BABY

Dinge für die man als Eltern selten bis gar keine Zeit hat

Das Tochterkind ist letztens für einige Tage bei den Großeltern gewesen; Urlaub machen, während Mama und Papa viele wichtige Termine haben, durch die Gegend fahren mussten und teilweise auch in Hotels übernachten, sodass es für das Töchterlein zu stressig und vor allem viel zu langweilig gewesen wäre.
Ein Segen sind daher die Großeltern, die das Kind sehr gerne für knapp 2 Wochen betüddeln, beschäftigen und bespaßen.
Neben der vielen Arbeit, die auf uns wartet und der vielen Termine, habe ich jedoch ein wenig freie Zeit, um diverse Gedanken zu sortieren und sie mir überhaupt zu machen. Unter anderem fiel mir in den letzten Tagen ein paar Dinge ein, zu denen wir, seit wir Eltern sind, selten bis gar nicht mehr kamen, weil sich schlicht und ergreifend die Prioritäten verschoben haben. Ich sage auch bewusst Prioritäten, denn an Zeit mangelt es letztendlich nicht, die kann man sich irgendwie freischaufeln. Anderes ist einfach nur wichtiger geworden – das Kind.

Spontan ausgehen

Spontan entscheiden, dass die Küche kalt bleibt und heute spät ausgegangen wird, ist nicht immer möglich, denn die Vorraussetzungen müssen stimmen: Gibts einen Babysitter? Hat sie/er Zeit? Spontan Zeit?? Jetzt?? Oft haben Babysitter auch noch ein Privatleben (say what??) und sind nicht mal eben in 30 Minuten zur Stelle und halten den spontan ausgehen wollenden Eltern den Rücken frei. Leider nein.

 

Spontan entscheiden, erst bei Sonnenaufgang nach Hause zu gehen

„Man soll nach Hause gehen, wenns am schönsten ist!“ Ich gehe stark davon aus, dass dieser Spruch von Eltern mit jungen Kids kommt, die einen Babysitter zuhause warten haben. Spontan entscheiden, ob der Abend statt um 23:00 Uhr erst nach dem Frühstück auf dem Fischmarkt endet, ist leider nicht immer möglich. Oder mit immensen Kosten verbunden, denn irgendwer muss dem Babysitter die Nacht auf der Couch bezahlen…

 

Ausgehen, sich betrinken und am nächsten Morgen in Ruhe auskatern?

LOL. Sorry, Kinder machen kein Wochenende. Kids stehen am Wochenende gerne mal noch früher auf, als unter der Woche und einer von den Eltern sollte halbwegs frisch sein, um sie zu entertainen.
Die Frage, die man sich jedoch generell stellen sollte: Muss das sinnfreie Betrinken sein?
Aber wer nicht „im Training“ ist, der ist auch schnell mal nach 3 Glas Wein am nächsten Morgen total hinüber…

 

Grundlos feiern!

Grundlos feiern? Das hat man in seiner Jugend gemacht. Donnerstags, Freitags und Samstags ging ich aus, in die Disco und feierte. Ich feierte, weil ich es kann. Und vor allem, weil ich es jedes Mal nach der Donnerstagsfeierei schaffte, Freitags pünktlich wieder in der Schule zu sitzen. Als Teenager und junge Erwachsene haben wir das Leben gefeiert. Uns und einfach so irgendwas. Es brauchte keinen Grund. Als Erwachsener, als Eltern brauchste einen Grund! Aber sowas von einen. Und den schreibt man gefälligst ausführlich auf die schriftliche Einladung oder in die Facebookveranstaltungsgruppe, die übrigens mindestens einen, besser 1,5 Monate vor der Veranstaltung erstellt wird, und denkt über ein Kinderbetreuungsangebot für alle Gäste und deren Nachwuchs nach… Denn entweder ist die Party von 16:00 bis 20:00 Uhr mit Kindern oder ab 19:00 Uhr mit Ende offen (LOL) ohne Kinder. Aber 40% der eingeladenen Gäste kommen eh ohne Partner, weil einer ja die Kids ins Bett bringen muss, denn der Babysitter ist last minute abgesprungen (oder befindet sich derzeit im Auslandssemester).

 

Die Nächte durchmachen

Dieser Punkt kann verwirrend sein, denn mit Babies macht man oftmals die Nächte durch. Ich meine jedoch freiwilliges Durchmachen mit Serien bingen, Computerspiel zocken oder einen ordentlichen Filmmarathon machen. Freiwillig zu entscheiden, dass man nicht schlafen will ist nochmal etwas völlig anderes, als ein nicht schlafen könnendes Baby, was jeden im Umkreis gegen den eigenen Willen wach hält.

Ausschlafen

Was Ausschlafen ist, habe ich in den ersten Monaten als Mom völlig vergessen. Ich konnte mich beim besten Willen nicht mehr an das Gefühl von erholsamen Schlaf erinnern… geschweige denn das Gefühl von ausgeschlafen zu haben. Als ich es das erste Mal wieder tun konnte, weil wir bei den Großeltern zu Besuch waren, schlief ich fast einen ganzen Tag durch. Besser als Sex und Schokolade zusammen! Schlafentzug ist nicht ohne Grund auch eine Foltermethode :)

 

Eine Tüte Süßigkeiten, 3 Tafeln Schokolade und/oder 2 Tüten Chips gelten als vollwertige Mahlzeit!

Ja! Nein. Aber es ist ultrageil, einen ganzen Tag nur Unfug zu essen, auf dem Sofa zu liegen und Serien zu bingen. Vielleicht hat man abends um 18:00 noch immer den Schlafanzug nicht ausgezogen, die Haare gekämmt oder geduscht. Geil ist das. Aber natürlich in keinster Weise vorbildlich, auf Dauer nicht gesund und für ein Kleinkind, dass gerade dabei ist seine Geschmacksnerven zu entfalten, völlig irritierend und alles andere als optimal. Darüber müssen wir nicht diskutieren.
Aber ab und an tut so ein Tag oder vielleicht auch nur ein Nachmittag in der Horizontalen, mit Chips und Schokolade zu verbringen und auf seinen Job als Vorbild mal kurz zu pfeifen.

In Ruhe aufs Klo gehen

Das Interesse für Mama und Papa auf dem Klo geht bei jedem Kind anders los, verliert sich zwischendurch mal und kommt dann urplötzlich wieder. Emma ist 2 1/2 Jahre alt und gerade sehr interessiert daran, uns zuzuschauen oder gerade dann an der Tür zu stehen und Fragen zu stellen, wenn man beschäftigt ist, was manchmal dezent stören kann… nein, eigentlich immer.

 

Chillen

Kleine Kinder können und wollen nicht chillen. Chillen macht in ihren Augen offensichtlich gar keinen Sinn und ist völlig unnötig. Während wir Erwachsenen vieles in unserem Tagesablauf darauf auslegen, uns möglichst viel entspannen zu können, denken Kids da völlig anders. Ihnen reichen ein paar Minuten Mittagsschlaf, um die Batterien bis zum Anschlag wieder aufzuladen und erwarten von uns Großen, dass wir mithalten.

 

Vereinbarkeitswahnsinn?

„Holst du die Kleine aus der Kita ab?“, „Gehst du zu dem Event und ich bringe sie Abends dann ins Bett? Oder wie machen wir das?“, „Denk dran, Termine nur zwischen 9:30 und 15:30!“… Familie und Job unter einen Hut zu bekommen, ist anstrengend. Selbstständig zu arbeiten und die Familie unter den kleinen Hut zu quetschen auch. Tritt dann noch das Worst Case Szenario „Krankheit“ ein, bricht das mühsam aufgebaute Konstrukt von Terminkoordinationen und anderen Planungen schnell zusammen. Familie bedeutet eben auch, flexibel bei der Alltagsgestaltung zu sein und dieser Vereinbarkeitswahnsinn, von dem sie alle twittern oder in den Zeitungen schreiben, wird plötzlich brutale Realität.

 

Letzten Endes spielt das alles aber mal so überhaupt gar keine großartige Rolle, denn dein Kind oder deine Kinder sind dein Ein und Alles. Du liebst sie bedingungslos und vermisst sie schmerzhaft, wenn sie mal mehr als zwei Tage bei der Oma sind… Du tust alles für deine Kids, gehst für sie durchs Feuer, schleppst dich auf dem letzten Loch pfeifend jeden Morgen zur Arbeit und liebst dein Kind jeden Tag mehr, auch wenn es dir Schlaf und Energie raubt. Weil, mal ganz unter uns, wer kann einem zuckersüßen Lächeln am nächsten Morgen noch böse sein, wenn das Kind nachts einfach nicht einschlafen wollte, deinen letzten Nerv strapaziert hat und du über Nacht mindestens 8 Jahre gealtert bist? Und ja, ein wenig bis viel ändert sich dein Leben für sie und auch wegen ihnen. Aber das machst du gerne. Du hinterfragst es gar nicht, du tust es einfach. Weil du für deine Kinder alles tun würdest und weil es sich wie das Natürlichste der Welt anfühlt. Und es auch ist. Emails lassen sich auch Nachts noch beantworten, wenn du nach dem Kindergarten dein Kind zum Ballett begleitet hast und dort halt auch nicht mal kurz wegschauen kannst, weil du sonst einen besonderen Moment verpassen würdest. Dein Kind erklärt dir die Welt auf eine ganz besondere Art, die du dir in deinem erwachsenen Kopf einfach nicht mehr hättest vorstellen können. So wie dein Kind dich braucht, brauchst du dein Kind genauso. Denn wer erinnert dich mit aller Kraft daran, dass vieles sinnfreie in deinem Leben einen großen Platz eingenommen hat, der mit Wichtigerem, Spannenderem und aufregenderen Abenteuern gefüllt werden könnte? Wer, wenn nicht unsere Kinder lassen uns innehalten, unser eigenes Tun und auch Sein überdenken und einen Sinn finden? Oder auch den Unsinn, den viele von uns im Laufe des Erwachsenseins verbummelt haben. Wo ist er denn wohl? Vielleicht beim Impfpass, den ganz Deutschland in regelmäßigen Abständen sucht und mithilfe von Plakaten beworben wird? Vielleicht. Aber für den Sinn des Unsinns brauchen wir keine Plakate – wir haben unsere Kinder.

Aber so sind wir, die Generation Y. Männer wollen und können sich mehr als Väter engagieren und Frauen können und wollen mehr und vor allem weiter im Job kommen. Wir, die zwischen 1980 bis 1999 geborenen Millennials, die Generation Y verändern und hinterfragen alles, womit unsere Eltern groß geworden ist. Und das Thema Vereinbarkeit ist ein großer Punkt dessen. Aber es läuft! Wenn wir auf unser Herz hören. Und auch Vermissen lernen. Pausen sollte man sich gönnen – ob beim Sport, auf der Arbeit oder vom Elternsein. Und wenn man die Hilfe an der Seite hat, ist das alles kein Problem.
Man weiß eben immer erst, wie sehr man etwas liebt, wenn man es mal vermissen darf.

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