Ich weiß nicht ob es allen jungen Studenten so geht, aber ich persönlich lerne sehr viele Menschen über die verschiedenste Wege kennen: Die Bekannten von Kommilitonen, Förderprogramme wie Erasmus (Studenten aus anderen Ländern kommen ein Semester an meine Uni um dort ihr Auslandssemester zu absolvieren), in einer Bar, durch Gruppenarbeiten in Kursen.
Und ich muss sagen dass ich das Glück habe, dass es mir nicht schwer fällt mit Leuten ins Gespräch zu kommen, da ich keine Probleme damit habe Leute direkt anzusprechen aber auch weil ich immer ein Thema finde über welches ich mich mit einer Person unterhalten kann. Jedoch muss ich ehrlich dazu sagen, dass es sich dabei meistens um Small Talk handelt. Small Talk fällt mir nicht schwer, ich finde ihn nicht anstrengend und auch nicht nervig, ich genieße Small Talk sogar sehr häufig, dieses unverbindliche und leichte, eine Unterhaltung die nur eins ist: einfache Unterhaltung.
Aber wenn man häufig Leute kennenlernt, dann fühlt sich ein Kennenlern-Small-Talk an wie eine lästige Pflicht, etwas sich ständig wiederholendes mit ähnlichen Inhalten aber unterschiedlichen Gesichtern. Und so passierte es mir auch schon, dass ich mich nicht an Leute erinnern konnte oder sie sich nicht an mich, weile diese Erfahrung der Unterhaltung eine so austauschbare Erinnerung war, dass sie einfach mit einer anderen Erinnerung überschrieben wurde.
Und das möchte ich nicht mehr, wenn ich dir meine Zeit widme und du mir deine, dann möchte ich dass beide Seiten etwas davon mitnehmen. Ich lerne häufig Leute von überall auf der Welt kennen und alles was ich am Ende weiß ist dass sie das Wetter in Hamburg schlecht finden: Oh Überraschung!
Deswegen habe ich angefangen andere Fragen zu stellen und wenn der Gesprächspartner sich darauf einlässt können so wundervolle Unterhaltungen daraus wachsen und auch Grundsteine für eventuelle Freundschaften gelegt werden.
Denn statt immer nur nach dem Wetter zu fragen, könnte man auch diese Fragen stellen:
- Wenn du für den Rest deines Lebens eine Mahlzeit essen müsstest: Welche wäre es?
- Was ist die schönste Eigenschaft der Leute aus deiner Heimat?
- Was war dein Lieblingsessen als du ein Kind warst?
- Hast du dieses Jahr ein Buch gelesen? Wenn ja: Erzähl mir davon!
- Wenn du mit einer anderen Kultur hättest aufwachsen können, welche würdest du wählen?
- Wenn du in einem anderen Jahrzehnt oder Jahrhundert leben könntest, für welches würdest du dich dann entscheiden?
- Hast du dir schon mal gewünscht einen anderen Vornamen zu haben? Wenn ja, welchen?
- Was wurde dir beigebracht, was du gerne weitergeben würdest wenn du könntest?
- Welche Frage würdest du gerne gestellt bekommen?
- Welche Frage würdest du gerne beantwortet bekommen?
Für mich ist es wichtig keine dieser Fragen zu ernst zu nehmen und das meinem Gegenüber auch zu vermitteln. Es ist kein Test, ich versuche nicht deine Lebensgeschichte aus dir herauszukitzeln (es sei denn du möchtest sie mir erzählen), ich will einfach nur etwas von DIR wissen, etwas was mir nicht jeder sagen könnte. Ich möchte mich gerne an dich erinnern und wenn wir uns wiedersehen sagen können, dass ich nicht nur deinen Namen kenne, sondern auch die Person die ihn trägt (ein wenig) habe kennenlernen dürfen.



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