Vor einiger Zeit habe ich mich mit ein paar Freunden verabredet um in einen Park in Hamburg zu fahren um spazieren zu gehen und sich einfach ein bisschen zu unterhalten, weil es ein perfekter, sonniger Herbsttag war und es mal etwas anderes ist, als nur in der Uni Mensa gemeinsam Mittag zu essen oder im Studentenwohnheim auf der Couch im Gemeinschaftsraum zu sitzen.
Wir fuhren also gemeinsam vom Hauptbahnhof aus mit der S-Bahn Richtung Ohlsdorf (eine etwas längere Fahrt) und ich schrieb einem Freund eine Nachricht, dass ich mit meinen Freunden unterwegs sei. Er fragte wer alles dabei sei und ich sagte ihm mit welchen drei Freunden ich unterwegs sei. Zurück kam: “Nur Jungs?”.
Ich schaute auf um zu schauen wer auf den Sitzen neben mir saß, als ob ich nicht wüsste mit wem ich gerade unterwegs sei, als hätte ich mich eventuell vertan und erst in dem Moment fiel mir auf: Ja, alle männlich. Keine Frau außer mir dabei.
Dieses Bild was ich vor mir hatte als ich in der S-Bahn hoch schaute und erst da realisierte, dass meine Freunde alle männlich waren, hat mich die letzten Wochen beschäftigt. Es stört mich nicht, aber es wunderte mich. Denn ich dachte über die anderen Freundesgruppen/Cliquen nach, die ich so hatte und dabei viel mir auf: Die meisten meiner Freunde sind männlich und alle “Cliquen” die ich habe sind komplett männlich.
Ich habe weibliche Freunde, aber das sind meistens 1:1 Freundschaften. Es gibt zwar weibliche oder gemischte Cliquen um mich herum, aber da bin ich kein Teil von.
Es ist überhaupt keine bewusste Entscheidung oder eine die ich mit Absicht treffe. Ich spüre für mich keinen wirklichen Unterschied in Freundschaften zu Männern oder Frauen (andere Gender erwähne ich hier bewusst nicht, da sich alle meine Freunde entweder als Frau oder Mann identifizieren), ich denke auch nicht, dass Freundschaften zu Männern einfacher oder besser seien, auch finde ich nicht dass es in Frauencliquen mehr Drama oder Schwierigkeiten gibt, da ich einfach keine Freunde haben die zu Streitereien oder ähnlichem neigen. Es gibt für mich keinen handfesten Grund dafür, dass ich mich immer wieder mit Jungs anfreunde. Es ist auch nicht so dass mich durch einen Sport oder meine Studienrichtung in einem Umfeld befinde, welches sowieso eher männlich geprägt ist und somit die Wahrscheinlichkeit Freundschaften mit Männern zu schließen schlicht und ergreifend höher ist.
Nein, es ist einfach so. Es ist einfach so und ich störe mich nicht daran, freue mich nicht darüber, es ist einfach so.
Und trotzdem ist es ist immer wieder ein Thema. Es ist mir eigentlich so gleichgültig, jedoch ist es trotzdem etwas was mich beschäftigt, weil es immer wieder auffällt. Es fällt mir auf, wenn ich von meinem Wochenende erzähle und vor allem männliche Namen benutze und ich dann mit einem verschmitzen Blick angelächelt werde nach dem Motto “und ist da auch noch mehr passiert?”. Es fällt meinem Freund auf wenn ich nach einer Party am Wochenende überlege wo ich schlafen kann, weil es keine Verbindungen mehr in mein Dorf gibt, und ich fast nur männliche Namen aufzählen kann als mögliche Gastgeber.
Früher habe ich häufig Dinge gesagt wie “ich bin nicht wie andere Mädchen…” weil ich das Gefühl hatte, mich irgendwie rechtfertigen zu müssen. Vor allem vor meinen männlichen Freunden. Als müsste ich mich auf irgendeine Art beweisen und als ob das nur ginge in dem ich mich von meinem eigenen Geschlecht abgrenze. Das möchte ich heute aber gar nicht, ich bin gerne Frau, ich stehe zu meiner Weiblichkeit.
Ich wüsste gerne woran es liegt dass ich mich immer wieder in Jungscliquen wiederfinde, es ist etwas was mich beschäftigt weil es mir auffällt, ich den Grund dafür aber nicht kenne. Ob ich mich genauso damit beschäftigen würde wenn es anders herum wäre, also wenn meine Freundesgruppen vor allem weiblich wären, weiß ich nicht. Vermutlich nicht. Also wieso ist es mir so wichtig einen Grund dafür zu finden, dass es eben nicht so ist? Habe ich das Gefühl ich müsste mich vor anderen rechtfertigen dafür? Wieso?
Es beschäftigt mich obwohl ich das nicht möchte, weil es sich natürlich für mich anfühlt. Weil ich keinen Grund nennen kann. Ich möchte nicht das Gefühl haben einen Grund finden zu müssen. Ob dieses Gefühl es trotzdem tun zu müssen jemals vergehen wird?
Wir brauchen nicht für alles was uns beschäftigt eine Antwort. Und häufig ist es so, dass wenn wir keine Antwort auf etwas finden es ein Zeichen dafür sein kann, dass gar keine benötigt wird, weil dieses Thema keins sein müsste. Würden mich andere Leute auch nicht immer wieder darauf hinweisen oder darauf ansprechen, dann würde mich dieses Thema vermutlich auch nicht so sehr beschäftigen.
Vielleicht nehme ich mir aus diesem Thema ein anderes Fazit mit, als den Grund wieso ich mich immer wieder in Jungsgruppen wiederfinde. Vielleicht sollte mein Fazit einfach sein: Wenn es dir egal ist, dann lass es dir egal sein. Und wenn es andere beschäftigt, kann es sie beschäftigen. Dir aber kann es weiterhin egal bleiben.


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