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Was ich will…?

 Gerade in meinem Alter wird man viel gefragt was man denn für die Zukunft wolle. Kinder? Job? Wo möchte ich gerne leben? Alle machen sich darüber Gedanken was sie wollen und es ist viel „wenn ich irgendwann mal…, dann…“. Und daran ist ja auch gar nichts falsch. Wir schleifen unsere Träume und Pläne nach denen wir streben wollen, die Gründe dafür warum wir studieren und manchmal auch die einzige Motivation das Studium nicht abzubrechen.

Es ist ja kein Geheimnis dass man bekanntlich oft will, was man nicht hat. Was kommt also danach? Was kommt wenn ich mir nun also irgendwann das schicke Auto leisten kann? Oder wenn ich die Weltreise gemacht habe? Was steckt hinter diesen Wünschen? Wonach suchen wir denn wirklich? In den vergangenen zwei Jahren habe ich mich sehr viel mit mir selbst auseinander gesetzt. Als ich nach dem Abitur schrecklich unglücklich war habe ich mir ein paar Monate für mich genommen um herauszufinden wo ich gerade überhaupt stehe. Ich wollte mich auch gewissermaßen selbst kennenlernen, herausfinden wofür ich wirklich stehe, wovon ich wirklich überzeugt bin und wie viel von dem ich denke es sei meine Persönlichkeit eigentlich nur durch den Einfluss der Leute aus der Schule kam. Ich habe mich in dieser Zeit zwei Monate mit so gut wie niemandem getroffen, meine Ernährung umgestellt und versucht mich viel mit meinen Gedanken und meinem Inneren auseinander zu setzen. Was zugegebenermaßen häufig sehr anstrengend und schmerzhaft war. Natürlich muss man diese Dinge nicht machen um sich selbst näher zu kommen und das Chaos in einem zu ordnen, aber ich hatte das Gefühl das zu brauchen und zu wollen. In dieser Zeit habe ich viel über Akzeptanz, Ausgeglichenheit und innere Ruhe kennengelernt. Und viel über Glück. Ich war in manchen Momenten einfach nur so tief glücklich, ein Glück was ich vorher so nicht kannte. Das erste mal habe ich das nach einer Yoga Stunde mit anschließender Meditation kennengelernt. Dieses allumfassende Glück das einem einfach nur das Gefühl von „so ist es richtig, so ist es gut“ gibt. Für einen eher unausgeglichenen Menschen der immer auf Zack ist, auch rein mental, war das was ganz besonderes. Zu wissen dass ich mich so fühlen kann hat das Glücksgefühl noch weiter intensiviert und ich wusste dort, dass ich das öfter will. Dass ich es verdiene mich so zu fühlen.

Für mich hatte dieser Prozess viel damit zu tun, unabhängiger zu werden. Nicht nur vom Elternhaus, sondern emotional. Ein Selbstbewusstsein für mich zu entwickeln und das auch zu leben, mit meiner extrovertierten Art dazu zu stehen.

Oft höre ich was ich als junge Frau meines Alters tun und sein lassen soll. Wie Mädchen sein sollen, welchen Weg man gehen sollte, welche Persönlichkeitszüge beim anderen Geschlecht als besonders attraktiv empfunden werden. Egal wo ich hingehe, egal wo ich mich wiederfinde, ich treffe auf Ratschläge zur vermeintlichen Selbstverbesserung und Anleitungen um noch schöner, noch besser, noch wasauchimmer zu sein. Das passiert durch Magazine, Filme und Influencer, aber auch (wenn auch mit einem anderen Ziel) von Bewegungen wie Body positivity oder Instagram Yogis. Und es ist schön diese Ratschläge zu lesen, vielleicht so aus den Erfahrungen anderer lernen zu können, aber es erdrückt. Wie soll ich wissen was ich für mich will, wenn ich überall und immer darin beeinflusst werde worauf man hinarbeiten könnte? Es ist kein Wunder dass was wir wollen, wofür wir arbeiten sich jedes Jahr ändert, denn es gibt so viele Anstöße und neue Gedanken die es erst noch zu entdecken und kennenzulernen gilt.

Auf dem Weg zu dem, was ich für mich will hat mir am Ende der Feminismus am meisten geholfen.

An meine Stärke zu glauben, mich daran zu erinnern dass ich einen Anspruch auf die gleichen Dinge habe wie die Jungs um mich herum, ein Recht darauf selbst zu entscheiden was ich wo wann und wie mache. Ich muss auf keinen Fall 20kg abnehmen, muss aber auch nicht einfach meinen Körper wie er ist annehmen und mich zwingen ihn zu lieben. Ich darf ihn verändern wie ich es möchte. Ich muss nicht versuchen irgendwelchen Männern zu gefallen, aber kann mich trotzdem auf Liebesbeziehungen einlassen und mich darauf verlassen wollen. Ich muss nicht akribisch jedes Haar auf meinem Körper entfernen, aber auch nicht meine Körperbehaarung mit instagramposts feiern um mich wohl zu fühlen.

Ich darf und kann komplett selbst bestimmen was ich mit mir und meinem Leben mache und das macht mich schrecklich glücklich. Selbstbestimmung.

Mich machen auch materielle Dinge häufig sehr glücklich, jedoch ist es nicht das was ich mir wünsche wenn man mich fragt, was ich wolle. Was ich will ist diese Selbstbestimmung, was ich will ist glücklich zu sein.

Und was ich will ist diese Selbstbestimmung auch anderen Menschen auf dieser Welt zu ermöglichen, ändern Frauen und Mädchen. Und dafür studiere ich, dafür stehe ich morgens auf und dafür will ich kämpfen, denn das würde mich glücklich machen und am Ende ist das alles was ich will. Wenn man mich also fragt was ich für die Zukunft will dann kann ich mit „glücklich bleiben“ antworten, näher zu erforschen woraus dieses Glück für mich besteht und meine Selbstbestimmung festhalten, andere darin stärken Selbstbestimmung leben zu können. das ist was ich will! Und darauf soll mein Weg aufbauen.

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