Ich liege wach im Bett, kann nicht richtig einschlafen, rolle mich im Halbschlaf gefühlt sekündlich auf die jeweils andere Seite. Mein Herz schlägt schnell und ich habe das Gefühl ich bekomme nicht richtig Luft, dass ich irgendwie eingesperrt sei, dass eine unsichtbare Wand um mich herum sei die ich durchschlagen müsste um wieder ruhen zu können. Es ist mittlerweile 2:30 am Morgen und noch immer habe ich kein Auge zugemacht. Das neue Semester hat noch nicht einmal richtig begonnen aber meine Angst vor der Uni lässt mir keine Ruhe.
Als ich mein erstes Semester meines Studiums begonnen habe war ich einfach nur überglücklich. Endlich neue Leute kennenlernen, einen Schritt mehr in Richtung Zukunft machen. Ich habe mich schon in der Schulzeit aufs Studieren gefreut. Ich wollte lernen, viel lernen. Aber vor allem wollte ich selbständig lernen. Mich hinzusetzen und über mehrere Stunden konzentriert lernen ist für mich keine Horrorvorstellung, sondern etwas was mir sogar Spaß macht. Am liebsten gehe ich einkaufen im Schreibwarengeschäft und ich bin niemand der erst 2 Tage vor der Klausur anfängt sich den Stoff zu erarbeiten. Eigentlich bin ich das geborene Streberlein.
Die Pruefungsphase im ersten Semester erlebte ich zwar als stressig, aber nicht als Ding der Unmöglichkeit. Das Gefühl von Hilfslosigkeit, dieser Stress, kam erst im zweiten Semester, als ich durch drei meiner sechs Kurse gefallen bin. Das war ein Schock. Ich kenne die Gründe dafür und kann sie auch nachvollziehen, aber es war trotzdem ein Schlag ins Gesicht, ein ziemlich brutaler. Denn ich gab in diesem Semester so gut wie mein ganzes Sozialleben auf, um in der Bibliothek zu sitzen damit ich meine Klausuren bestehen würde.
Damit fing es also an, dass die Angst davor durchzufallen groß wurde. Es trotz all des Aufwandes nicht zu schaffen und am Ende mit den Fächern noch weiter zurück zu hängen. Denn alles was ich will ist mein Studium möglichst schnell zu beenden (was den einfachen Grund hat, dass ich nicht wirklich glücklich in meinem Studium bin, was aber ein anderes Fass öffnen würde, welches ich mir für ein anderes Mal aufspare).
Schon jetzt muss ich ein oder zwei Semester als geplant länger studieren. Was völlig normal und ok ist, dessen bin ich mir rational bewusst, aber emotional fühlt es sich so an als würde ich auf einer Stelle laufen.
Denn nur, weil man es rational versteht und weiß heißt es nicht, dass es sich auch so anfühlt.
Es fing damit an, dass ich in meinen Klausurenwochen nachts aufwachte, total gestresst und unruhig, Alpträume hatte und kaum wieder einschlafen konnte, weil ich das Gefühl hatte ich müsste mich an meinem Schreibtisch setzen und weiterlernen. Es war kein normales Gefühl von Stress, dass nach einiger Zeit wieder verfliegt. Manchmal lag ich eine Stunde wach und hatte das Gefühl auf meiner Brust lägen alle Bücher der Bibliothek und würden mir die Luft zum Atmen nehmen.
Doch mittlerweile beschränken sich diese Nächte in denen sich meine Gedanken so schnell überschlagen, dass ich sie gar nicht zu fassen bekomme, nicht mehr nur auf die Pruefungszeit. Selbst in den Semesterferien fühle ich mich als müsste ich eigentlich den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen, irgendwas tun für die Uni, in die Bibliothek gehen oder Bücher lesen.
Eigentlich weiß ich selbst gar nicht so genau was mich denn so stresst. Ein halbes Jahr, oder ein ganzes Jahr länger studieren als es vorgegeben ist wird kein Untergang sein. Durch eine Klausur durchzufallen ist nichts ungewöhnliches und sich mal überfordert zu fühlen ist auch ganz normal.
Aber genau hier gelangen wir wieder am gleichen Punkt an: Rational bin ich mir dieser Dinge bewusst! Trotzdem liege ich nachts wach und möchte manchmal einfach nur schreien und weinen, weil ich so Angst habe.
Es ist ein Teufelskreis für den ich noch keine Lösung gefunden habe.
Ich wünschte dies konnte ein kleiner Ratgeber sein, etwas mit einem Titel wie „5 Wege wie ihr entspannter durchs Semester kommt“ oder „Wie man nächtliche Stressattacken bewältigt“.
Stattdessen ist dies hier mehr eine kleine Hilfe für mich. Etwas was ich in solchen Nächten nochmal lesen kann um irgendwie eine Ordnung in meine wirren Gedanken zu bekommen, um meinen Puls so etwas runter zu bringen. Und eventuell hilft es einem/-r von euch, dem/der es so ähnlich geht, zu wissen, dass man mit diesen Gefühlen nicht alleine ist. Oder sogar ein Aufruf an euch: Habt ihr euch jemals so gefühlt? Wie geht ihr mir diesen Gefühlen um?


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