a) Ich gebe deinen Namen bei Instagram ein und scrolle durch dein Profil. Du bist so selbstbewusst, postet Bilder von dir selbst im Bikini und vor schönen Kulissen. Deine Haare sind so lang, du lachst viel. Du scheinst auch viel Sport zu machen, denn deine Taille ist so schlank, deine Arme so definiert. Du musst selbstbewusst und glücklich sein, wenn du solche Bilder hochlädst. Ich bin so eifersüchtig auf dich, ich könnte mich auch so wohl in meinem Körper fühlen, so zierlich sein, so feminin.
b) Freunde erzählen von Bekannten und alten Freunden von früher. Naja, “von früher”. Abitur ist erst 3 Jahre her, aber es fühlt sich an wie eine Ewigkeit. “Ein Glück” denk ich mir. Schulzeit war grauenvoll, ich hatte immer gute Noten und nie Probleme mit dem Stoff, dafür aber mit den Leuten und mir selbst. Schule war grauenvoll und ich denke an Abende zurück, an welchen ich weinend einschlief und Morgende, an welchen ich mit Bauchweh aufstand. Für dich war Schule schön, du bist noch mit vielen in Kontakt sagst du, ihr seid immer noch eine große Freundesgruppe. Ein paar zogen weg, der ein oder andere ist raus aus der Gruppe, aber Freunde seid ihr geblieben, zu Geburtstagen trifft man sich gerne. Ich freue mich für dich, ich tue es wirklich. Das muss sich schön anfühlen, du musst sehr glücklich mit deinem Umfeld sein. Ich bin so eifersüchtig auf dich, ich hätte auch so eine Clique haben können.
c) Jedes halbe Jahr wenn das Semester losgeht planen wir unsere Stundenpläne. Meist ist es ernüchternd, so fühlen wir uns (ein Glück) alle. Man kehrt zurück in das Gebäude was alle zu hassen scheinen, dabei ist es wirklich sehr schön. Von außen.
Auf dem Gang begrüßt man seine Kommilitonen die man niemals als “Kommilitonen” bezeichnen würde sondern immer “Freunde” nennen muss, denn so soll es ja in der Uni sein. Man unterhält sich über die Prüfungen aus dem vergangen, die Kurse aus dem kommenden Semester. Du sagst du bist in 2 Semestern fertig, der Gedanke an die Bachelorarbeit mache dir schon Sorgen. Wir haben gemeinsam angefangen zu studieren, ich aber weiß noch nicht wann ich meine Bachelorarbeit wirklich werde schreiben dürfen. Ich bin so eifersüchtig auf dich. Ich hätte auch schon nächstes Semester fertig sein wollen.
d) Wir kennen uns noch aus der Schulzeit und du wolltest immer hoch hinaus, so wie ich. Deswegen fragtest du mich immer nach meinen Lösungen zu den Hausaufgaben, aber sprachst nicht über deine. Du wolltest uns vergleichen habe ich mir immer gedacht. Jetzt sehe ich wo du dich engagierst, höre wo du warst, wo du lebst, was du machst. Es klingt beeindruckend. Du bist 21 aber hast einen Lebenslauf der beeindruckend scheint. Du bist so glücklich sagen alle und ich gönne es dir. Aber ich bin so eifersüchtig.
e) Du bist weggezogen, lebst in einer anderen Stadt. Hast neue Leute kennengelernt und die sind aufregend und intelligent. Sie sind so anders als die Menschen, die wir noch von hier kennen. Du bist so gewachsen und so intellektuell, deine Freunde machen Praktikum im Silicon Valley und ihr redet über KI. Manchmal betrinkt ihr euch auch einfach nur, aber danach entwickelt ihr den nächsten Business Plan. Alle sind irre sympathisch, alle wirken so unfassbar normal. Ich bin so eifersüchtig auf dich, ich könnte auch ein Umfeld haben was mich so herausfordert und vorantreibt.
Ich bin so eifersüchtig und so wütend. So wütend auf mich, weil ich so eifersüchtig bin. Denn wenn es ein Gefühl gibt, welches nicht nur toxisch für einen selbst aber auch für alles andere ist, dann ist es die Eifersucht. Denn Eifersucht motiviert nicht, sie macht einen nicht besser, sie hilft nicht die Ziele im Auge zu behalten. Eifersucht bringt Verbitterung, sie zerstört die Motivation, das Selbstbewusstsein und die Nächstenliebe. Ich will nicht eifersüchtig sein, ich bin froh, dass du hast was du hast. Es wird vieles geben, was ich nicht von dir weiß. Weder den Preis den du dafür gezahlt hast das zu haben, was du hast, noch von den Hürden die du durchlebst. Ich weiß nicht auf wen oder was du eventuell eifersüchtig bist. Ich weiß nur dass ich nicht eifersüchtig sein will. Ich will nicht bitter sein. Ich will stolz auf mich sein und positiv denken, ich will Stärke daraus ziehen und stark sein. Ich möchte dich anschauen und denken “Das ist toll!” und mir nicht denken “ich könnte das auch haben” sondern selbstsicher sagen “ich kann das auch haben!” und akzeptieren wenn dies nicht der Fall ist in dem Moment, ohne mich deswegen schlecht zu fühlen.
Ein Vergleich mit anderen ist meistens sinnlos, denn es hilft einem nicht weiter. 8 Milliarden Menschen, tausende von Kulturen, Millionen Meinungen über richtig und falsch. “Das Leben ist kein Wettrennen, bei dem es darum geht zu bestimmten Zeitpunkten bestimmte Dinge erfüllt zu haben” sagte ein enger Freund (auf den ich übrigens auch häufig eifersüchtig bin). Aber es stimmt und ich weiß dass er es so meint, wie er es mir sagt. Ich weiß dass er nicht einfach irgendjemand ist, der mir gut zusprechen möchte. Und auch ich würde ihm das gleiche sagen, denn ich bin von der gleichen Sache überzeugt.
Ich werde häufig eifersüchtig. Ich weine dann, ich fühle mich schwach und als würde ich nichts im Leben erreichen von dem, was ich gerne erreichen würde, ohne zu wissen was genau das ist. Ich werde eifersüchtig und dann sauer, weil ich mich vor mir selbst ekle weil ich nicht eifersüchtig sein möchte. Doch irgendwann schöpfe ich daraus Kraft. Ich höre auf diese brennende Eifersucht zu fühlen und fange wieder an mir zu vertrauen. Denn wo ich bin, ist es gut. Und wenn es das nicht ist habe ich die Kraft und die Möglichkeiten etwas zu verändern. Manche Dinge im Leben brauchen Zeit, machmal muss man geduldig sein, vertrauen haben und Zeit nehmen, Vertrauen aufzubauen.
Zufriedenheit ist nicht ein Bild in Bikini auf Instagram, nicht die Freunde von vor 10 Jahren, kein Uniabschluss zwei Semester früher oder später. Zufriedenheit passiert im Kopf, glücklich sein ist etwas persönliches und individuelles. Was du hast, das könnte ich auch haben. Aber viel mehr, möchte ich meine eigenen Ziele erreichen. Ich kann und ich werde.



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