Auf Facebook fragte ich die Tage, ob es Wünsche bezüglich Artikel zur Schwangerschaft gibt, die euch interessieren. Und eine Frage war dabei, die ich sehr wichtig fand und über die selten jemand spricht:

Gewichtszunahme in der Schwangerschaft ist normal und zu erwarten. Wäre unlogisch, wenn keinerlei Gewichtszunahme erfolgen würde (obwohl es das ja immer wieder geben soll, gerade bei Frauen, die bis kurz vor der Geburt nicht wussten, dass sie schwanger waren. Das sind aber Ausnahmen) – parallel zum Wachstum des Kindes müssten wir Frauen abnehmen. Eine Diät würde aber für eine Unterversorgung des Kindes sorgen. Bzw. auch zu einer Unterversorgung der Mutter, denn das Baby im Bauch hat in der Versorgung immer Vorrang.
Man sagt, je nachdem, wie hoch das Anfangsgewicht war, dürften gegen Ende der Schwangerschaft (40. Woche) 10-18 Kilogramm mehr auf die Waage sein. Unter 7 Kilogramm sollte die Gewichtszunahme zum Ende der Schwangerschaft jedoch nicht liegen, weil sonst das Wachstum des Ungeborenen gefährdet werden könnte. Aber auch da gibt es wie immer Ausnahmen.
In meiner ersten Schwangerschaft nahm ich 14,00 kg zu, verlor 11,00 Kg direkt bei der Geburt und knabberte dann noch recht lange an den letzten 3,00 Kg inklusive wabbeligem Bauch. Meine Plazenta war zB. um einiges schwerer, als unten der Durchschnittswert angibt und meine Haut brauchte lange, um wieder in ihre Form vor der Schwangerschaft zurückzugehen. Das ist alles bei jeder Frau unterschiedlich.
Das Gewicht, welches man in der Schwangerschaft zunimmt, hat seinen Grund, denn Baby, Fruchtwasser, Plazenta, etc. haben alle ein eigenes Gewicht und wachsen in den ca. 40 Wochen.
Schätzungsweise sieht die Gewichtsverteilung wie folgt aus:
Baby: ca. 3,50 Kilogramm
Gebärmutter: ca.1,00 Kilogramm
Plazenta: ca. 0,75 Kilogramm
Fruchtwasser: ca. 1,30 Kilogramm
Pro Brust: ca. 0,30 Kilogramm
Blutvolumen: ca. 1,15 Kilogramm
Gewebsflüssigkeit: ca. 2,00 Kilogramm
Depotfett: ca. 1,70 Kilogramm
–> ergibt eine Gesamtzunahme: ca. 12,00 Kilogramm
Das sind grobe Durchschnittswerte und treffen nicht exakt so auf jede Frau zu. Auf mich zum Beispiel nicht, denn ich komme leider jetzt schon in meiner zweiten Schwangerschaft auf ein wenig mehr Gewicht und werde das aktuelle Gewicht sicher nicht bis zum Ende halten können. Das hat unter anderem mit zusätzlichen Wassereinlagerungen zu tun (Hochschwanger im Sommer ist nicht unbedingt ein Zuckerschlecken. In Pool und Meer lässt es sich aber hervorragend aushalten ;) ). Es heißt, dass ab der 27./28. Schwangerschaftswoche circa 500 Gramm Gewicht wöchentlich dazu kommen.
Während sich einige Frauen über die neuen Rundungen, der größer werdenden Brust und ein wachsendes kleines Bäuchlein freuen, gibt es andere Frauen, für die jeder Tag eine kleine Überraschung vor dem Kleiderschank bedeutet: Was letzte Woche noch passte, wird heute vom Busen oder Bauch gesprengt.
Zu letzteren zähle ich mich gerade. Mein Bauch war, wie in der ersten Schwangerschaft, schon recht früh sichtbar und präsent. Jeder Tag ist eine neue Herausforderung und mein eh schon recht großer Busen wächst und wächst und wächst und sprengt selbst neu gekaufte Schwangerschaftskleider einige Tage später (was auch die Frage aufwirft: Werden Schwangerschaftskleider wirklich an Schwangeren ausgemessen oder eher an schlanken Models mit Umschnallbauch?). Bis zu einem gewissen Grad kann es doch ganz sexy sein, seinen Busen in ein Kleid zu quetschen, wenn die Knöpfe aber drohen abzuspringen und dem Gegenüber das Augenlicht nehmen, ist das nicht mehr witzig. Nachdem ich nun also 3 eigentlich neue Kleider direkt 3 Wochen später auf den „Aussortieren Stapel“ geworfen habe, denke ich, es ist Zeit, diese persönliche aber wichtige Frage zu beantworten.
„Wie kommst du mit den neuen Dimensionen zurecht?“
Ich bin ehrlich: Mal so, mal so. Es gibt Tage, da stehe ich vor dem Spiegel und fühle mich wie ein Ein-Mann-Zelt. 1.66m groß und gefühlt genauso breit. Besonders dann, wenn ich mit geschwollenem Gesicht, Hintern, Beinen und Füßen aufwache… Oder die Beine und Füße im Laufe des Tages anschwellen.
Und dann gibt es Tage, an denen fühle ich mich toll. Habe ein Outfit gefunden, dass den Bauch schön umschmeichelt, mich gut aussehen lässt und in dem ich mich entspannt bewegen kann. Kein Knopf droht seinen Job aufzugeben und keine Naht steht unter Stress.
Im Sommer schwanger zu sein kann schön, aber auch stressig sein. Die Wärme macht einem zu schaffen, man fühlt sich vielleicht mit seinen neuen Rundungen nicht wohl, will sich eher verhüllen und steht vor einem Dilemma: Schwitzen oder nicht? Im Winter ists kalt und viele dicke Lagen Kleidung machen einem genauso zu schaffen… Wie angenehm es für mich in der einen Woche war, als wir in Griechenland waren: 3/4 des Tages verbrachte ich entspannt im Bikini im Pool oder Meer.
Sich und seinen Stil in der Schwangerschaft treu zu bleiben ist auch nicht immer einfach, denn nicht immer gibt es für jeden Geldbeutel das Passende. Natürlich stylen sich Chrissy Teigen oder Khloe Kardashian stilsicher und auf keinen Fall in typischer Schwangerschaftskleidung. Aber die Damen brachten schon andere Körpermaße und eine Stange Geld für Stylisten und Kleidung mit. Unfair? Manchmal…
Ich kenne einige Frauen, die hatten einen relativ kleinen Bauch, keinerlei Wassereinlagerungen und haben fast die ganze Schwangerschaft ihre „normale“ Kleidung tragen können. Das ist praktisch und nimmt den Frauen den Druck. Wer jedoch zur anderen Sorte Frau gehört, muss gucken, wie man sich noch irgendwie herrichtet. Geschick ist gefragt. Bei den üblichen Verdächtigen, wie Zara, Mango und COS gibt es schöne Kleider und Shirts, die wundervoll oversized geschnitten sind, aber auch da muss man gucken: Passen die Proportionen so? Passt mein Schwangerschaftsbusen rein? Viele Schwangerschaftslabels sind für meinen Geschmack leider ein wenig trutschig. Einige vergessen, dass bei Schwangeren Frauen nicht nur der Bauch, sondern auch der Busen wächst. Blöd, wenn ein Kleid also Platz für viel Bauch und sonst ein A oder B Körbchen bietet. Damit Bauch und Busen in Kleidung passen, muss ich also von einer 36 zur 40 wechseln und habe dann das Problem, dass die Proportionen nicht mehr stimmen: Schultern sitzen mitten auf dem Oberarm, Länge passt nicht und an der Taille ists auch ein wenig weit. Das Drama der kleinen Frauen. Da überlegt man dann doch mehrmals, ob man nun wirklich nicht mehr in die Klamotten zuhause passt…
Klar kann man auf der einen Seite sagen: „Entspann dich, es sind doch nur 9 Monate.“ … Aber es sind auch 9 lange Monate. Beziehungsweise etwa 3-5 Monate, in denen man einen ordentlichen Bauch hat und die körperlichen Veränderungen sichtbar sind.
Die körperlichen Veränderungen sind je nach Schwangerschaftsmonat oder -Woche im Vergleich zur vorherigen sichtbarer und können im Kopf ziemliches Chaos verursachen, wenn man selbst irgendwie nicht wirklich hinterher kommt.
„Shit, das Kleid hat doch letzte Woche noch gepasst?“
„Verdammt, ich komme in die Hose nicht mehr rein…“
„Der BH (ohne Bügel!) zwickt und mein Busen fällt fast raus. Wann ist das denn passiert??“
Wann passiert es schon, dass man innerhalb einer Woche nicht mehr in seine Kleidung passt? Im Normalfall ist das Wachsen des Körperumfangs ein Prozess über mehrere Wochen und nicht über Nacht. Nein, da waren keine kleinen Männchen nachts am Werk und haben alles eine Nummer kleiner genäht. Auch sind die Klamotten nicht unbedingt in der Wäsche eingelaufen. Der Körper verändert sich, macht Platz für das Baby. Und das im Rekordtempo. Da muss der Kopf irgendwie hinterher kommen… Und das klappt nicht immer genauso schnell über Nacht.
Der Reißverschluss von dem einen schönen Kleid, welcher sich vor kurzem noch hervorragend an der Taille schließen ließ, bewegt sich 3 Wochen später keinen Zentimeter weiter. Das Kleid passt nicht mehr. Auf Dauer kann das ziemlich enttäuschend sein.
Die Frustration wird groß, wenn auf kein Kleidungsstück Verlass ist. Normalerweise greife ich in meinen Kleiderschrank und weiß, dass mir alles passt. Ich kann einen Urlaubskoffer mit Kleidern aus der letzten Saison packen und weiss, dass sie mir noch passen. Weil mir eigentlich alles in meinem Kleiderschrank passt!
Jetzt leider nicht mehr. 80% meines Kleiderschrankes sind von einer Woche zur nächsten nutzlos geworden und der Struggle is real: Man hat den ganzen Schrank voller Klamotten und doch nichts anzuziehen. Kennt man aus lustigen Sprüchen von Facebook – Leider meine Realität.
Und seien wir ehrlich: Nicht immer sollen Kleidungsstücke einfach nur passen und uns anziehen, sondern sie sollen uns auch kleiden, sodass wir uns wohl fühlen, sexy, selbstbewusst und vielleicht auch diversen besonderen Anlässen entsprechend.
Ich möchte mich wohlfühlen. Ich möchte meinem Stil treu bleiben und nicht aus der Not heraus zu einem Kleid greifen, in dem ich mich alles andere als wohl fühle, aber wenigstens iiiiiirgendwas an habe.
Und wenn ich sage, dass ich meine alte Figur vermisse, dann bedeutet das auf keinen Fall, dass ich mich nicht glücklich schätze schwanger sein zu dürfen und mich nicht auf mein Kind freue. Nein.
Das Wohlfühlen in dem Körper, den man 40 Wochen mit einem anderen Menschen teilt, ist schwierig. Das Kind wird als erstes versorgt und ist auch oft der Auslöser für so manch ein Unwohlsein, Zipperlein oder größere Beschwerden. 40 Wochen nicht zu 100% der Herr über seinen eigenen Körper zu sein, ist anstrengend, absurd und wirft einen hin und wieder gerne mal emotional aus der Bahn. Da geschieht ein kleines Wunder im eigenen Körper, die einen oder anderen Tigerstreifen, Male einer Kriegerin bleiben zurück und man hält am Ende eben jenes Wunder im Arm, darf ihm beim Großwerden zusehen, es begleiten, lenken, leiten, helfen und unterstützen.
Natürlich hat man Sekunden nach der Geburt – egal wie schwer, rasant, langatmig oder einfach sie war – (fast) alle Schmerzen, den Kummer oder auch das Drama ums morgendliche Anziehen vergessen, findet sein Verhalten sogar albern und denkt sich im schlaftrunkenden Zombiezustand nachts um 03:00 mit schreiendem Baby auf dem Arm: „Alter, was würde ich jetzt dafür geben, wenn mein einziges Problem wäre, dass mein Bauch jedes neu gekaufte Kleid nach einer Woche sprengt…„.
Schwanger sein ist nicht einfach. Manche Frauen lassen es einfach aussehen und das ist auch ihr gutes Recht. Schwangere Frauen strahlen, auch wenn sie es selbst nicht merken oder sehen. Schwangere Frauen sind wunderschön, auch wenn sie sich selbst in manchen Situationen selbst nicht leiden mögen. Schwangere Frauen haben einen gewissen Glow, sind umgeben von einer besonderen Aura und faszinieren den Betrachter.
Es freut mich aufrichtig, wenn Frauen sagen, dass sie ihre Schwangerschaft zu jeder Zeit genossen haben. Meiner Meinung nach ist aber auch nichts falsch daran zu sagen, dass man seine Schwangerschaft eher nicht so genießen konnte, sie nicht mochte, nicht darin aufgegangen ist und mehr gekämpft hat, als jeden Tag einen wunderschönen Tagebucheintrag zu schreiben, sich statt dessen einfach auf das Ziel freut: Ein Kind in den Armen halten zu dürfen, welches in einem herangewachsen und ein Teil von einem selbst ist.
Und dann sind neue Dimensionen, Gewicht, Dehnungsstreifen und Schmerzen einfach nicht mehr so das trendig Topic. Dann geht es nur noch darum, wie man dieses kleine Lebewesen beschützen und ihm alles geben kann, was es braucht.
Ich für meinen Teil kann diese Schwangerschaft mehr genießen, als meine erste. Ich bin entspannter, gelassener. Klar, frustriert mich der tägliche Kleiderkampf. Und natürlich sage ich dann so Dinge, wie „Ich fühle mich fett!„, „Mistekiste, schon wieder zugenommen...“, „Fuck, ich sehe aus, wie eine Tonne!„… Aber es bedeutet auch, dass das Kind in mir anständig heranwächst. Und es geht ihm gut; das ergeben Untersuchungen und auch die Ultraschallbilder bestätigen es.
Das ist das Wichtigste.




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