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„Du bist eine zweite Anna Frost.“

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So vor einigen Wochen ein Kommentar unter einem meiner Instagram Bilder. Als erstes gingen mir Anna und Elsa durch den Kopf und „Let It Go“ ertönte vor meinem geistigen Ohr. Das muss an meinem Job im Kindergarten liegen. Wenn mich nun also jemand mit jemand anderem vergleicht, muss ich herausfinden, wer dieser jemand ist. Sofort.

Als bekennende Googlerin tippte ich also „Anna Frost“ in das Suchfeld ein. Modebloggerin? TV Girl? Wow. Sogar ein Wikipedia Eintrag. „Anna Frost is a German fashion blogger and influencer.“ Influencer wollte ich ja auch schon immer mal werden.

Auf Instagram geht die Recherche weiter. Über 60 Tausend Abonnenten und ein blau-weißes Häkchen-Symbol. Meine Güte. Und sehr hübsch sieht sie aus, diese Anna. Hübsch und natürlich. Der Kommentar unter meinem Beitrag könnte also durchaus als Kompliment gemeint sein. Ich freue mich und hinterlasse ein paar Worte unter Annas Bild:

„Heute schrieb mir eine Abonnentin, daß ich sie an Dich erinnere. Da ich nicht weiß, wer Du bist, bin ich jetzt hier.“ Ob ich ihr folgen soll? Klar. Zack. Wenige Minuten später die Antwort: „Da stellt sich jetzt folgende Frage: optische Ähnlichkeit oder meint sie den Charakter oder den Humor oder … ? Bin gespannt, was es wohl ist.“ UND: EIN ABO! Diese großartige und anscheinend sehr bekannte Bloggerin hat MICH gerade abonniert! Unglaublich! Geilo!

"Du bist eine zweite Anna Frost."

„Du bist eine zweite Anna Frost.“

Seitdem verfolge ich Annas Blog fafine.de regelmäßig und im Grunde meines Herzens hätte ich gern einen eigenen Blog. Leider weiß ich aber ziemlich genau, daß mir dafür mit einem Haupt – und einem Nebenjob sowohl die Zeit, als auch das technische Know-How dafür fehlt. Umso glücklicher war ich, als Anna mir eines Abends schrieb: „Hey, ich suche immer Mädels, die Bock aufs Schreiben haben.“

Bock aufs Schreiben? NATÜRLICH hab ich Bock aufs Schreiben! So war es. Das ist es. Deshalb bin ich hier.

Tephora ist ein persönlicher Gastblog. Hier schreibe ich in einem bunten Mix über alles, was mich beschäftigt. Ein Blog wie eine gemischte Tüte vom Kiosk. Mit Lakritz.

Und ich? Ich bin Steffi, Wannabe-Influencer, wortliebende Gastautorin und … eine Mimose. Echt jetzt.

Mimosengewächse reagieren stark auf äußere Reize wie Erschütterung, Temperaturschwankungen oder Lichtveränderungen. Aus diesem Grund wird der Begriff Mimose methaphorisch gerne für einen sehr empfindlichen Menschen verwendet. Zumindest sieht sie ganz hübsch aus, diese schamhafte Sinnpflanze. Immerhin.

Es gibt empfindlichere Menschen und weniger empfindliche. So ist das nun mal.

„It is both a blessing and a curse to feel everything so very deeply.“ So habe ich es kürzlich noch auf Instagram gelesen. Fluch und Segen. Freude und Last.

Gehört man nun selbst in die Kategorie der empfindlicheren Menschen – zu den Mimosen also – stößt man damit nicht immer auf Verständnis.

„Stell Dich nicht so an.“

Als eher robuster Mensch kommt man meist gar nicht auf die Idee, daß es auffällig sensiblere Menschen geben könnte und findet verschiedene Verhaltensweisen vielleicht sogar befremdlich. Zum Beispiel, daß jemand meistens als Erster die Party verlässt. Oder nach der Arbeit nicht mit zum Shoppen kommen will und Telefonieren nicht leiden kann. Oder einmal erlebten Liebeskummer jahrelang mit sich rumträgt.

Sensible Menschen nehmen sich Dinge mehr zu Herzen, Geräusche sind lauter, Gerüche intensiver. Im Trubel, Rauch und Lärm einer Party fühlt sich der sensible Mensch oft nur mittelwohl und ist ständig zwischen Rückzugs- und Kontaktbedürfnissen hin und her gerissen.

Die Shoppingtour nach Feierabend kann sich da mit all ihren visuellen und akustischen Reizen schon mal so anstrengend anfühlen wie eine 24-Stunden-Schicht als Taxifahrer, wenn die Bahn streikt. Und nicht selten fängt die Mimose an, an der eigenen Normalität zu zweifeln. Warum überfordert mich, was anderen Spaß bereitet? Was stimmt mit mir nicht?

Warum ich das jetzt aufgeschrieben habe? Weil es sie gibt – diese Mimosen mit der übersteigerten Wahrnehmung. Und ich zähle mich dazu. Zu den Menschen, die die Hektik des modernen Lifestyles mit all seinen Reizüberflutungen nicht immer nur genießen, sondern hin und wieder auch ertragen. Die, deren Verhalten man nicht selten missversteht, weil man selbst so ganz anders tickt. Diese „zart Besaiteten“, die sich manchmal nur ein wenig mehr Nachsicht für ihre Bedürfnisse wünschen.

Und weil ich es für wichtig halte, zu erkennen, ob man nicht vielleicht selbst zu den Exemplaren der Mimosengewächse gehört. So kann man eigene Grenzen früher erkennen und sich Pausen gönnen, um sich nicht früher oder später in einem Burnout-Syndrom wiederzufinden.

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Rose oder Mimose? Das ist also die Frage.

Bei der Suche nach der Antwort findet man im Internet übrigens viele Informationen zum Thema Hochempfindlichkeit.

Gebt auf Euch Acht.

Eure Mimose Steffi

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22 Comments

  • Reply
    Vanessa Schön
    15. November 2016 at 12:28

    Ich bin gespannt, was in der Tüte noch so drin ist. Nebenbei bemerkt: Hochinteressantes Thema, diese Hochsensibilität! Als Mutter und Teilzeit-Mimose mit zwei hochsensiblen Kindern beschäftigt mich das nicht wenig und ich freue mich immer, wenn jemand das von sich selbst sagen mag und es aus der „Nische“ rausholt in der es leider vor sich hindümpelt. Das gibts. Das ist keine Einbildung. Das ist nicht „unnormal“. Freue mich frauf, mehr von dir zu lesen, Vanessa

    • tephora
      Reply
      tephora
      16. November 2016 at 19:33

      Liebe Frau Piepenkötter …
      danke schön für Deinen herzlichen Empfang hier auf fafine.de.
      Ich finde es großartig, daß Du die Hochsensibilität Deiner Kinder erkannt hast … ein großes Glück für ihr weiteres Leben!
      Ganz liebe Grüße.
      Steffi

  • Reply
    Selina
    15. November 2016 at 12:31

    Liebe Steffi, danke dafür. Ich zähle mich ebenfalls zu den Mimosen und es hat gerade sehr gut getan, sich zu erkennen und jemand anderen die Worte finden zu sehen, nach denen man selbst manchmal ringt.

    • tephora
      Reply
      tephora
      16. November 2016 at 19:27

      Liebe Selina …
      falls Du das Buch „zart BESAITET“ von Georg Parlow noch nicht kennst, könnte es eine Bereicherung für Dich sein.
      Dankeschön für Deinen berührenden Kommentar.
      Liebe Grüße.
      Steffi

  • Reply
    Daniela
    15. November 2016 at 12:49

    Liebe Mimose… äh, Steffi,
    es ist schön von anderen Menschen zu lesen, die auch so ein bisschen anders sind. Ich freu mich auf weitere Beiträge von dir :)
    Liebe Grüße
    Daniela
    PS: jetzt musste ich doch von instagram erfahren, dass du in Dortmund verwurzelt bist… Ja, ja, dat Ruhrpottleben! Schöne Grüße aus dem Nachbarort…

    • tephora
      Reply
      tephora
      16. November 2016 at 19:23

      Liebe Daniela …
      danke schön für Deine netten Worte.
      „Anderssein“ kann eben auch eine Bereicherung sein.
      Liebe Grüße aus dem Ruhrpott in den Ruhrpott.
      Steffi

  • Reply
    Svenja
    15. November 2016 at 13:18

    Danke für diesen tollen Beitrag! Es gibt so viele Menschen, denen gar nicht bewusst ist, dass es Menschen wie uns (ich zähle mich auch dazu – was wirklich ein Fluch und ein Segen ist) gibt. Für mich war es damals sehr beruhigend zu wissen, dass man nicht alleine ist. Dass es anderen genauso geht wie mir selbst. Aber dennoch eher selten. Wenn keiner versteht, warum man sich wochenlang nicht meldet, weil man einfach Ruhe und Zeit braucht. Oder wenn man die eine Woche am liebsten jeden Tag ausgehen würde – nur um dann in der nächsten Woche vorsorglich alle Verabredungen zu canceln. Wenn man sich nicht entscheiden kann, in welches Lokal man geht, weil es darf nicht zu laut, leise, eng, weitläufig, geruchsempfindlich, etc. sein. Bei mir sind es insbesondere Gerüche und die das Gefühl für die Stimmungen anderer Menschen, die mir das Leben schwer machen – manchmal aber auch sehr erleichtern. Ich teile dieses Geschenk mit meiner Mutter, und mit ihr kann ich sehr gut darüber reden. Vor allen anderen behalte ich es meist lieber für mich, weil viele es nicht verstehen können. Trotzdem finde ich es super, das Thema hier anzustoßen! Und damit herzlich willkommen als Gastbloggerin hier auf fafine.de und danke Anna, dass du Steffi eingeladen hast. Liebe Grüße!

    • tephora
      Reply
      tephora
      16. November 2016 at 19:16

      Liebe Svenja …
      ich danke Dir für Deinen zauberhaften Kommentar und Deinen herzlichen Empfang hier auf fafine.de.
      Hast Du das Buch „zart BESAITET“ von Georg Parlow gelesen?
      Ich finde es immer wieder sehr befreiend, darin zu lesen.
      Liebe Grüße.
      Steffi

  • Reply
    Lina
    15. November 2016 at 13:31

    Hallo Steffi, auch hier meldet sich eine weitere Mimose! Ich finde, man kann diese Eigenschaft aber auch als etwas Positives deuten, denn die Empfindsamkeit geht ja sowohl in die eine, als auch in die andere Richtung: Es gibt nicht nur die negativen Gefühle in einer hohen Dosis, sondern auch die positiven, die man offensichtlich intensiver erleben „darf“ als andere :) Als ich meiner Mama mal sagte, dass ich alle Gefühle als „zu stark“ empfinde, meinte sie, dass das auch etwas Gutes hat. Während die meisten Menschen nämlich vielleicht immer gleich/auf einer Ebene fühlen, können wir „Mimosen“ facettenreicher empfinden und das ist doch besonders schön, wenn man gerade Glücksmomente erlebt.
    LG und danke für den Beitrag! :)
    Lina

    • tephora
      Reply
      tephora
      16. November 2016 at 19:05

      Liebe Lina …
      danke schön für Deinen herzlichen Kommentar.
      Ich freue mich, daß Du auch die positive Seite des Mimose-Seins erwähnst.
      Liebe Grüße.
      Steffi

  • Reply
    Silja
    15. November 2016 at 14:08

    Vielen lieben Dank für diesen Artikel. Ich habe mich auch direkt wiedererkannt, auch in den Kommentaren der anderen. Ich habe mich selbst immer als sehr emotional gesehen, aber anscheinend scheine ich auch ein sensibeler Mensch zu sein. Sehr schön und vor allem befreiend zu wissen, dass es anderen genau so ergeht. Ich freue mich schon auf mehr Artikel 💕💕💕

    • tephora
      Reply
      tephora
      16. November 2016 at 18:58

      Liebe Silja …
      danke schön für Deinen freundlichen Empfang hier auf fafine.de.
      Vielleicht magst Du mal das Buch „zart BESAITET“ von Georg Parlow lesen.
      Für mich war das eine Wohltat.
      Liebe Grüße.
      Steffi

  • Reply
    Sylvia
    16. November 2016 at 9:04

    Oh sehr cooler Gastpost. Da erkenne ich mich auch ein bisschen wieder. Bin also auch eher eine Mimose denk ich :D

    Liebe Grüsse
    Sylvia
    http://www.mirrorarts.at

    • tephora
      Reply
      tephora
      16. November 2016 at 18:53

      Liebe Sylvia …
      ich danke Dir für Deinen netten Kommentar.
      Ich glaube, daß es tatsächlich viel mehr Mimosen um einen herum gibt als man denkt.
      Liebe Grüße.
      Steffi

  • Reply
    Claudia
    16. November 2016 at 9:59

    Wie schön, von dir zu lesen!
    Ich bin auch hochsensibel. Und deine Worte kann ich voll und ganz unterschreiben. Ich bekomme immer ein bisschen mehr mit…. Von Stimmungen anderer Menschen, von Geräuschen, Gerüchen. Und so oft bin ich abends einfach nur fertig, geschafft. Und sage dann auch schon mal eine Verabredung ab.
    Nicht immer leicht. Aber auch eine Gabe, finde ich. :)
    Ich freu mich, von dir zu lesen!
    Liebe Grüße
    Claudia

    • tephora
      Reply
      tephora
      16. November 2016 at 18:42

      Liebe Claudia …
      danke schön für Deine netten Worte.
      Sich nicht unreflektiert von den Stimmungen anderer Menschen (negativ) beeinflussen zu lassen, empfinde ich oft als große Herausforderung.
      Manchmal gelingt es – manchmal nicht.
      Liebe Grüße.
      Steffi

  • Reply
    Vonderlocke
    16. November 2016 at 12:10

    Ich freue mich auf die nächsten Posts! Frostis Blog gehört zu meinem „Ich-brauch-nen-Tee-und-Zeit-für-mich-ohne -Handy“ Ritual. WIrd bestimmt spannend nun etwas von dir hier zu finden! Bonne chance!!

    • tephora
      Reply
      tephora
      16. November 2016 at 18:29

      Liebes Löckchen …
      danke schön für Deinen herzlichen Empfang hier auf fafine.de.
      Dein „Zeit-für-mich-ohne-Handy“ Ritual klingt super!
      Liebe Grüße nach Berlin.
      Steffi

  • Reply
    Irene
    17. November 2016 at 10:04

    Wundervoller Beitrag! Ich habe einen sehr, sehr sensiblen Sohn und ich bin eigentlich ganz anderes. Ihn zu verstehen fällt mir oft gar nicht leicht, weil unsere Welt oft hektisch ist und ich vergesse mir die Zeit zu nehmen um ihn besser zu verstehen.
    Vielen Dank für den Denkanstoß!

    Lg. Irene
    http://www.moliba.blogspot.com

    • tephora
      Reply
      tephora
      17. November 2016 at 20:29

      Liebe Irene …
      ich halte es für ein wundervolles Geschenk an Deinen kleinen Sohn, daß Du seine Hochsensibilität erkannt hast und versuchst, ihn zu verstehen.
      Danke für Deinen zauberhaften Kommentar.
      Liebe Grüße.
      Steffi

  • Reply
    Elfi
    21. November 2016 at 7:49

    Liebe Steffi, was für ein schöner Beitrag 💗 In meinem Leben gibt es viele Mimosen und ich bin sehr dankbar dafür. Mimosen haben ein großes Herz, sind die besten Zuhörer und durch ihre empfindsame Art eine große Bereicherung. „Meine Mimosen“ arbeiten alle in Sozialberufen, bin ja mal gespannt was mein Sohn macht. Ein Leben mit Mimosen erfordert Sensibilität dem anderen gegenüber, dass man ihn nicht überfordert und sein oft großes Herz ausnutzt und man bekommt dann soviel zurück.
    Liebe Grüße
    Elfi

    • tephora
      Reply
      tephora
      22. November 2016 at 20:09

      Liebe Elfi …
      ich danke Dir für Deinen wundervollen Kommentar.
      Als Mimose kann man glücklich darüber sein, Dich um sich zu haben.
      In einem Sozialberuf arbeite ich übrigens auch.
      Liebe Grüße.
      Steffi

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