Die Zeit rast. Und damit meine ich nicht das berühmte „Wenn du eigene Kinder hast siehst du erst, wie schnell die Zeit vergeht!“, sondern so richtig. Die Zeit rast! Sie drängelt mit Lichthupe hinter mir, überholt mich von rechts und rast mit erhobenem Stinkefinger an mir vorbei… Und ich schaue ihr fassungslos hinterher…
Die To Do Listen werden lang und länger und ich kann es selbst schon nicht mehr hören, wenn ich Abends ins Bett gehe, mir noch schnell eine Notiz ins Handy tippe während ich murmle „Ugh… das wollte ich ja eigentlich auch noch erledigt haben…“.
Man sagt ja immer, „Wenn, dann kommt es ganz dicke!“. Und leider trifft das auf die letzten zwei Monate zu. Beruflich und privat schlug die Kurve sowie im Positiven, als auch auch im Negativen ordentlich aus. Mehr Klicks, mehr Zuschauer, mehr Reichweite, tolle Jobs und schon jetzt viele Termine für das erste Quartal 2018 im Kalender festgezurrt – das macht mich unglaublich happy! Viele Aufträge und Termine bedeuten aber auch gleichzeitig mehr zu tun und mehr To Dos und mehr Zeit, die freigeschaufelt – bzw. eingeteilt werden muss für Privatleben und Berufsleben. Und dann fehlt plötzlich einer im Team und die Arbeit muss neu eingeteilt werden. Mittlerweile kann ich verstehen, warum in vielen Familien riesige Kalender für jedes Familienmitglied hängen und sich manche Eltern mit Augenzwinkern „Manager eines kleinen Familienunternehmens“ nennen. Termine für jeden zu koordinieren, gleichzeitig noch Job und Karriere im Auge behalten, kleine Projekte hier und da umzusetzen und irgendwie noch Zeit zu haben für Freunde und Kuscheln mit dem Partner.
Wir haben Ende November und Erfahrungsbedingt wird die To Do Liste gegen Ende des Jahres nicht kürzer, sondern noch länger. Weihnachten und Silvester sind diese berühmten Events (ach, sie kommen ja immer so plötzlich!), bei denen man sich doch gerne die Zeit freischaufeln will, um zur Ruhe zu kommen. Dass die Arbeit dann dafür auf die anderen Tage davor umgeschiftet wird – ist klar. Auch möchte sich jeder noch einmal vor den Festlichkeiten sehen, weil man das so macht und zwischen Terminen dazwischen gequetschte Besinnlichkeit doch besser ist, als gar keine.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man sich als Babysitter ab Mitte November eine herrlich goldene Nase verdienen kann, denn die gestressten Eltern von ein bis drölf Kids haben nicht nur Verpflichtungen innerhalb der eigenen Vier Wände, sondern müssen jeweils bei den Weihnachtsfeiern ihrer Freunde/Arbeit auftauchen, wollen vielleicht mehr als drei Glühlülü auf dem Weihnachtsmarkt schlürfen und irgendwie ist die besinnliche Zeit ja auch eine Zeit der Entschleunigung – zumindest wäre das so manch einen Abend mal toll – und Zweisamkeit ist ja generell Mangelware.

Ich habe das Gefühl, die Erwartungen werden um die Weihnachtszeit noch einmal um Einiges nach oben geschraubt. Zum Jahresende muss noch was passieren. Ganz dringend. Das ist wie damals in der Schulzeit: Das ganze Schuljahr über wird getrödelt und 3 Wochen vor der Zeugnisvergabe werden die Lehrer um Referate und Zusatzaufgaben angefleht, um noch irgendwas an den Noten zu drehen. Dieses Gefühl bleibt und als Erwachsener möchte man noch ganz dringend irgendwas abhaken, um das Jahr nicht als Oberlooser ziehen zu lassen.
Nicht umsonst schreibt man sich gute Vorsätze, die man in den ersten Wochen noch fleißig umzusetzen versucht, später im Verlauf des Jahres vergisst und kurz vor Ende des Jahres muss doch noch schnell die Bikinifigur, der Partner fürs Leben, der neue Job her und mit dem Rauchen muss jetzt auch ganz dringend aufgehört werden… Stress? Ach, watt.
Wir müssen dringend damit aufhören, uns zu stressen, die Erwartungen an uns und andere so hoch anzusetzen, sowie dem Jahresende so viel Bedeutung beizumessen. Das ist jetzt natürlich einfacher gesagt, als getan.



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