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Drückende Schuhe und das eigene Wohlbefinden

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Während ich Emma morgens die Schuhe anziehe, um sie zur KiTa zu bringen, schweifen meine Gedanken kurz ab und ich denke über ihre Schuhe nach; dass sie so wahnsinnig bequem sein müssen und ich seit Anfang an größten Wert darauf lege, dass ihre Schuhe bequem und komfortabel sind. Bei jeglicher Beschwerde, es würde hier oder da drücken, gebe ich mir größte Mühe, dass es geändert wird und sie keine drückenden Schuhe hat. Gleiches gilt für ihre Kleidung. Kratzende Zettelchen werden rausgestrennt, unbequeme Pullis aussortiert und kneifende Buxen ebenso.

Der Gedanke hat sich in meinem Kopf verhakt und ich dachte den ganzen Tag darauf herum, ohne dass ich genau wusste, wohin mich meine Gedanken bringen werden oder warum es mich eigentlich so beschäftigte. Bis ich abends mit Jakob auf der Couch saß, das Tochterkind war schon lange im Bett, ich nippte an meinem Glas Wein und endlich konnte ich meine Gedanken ausformulieren: Als Kind war es so, dass uns einfach nix gestört hat. Oder stören musste. Entweder sorgten Mama und Papa dafür oder es hat uns schlichtweg einfach nicht gestört. 5Kg Sand in den Schuhen? Kein Problem. Steinchen im Schuh? Wurde einfach ignoriert oder in den vorderen Teil geschüttelt. Drückende Schuhe? Gab es einfach nicht. Wenn ich heute überlege, dass ich mich oft einen Abend lang in ein Kleid quetsche und kaum atmen kann, weil es so eng ist oder ich vor Schmerzen kaum laufen kann, weil die viel zu hohen Schuhe immens drücken, muss ich mich über mich selbst wundern… Es gibt Schuhe in meinem Schuhschrank, die ich nur ein Mal trug, weil sie an den Füßen schmerzen oder direkt Blasen verursachten. Oder ich sie nur tragen kann, wenn ich vorher den einen Zeh und die Fersen mit Pflaster umwickle, damit ich mir keine Blasen laufen werde. Warum tue ich mir das an, während ich gleichzeitig alles daran setze, dass meine Tochter es bequem hat? Und auch jedem anderen den Rat gebe, dass wenn ein Kleidungsstück drückt, irgendwas nicht ganz richtig ist.
Und dann fragte ich mich: Wann kam eigentlich der Moment, in dem unsere Schuhe plötzlich gedrückt haben? Bzw. wann haben wir es zugelassen? Wann haben wir für uns festgelegt, dass wir lieber Schmerzen und Unannehmlichkeiten akzeptieren und unser Wohlbefinden hinten anstellen?

Wo drückt denn der Schuh?“ bekommt an dieser Stelle eine ganz eindeutige Bedeutung. Und eigentlich trifft es nicht nur auf Schuhe zu… Wann kam der Moment, ab dem uns unser eigenes Wohlbefinden egal war? Der Moment, in dem wir das Wohl anderer, die Bedürfnisse anderer komplett über unsere eigenen Stellen? Und damit meine ich nicht die Familie, für die wir alle ohne Frage durchs Feuer gehen würden. Aber wann kam der Moment, in dem wir den Schuh einfach haben drücken lassen? Ihn teilweise sogar noch enger schnürten?
Wann haben wir zugelassen, dass aus einer Freundschaft eine Dienstleistung wurde und wir nur noch dazu gebraucht wurden, die Weste anderer wieder rein zu waschen, um danach Links liegen gelassen zu werden? Wann passierte es, dass eine Freundschaft dazu genutzt wurde, das eigene Image wieder aufzupolieren?
Wann ließen wir zu, dass eine Liebesbeziehung ein einseitiges Flehen um Aufmerksamkeit wurde?
Wann haben wir angefangen, die sexistischen Kommentare des Arbeitskollegen mit einem freundlichen Lächeln abzutun? Sie hinzunehmen. Wann?

„Love it, change it or leave it“ ist das Motto, nach dem ich gerne lebe. Und wenn du deine Situation nicht änderst, sondern so lässt, dann beschwer dich auch nicht! Ganz einfach.
Der drückende Schuh kann so vieles sein. Und letztendlich gibt es keinen Grund, den drückenden Schuh weiter tragen zu müssen, wenn er uns so viel Unwohlsein beschert.

Ich habe mir damals vor meinem 30. Geburtstag für ein paar Dinge ein Ultimatum gesetzt, ich wollte mich von Dingen befreien, die mich unglücklich machen und mein Wohlbefinden, mein eigenes Glück wieder auf der Prioritätenliste nach oben schieben. Das Leben ist zu kurz, um sich selbst zu quälen, auf eine Warteliste zu setzen oder ein bestimmtes Paar Schuhe nur mit einer Ladung Pflaster tragen zu können.
Ich fertigte damals vor über einem Jahr das erste Mal zwei Listen an: eine Happy Liste mit Dingen, die mich glücklich machen und an denen ich Spass habe und eine Sorgen Liste, die – wie der Name schon sagt – alles aufzählt, was mich bedrückt oder für Unwohlsein sorgt. Damals war die „Sorgen Liste“ ziemlich lang. Erschreckend lang. Ich gab mir selbst die Chance, negative Punkte in positive umzuwandeln, sollte ich es nicht schaffen, muss ich mich davon trennen – love it, change it or leave it. Ob nun eine eigene negative Angewohnheit, eine toxische Freundschaft oder eine Lebenssituation – für alles gibt es Lösungen, sie von der „Sorgen Liste“ auf die „Happy Liste“ zu setzen.

Alle paar Monate setze ich mich in einem seltenen, ruhigen Moment hin, schaue mir die letzten Listen an, sehe die Änderungen und spüre, was die Veränderungen mit mir gemacht haben und schreibe zwei neue Listen. Es ist ein guter Weg, sich mit sich selbst, seinen Gefühlen und Bedürfnissen auseinander zu setzen. Greifbar zu machen, was in unserem Herzen vorgeht und was uns gerade glücklich, bzw. unglücklich macht.
Wichtig ist: Schreibe nicht Dinge auf die Happy Liste, von denen du vermutest, dass sie dich in Zukunft glücklich machen werden oder die du tun solltest, weil du irgendwo gelesen hast, dass dies und jenes glücklich machen kann, sondern was dich wirklich gerade jetzt glücklich macht.

Als Beispiel gebe ich euch mal einen Auszug aus meinen Listen:

Happy Liste:

  • lange schlafen
  • Mittagsschläfchen
  • Salzlakritz
  • Lakritz generell <3
  • die neue Badewanne
  • meine Pflanzen und wie herrlich sie gedeihen
  • Kuschelabende auf der Couch
  • neue Tattoo Termine

Sorgen Liste:

  • Krank sein
  • keine Zeit für Me Time
  • Hektik und Zeitdruck
  • unsinnige Lästereien und böses Blut
  • zu wenig Schlaf

Täglich etwas von der Happy Liste zu tun, ist ein Instant Booster fürs Wohlbefinden. Dinge von der Sorgen Liste zu vermeiden, ein no-brainer, aber nicht immer machbar. Jedoch hilft die Liste, sich auf die Ursachen zu fokussieren und an ihnen zu arbeiten, sie zu ändern oder komplett den Ursachenherd zu beseitigen. Hängen Punkte zusammen? Führen diverse Punkte zu anderen Punkten auf der Liste? Was kann die Ursache sein? Und wenn die Ursache beseitigt ist, fallen dann auch die Punkte auf der Liste weg? Das sind alles Fragen, die einem helfen, die Liste zu sortieren und somit sein eigenes Wohlbefinden wieder auf Prio 1 zu setzen.

Und was die drückenden Schuhe angeht: Entweder investiert ihr noch ein wenig Energie, Zeit und Geld und bringt sie zum Schuster oder werft sie endlich aus dem Haus.

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13 Comments

  • Reply
    Ivy
    8. Mai 2017 at 18:38

    Danke für den Artikel und für den Reminder, mir Lakritz aus der Vorratskammer zu holen. Ich habe in der Schwangerschaft angefangen alles unbequeme, egal ob Schuhe, Kleidung, Menschen oder Einstellungen aus meinem Leben zu verbannen. Und ernsthaft, bequeme Schuhe sind der Hammer! <3

    • Reply
      Anna Frost
      8. Mai 2017 at 18:48

      ich lernte in der schwangerschaft, wie bequem crocs sind und wollte sie nie mehr ausziehen. ich glaube, für viele ist die schwangerschaft ein punkt im leben, um drückendes auszusortieren… bzw in sich zu gehen und zu überlegen, was für einen selbst wichtig ist.

  • Reply
    Nina
    8. Mai 2017 at 19:38

    Ich kann mich dem nur anschließen. Bei mir war die Schwangerschaft auch ein Wendepunkt bzw. hat diesen „Sortierprozess“ verstärkt/beschleunigt.
    Und Lakritz ist ebenfalls ein großer Punkt auf meiner happy list. :-)

  • Reply
    Lena
    8. Mai 2017 at 20:05

    „Wann kam eigentlich der Moment, in dem unsere Schuhe plötzlich gedrückt haben? Bzw. wann haben wir es zugelassen? Wann haben wir für uns festgelegt, dass wir lieber Schmerzen und Unannehmlichkeiten akzeptieren und unser Wohlbefinden hinten anstellen?“ liest sich so, als würde Carrie es bei Sex and the City vorlesen:D toller Text ( auch der Rest) und tolle Idee mit den Listen :)

    • Reply
      Simone
      9. Mai 2017 at 10:19

      Da möchte ich mich gerne anschließen, hab da auch Carries Stimme im Ohr gehabt… :)

    • Reply
      Regi
      25. Mai 2017 at 18:51

      Stimmt! Da schließe ich mich auch an :)

  • Reply
    Lara
    9. Mai 2017 at 16:26

    Und was, wenn etwas was einem Unwohlsein bereitet, nicht zu ändern ist? Weil es beispielsweise die Familie des Partners ist, weswegen der Schuh drückt?
    Ich wünschte, alles wäre so einfach zu lösen, wie sich eine Stange Lakritz zu holen <3

    • Reply
      Anna Frost
      10. Mai 2017 at 10:00

      es hat sehr lange gedauert, bis ich feststellte, dass viele meiner punkte auf meiner Sorgen Liste mit einer einzigen person zusammen hingen und mich diese Beziehung zu dieser Person unglücklich gemacht hat.
      Viele Dinge lassen sich nicht einfach mit einer handvoll lakritze lösen. aber es hilft, beim schnabulieren darüber nachzudenken, was denn die ursache der sorgen sein kann.
      bisher gibt es in meinem leben 2 personen zu denen ich den kontakt abbrach und es mir besser geht, denn je. das ist aber ein schwieriger weg und ist auf keinen fall leicht.
      vielleicht suchst du das gespräch mit deinem partner und erzählst ihm von deinem kummer mit dieser person aus seiner familie. angeheiratete familie ist immer ein besonderer fall – man ist nicht blutsverwandt, aber hat doch eingeheiratet und sie quasi ausgesucht. vielleicht ist diese person einfach von grund auf „schwierig“ oder es steht ein missverständnis im raum, welches dir nicht bewusst war?
      alternativ würde ich das gespräch mit der person suchen und sie ganz einfach fragen, was sie meint, was denn da zwischen euch seltsames vorgeht. oft wirkt ein simples gespräch wahre wunder. ich drück dich <3

  • Reply
    Tanja
    9. Mai 2017 at 22:20

    Super Text. Ich bin leider schon lange nicht mehr dazu gekommen, deine Blogs in Ruhe zu lesen, aber das wird sich jetzt wieder ändern :) Fakt ist, dass dein Blog oder eben auch deine Vlogs definitiv zu meiner Happy Liste gehören! <3 Weiter so, liebe Anna!

    (Zu den drückenden Schuhen noch: Ich finde leider fast keine Schuhe die mich nicht irgendwo drücken. Leider auch sie schönen Crocs, die du auf soviele von deinen Letzten IG-Fotos anhast. Hast du evtl noch einen Schuh-Tipp?)

  • Reply
    Julia
    10. Mai 2017 at 16:15

    Sicherheit.
    Deswegen hat haben wir angefangen den drückenden Schuh zu akzeptieren. Wenn wir überlegen ihn loszuwerden, fallen wir und wissen nicht wohin, daher ist es sicherer ihn anzubehalten und zu akzeptieren. Es ist nicht mehr so einfach loszulassen, etwas zu beenden oder umzukrempeln.
    Angefangen zu merken das er überhaupt drückt haben wir, als wir uns selbst bewusst wurden. Wir sind jetzt wer, haben etwas erreicht, cceine soziale Infrastruktur aufgebaut, können uns gut leiden oder eben nicht. Auf jeden Fall sind wir uns selbst bewusst.
    Lasst euch also fallen und lasst euch überraschen, denn wir sind selbstbewusst.

    • Reply
      Anna Frost
      12. Mai 2017 at 9:00

      sehr schön gesagt!

  • Reply
    Eva Marie
    10. Mai 2017 at 20:58

    Anna, ich habe in letzter Zeit ähnliches gedacht wie du. Warum tut man seinem Körper so viele Dinge an, die nicht gut für ihn sind? Ich bin für mehr Selbstliebe, Aufmerksamkeit und bequem Schuhmomente, denn schön sind wir auch in Birkenstocks, selbst mit Socken darin.

  • Reply
    Kamila Cordes
    14. Mai 2017 at 7:46

    Toller Beitrag 👀🤘
    Respekt für deine Art zu schreiben, ich lese immer wieder und sehr gerne bei dir rein. Viele Grüße von Kamila

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