    Da sprichst du mir aus der Seele. Die letzten Show im Januar war toll und so echt. Als ich dann die Bilder aus der letzten Woche gesehen habe war ich etwas schockiert. Hätte ich 20cm mehr in der Höhe würde ich zum nächsten Casting gehen :D hahaha
    Grüße
    Annie

  • Reply
    Janina
    9. Juli 2013 at 0:01

    Hmmm. Also ich finde die Models haben bis auf die Mittlere in der mittleren Reihe sowie die ganz rechts in der mittleren Reihe keine übermäßig dürren Figuren – ich finde eher, dass der Rest dünn, aber gesund aussieht. Manche können ja dann doch auch Kurven . wie eben Busen aufweisen. Also bei den zwei Models stimme ich dir zu, den Rest finde ich aber im Rahmen.

    Aber ich war auch nicht vor Ort, also;). Und letztendlich ist wohl auch das Geschmacksache:).

    Liebe Grüße!

    • Reply
      Wibke
      9. Juli 2013 at 15:28

      Anhand von den Bildern kann man schwer ein Urteil fällen (ist aber leider immer so bei den durch die Dimension beschränkten Medien, da wird vieles hineingedichtet oder falsch interpretiert)

      Schau Dir das Video von der Show an, das gibt schon mehr über den Zustand der Mädels her.

  • Reply
    Stella
    10. Juli 2013 at 13:26

    Ich muss mich Janina anschließen,
    die Models auf den Fotos sehen alle super fit und gesund aus
    und nicht im geringsten zu dürr.

  • Reply
    Ruth
    17. Juli 2013 at 11:24

    Wer so trainierte Beine hat wie die brünette Dame, ist sicherlich kein Hungerhaken. Mit Sicherheit haben sie schmale Schultern und einen zierlichen Oberkörper. Aber Hungerhaken? Die sehen ganz anders aus.
    Ich finde es eher schade, dass sich keine üppigeren Models finden lassen. Warum geht niemand zu den Castings?

  • Reply
    M A R T A
    18. Juli 2013 at 12:26

    So many pretty dresses!

    http://www.martasfashiondiary.com/

  • Leave a Reply

    Ich akzeptiere

    Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.