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watching you

„Heyyyy, lange nicht gesehen!“, begrüße ich sie und drücke sie fest, vielleicht ein bisschen zu fest, aber ich freue mich einfach wirklich, sie zu sehen. „Du hast deine neue Tasche dabei, zeig mal… die ist echt wahnsinnig cool. Ich las, dass du sie dir letztens gegönnt hast.“. „Ja, ich liebe sie!“, entgegnet sie knapp und hält beiläufig den vorbeischleichenden Kellner mit dem Champagner an, lässt sich nachgießen und schaut mich erwartungsvoll an. „Bei dir war ganz schön was los, in letzter Zeit. Freut mich sehr für dich, was da gerade geht!“, sage ich und lächle sie an. „Ja, ich freu mich auch sehr.“, sagt sie knapp und insgeheim hoffe ich, dass sie vielleicht mal eine Frage zurückwirft… Bei mir war ja auch einiges los in letzter Zeit… „Und wie war deine letzte Reise?“, frage ich, um vielleicht endlich ein Gespräch in Gang zu setzen, bei dem ich nicht nur Fragensteller bin und knappe Antworten bekomme. „Ich war ja ganz fasziniert von den schönen Instagrams. Traumhaftes Wetter…“. „Ja, total schön!“, antwortet sie wieder knapp. „Und?“, frage ich fordernder. „Jemanden kennengelernt?“ und mit einem mal sprudelt sie und erzählt, erzählt und erzählt.

Auch, wenn wir uns nicht mehr täglich unterhalten, schreiben, whatsappen, texten, chatten, verfolge ich doch stetig, was meine Freunde und Bekannten, meine Familie und Herzmenschen machen. Social Media ist da ein hervorragendes Tool, um ihre Bewegungen, Erlebnisse und Erfolge zu tracken. Das klingt nach Überwachungstool, aber wer seine Infos ins Netz stellt, der gibt mir Zugriff darauf. Besonders wichtig, wenn man seine Familie und Freunde nicht nahe bei sich wohnen hat, sondern rund um den Globus verteilt.
Verlobung, Hochzeit, Schwangerschaft, Studiumsabschluss oder -Abbruch, Urlaub, Shoppingausbeute und neue Frisur – wenn nicht im wöchentlichen Telefonat oder Skype Gespräch, sehe ich das auf Snapchat, Instagram, Facebook oder Twitter.
Ich schaue täglich in mehrere Blogs rein, scrolle Instagram und Twitter regelmäßig durch und ab und an sehe ich mir die eine oder andere Snapchatstory an. Ich mache das gerne. Teilweise gehört es zu meinem Job zu wissen, was auf den unterschiedlichen Channels passiert und teilweise ist es auch ein Zeitvertreib, eine Beschäftigung in freien Momenten. Und allem voran natürlich auch meine Neugierde, was denn gerade bei anderen passiert. Und ich mache da keinen Unterschied, ob es eine neue Frisur oder die Teilnahme beim Supertalent ist – es wird kommentiert, sich gefreut und in den meisten Fällen dazu noch lange gechattet und das Gif Game bis ins Extreme gespielt.
Das macht mich natürlich zu einer grandiosen Interviewpartnerin oder eine Red Carpet Moderatorin, denn ich weiß einiges über potentielle Gesprächspartner und habe so viele Gesprächsansätze.

Schade wird es nur, wenn dein Gegenüber sich nur interviewn lässt, aber kein Gespräch führen will oder kann, weil… ja… warum? Generelles Desinteresse an einem Gespräch? Das glaube ich an der Stelle nicht.

Ein Like auf Facebook oder Instagram, ja auch ein Fav auf Twitter, ist mittlerweile auch ein „habe ich zur Kenntnis genommen“ bzw. „hab ich gesehen“.

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