GRLPWR MODE

Trend auf Repeat

Machst du „irgendwas mit Mode“, flattern dir alle Nase lang Pressemitteilungen und Infos zu neuen Kollektionen ins Mailpostfach. Die eine oder andere schaut man sich auch vorab in einer Preview an, darf schon einmal angrabbeln oder sogar einzelne Stücke anziehen. Macht wahnsinnig Spaß und ist immer wieder aufs Neue aufregend. Besonders dann, wenn man die Freude und Aufregung derjenigen spürt, die den Launch einer Kollektion oder eines eigens umgestalteten Popup Stores von Anfang an begleitet haben. Du hörst dir teilweise aus erster Hand die Gedanken zur Kollektion an, was die Inspiration war und was der Designer ausdrücken will.

Hin und wieder komme ich aber aus dem Staunen und Kopfschütteln nicht heraus, wenn ich Kollektionen sehe, deren Kleider mich an die – aus heutiger Sicht – modischen Unfälle meiner Jugend erinnern.
Während wir in den späten 90ern und den Nuller Jahren die schwarz-weiße Adidas Sporthose mit seitlichen Druckknöpfen zu Plateausohlen Buffalos und bauchfreien Sporttops mit FILA Schriftzug trugen, dazu die Haare zu Prinzessin Leya Gedächtnisschnecken drehten und blauen Lidschatten für das Nonplusultra hielten, liegen heute Kylies Lipkits und die Contouringpaletten in den Schultüten der i-Mädchen.
Ungefähr 18 Jahre ist es her, dass ich meine Mutter um Buffalos angefleht habe, dafür zwei Mal Weihnachtsgeschenke und ein Mal Geburtstag eintauschen wollte, das geflochtene schwarze Choker Kettchen, welches als Gimmik der Bravo Girl beilag aus dem Plastiktütchen gefummelt habe und mit Freundinnen die Haare mithilfe eines Kreppeisens so crazy gekreppt habe, dass wir beinahe einen blonden Afro hatten. Farblosen Lipgloss trugen wir mit Rollersticks auf und schmierten mit den Zeigefingern den Lidschatten in Blau, Hellblau und Dunkelblau mit Glitzerpartikeln auf die Lider. Pinsel? Die waren für den Kunstunterricht, nicht fürs Make Up. Zumindest sagte uns niemand… Emma Bunton, alias Baby Spice, war das große Stilvorbild, alle anderen Spicegirls waren zu sexy. Wir trugen die Spaghettiträger Tops und Kleider über T-Shirts und Longsleeves, trugen Bandanas und zogen mit einem Lipliner, der 3 Töne dunkler war als der eigentliche Lippenstift, die Konturen unserer Lippen nach. Das war cool.

Heute, 16, 18 Jahre später, sind sie wieder da: Die Plateauschuhe, die möchtegern salonfähigen Sporthosen und die Crop Tops. Ja, auch der blaue Lidschatten, aber der wird mehr als gekonnt zum Kunstwerk am Auge verarbeitet und tatsächlich sehen die Mädels heute mit 14 nicht so aus, wie ich damals mit 14.
Rihannas Capsule Kollektion mit Puma versetzt mir einen heftigen Flashback an meine Jugend, Refinery29 lässt die Hairstyles der späten 90er und Nuller in kurzen How-To Videos wieder aufleben und auf jedem zweiten Fashion- und Styleblog findet man den Spaghettiträger-T-Shirt Look. Irgendwie sieht das toll aus, wirklich. Aber als ich heute früh mit Trägerkleid und T-Shirt darunter vor dem Spiegel stand, sah ich mein 14 jähriges Ich und zog es lachend schnell wieder aus.
Und mit einem Mal trifft mich der Schlag: Mir geht es so, wie es vielen Menschen geht, die in etwa so alt sind wie ich – Es wiederholen sich die Trends in regelmäßigen Abständen und sobald sie für eine bestimmte Generation nach uns neu und hip sind, sie die Trends neu interpretieren, moderner umsetzen, stellen sich bei uns die Nackenhaare hoch, wenn wir an kläglich gescheiterte Modeexperimente dieser Art zurückdenken. Uns geht es jetzt genauso, wie es unseren Moms ging, als wir urplötzlich mit Schlaghosen und handgeklöppelten Spitzenblusen den Boho Chic neu kreierten. Unsere Moms haben die 70er live und in Farbe miterlebt, nicht als neu interpretierten Trend.

Und eigentlich ist das wiederum das spannende an der Mode: Sie schafft nicht wirklich was neues, alles war schon irgendwann einmal da. Aber die Mode schafft es, das Alte neu zu interpretieren und tatsächlich sieht das in den meisten Fällen viel besser aus, als die vorherige Variante.
Hin und wieder muss ich aber dann für mich eingestehen, dass ich die eine oder andere Stylingschublade für mich geschlossen lasse, denn an manche modischen Fiaskos möchte ich mich nicht ein weiteres Mal versuchen, schaue mir aber gerne die Neuinterpretationen der Generation an, für die dieser Trend neu ist. Wir sitzen dann sicherlich in ein paar Jahren zusammen und denken an „damals“, während eine neue Generation erneut alte Trends auffrischt.

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9 Comments

  • Reply
    Anika
    8. September 2016 at 17:35

    Wir werden halt leider nicht jünger… aber genau das was du beschreibst, hat mich auch so schmunzeln lassen. Aber eigentlich ist doch die Zeit der Buffalos und Adidas Hosen noch gar nicht so lange her… gefühlt jedenfalls. ;-)
    LG Anika

  • Reply
    Heide
    8. September 2016 at 19:21

    Du hast SO Recht :D ich habe herrlich gelacht :) Und dass obwohl ich deutlich jünger nch bin, aber kann mich gut an den S*** erinnern :D
    Vor allem T-shirts unter Kleider oder lange T-shirts unter kurzen t-shirts… das war schon letztes mal grässlich, und ich kann es nicht mehr sehen :D

    Aber sehr schöner Artikel!

  • Reply
    QueenOfEvilness
    8. September 2016 at 22:41

    *Schmunzel* Ja wir waren verdammt cool damals mit der Addidas Hose und den Buffalos oder mit dem Rock über der Jeans!

  • Reply
    Sylvia
    9. September 2016 at 7:39

    Du sprichst mir aus der Sele. Genau deswegen habe ich heute Hemmungen mir wieder Adidas Superstars zu kaufen. Ich habe die Schuhe damals geliebt und 365 Tage im Jahr getragen bis sie hoffnungslos auseinander vielen.

    Liebe Grüsse
    Sylvia
    http://www.mirrorarts.at/ Photography/Lifestyle/Travel

  • Reply
    Josie
    9. September 2016 at 21:26

    Kindheitserinnerungen :) Während ich deinen Post gelesen habe, flackerten zwischendurch immer wieder Bilder aus der Kindheit auf haha. Ich erinner mich noch, wie toll es war, Spaghettiträgerkleider oder Tops über Shirts zu tragen. Oder diese Leggings/Rock Kobi. Auch sehr fesch. Nicht zu vergessen, der gute alte Sailormoon Pony. Was habe ich den geliebt, mit 10Tonnen Haarspray fixiert &meine Mutter hat mich nur angesehen, als wäre ich komplett verrückt.
    Ach ja, wir werden alt Anna :)

    Liebste Grüße,
    Josie von http://www.josieslittlewonderland.de

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    Claudia
    12. September 2016 at 16:48

    Danke für diesen Post voller Kindheitserinnerungen….. genau das denke ich momentan oft. Und ertappe mich dabei, Dinge, die ich lang für tot hielt, dann doch wieder auszuprobieren. Zum Beispiel habe ich seit Kurzem auch einen Choker. Aber, wie du eben sagst, neu interpretiert und irgendwie ganz schon toll.. :) Cropped Tops überlasse ich dann aber den heute 14-jährigen….wobei, stimmt nicht ganz – eins habe ich auch seit Kurzem. Kombiniert mit nem High Waist-Rock geht das auch….natürlich aus rosafarbenem Tüll, woraus auch sonst. Darüber werde ich, werden wir in einigen Jahren sicherlich auch schmunzeln.. ;)

  • Reply
    Mary
    21. September 2016 at 17:36

    Ein super Post. Als ich ihn gelesen habe, habe ich mich in die Zeit zurück versetzt gefühlt und erstmal Fotos rausgekramt eben in diesen Adidas Sporthosen mit Druckknöpfe und Buffalo Plateauschuhe. Definitiv eine Kombi, die ich nicht wieder aufleben lassen will :-) Aber witzig zu wissen, dass die jüngere Generation wahrscheinlich in 12 bis 18 Jahren genau das gleichen denken wird :-)
    Ich habe meinen Choker geliebt, nie ausgezogen. Das ist doch wie mit den Adidas Superstars jetzt sind die wieder total hip. Ich habe meine ganzjährig durchgängig getragen und auch mega lange für die Treter gespart.
    Mit 30 ist einfach alles anders :-)
    Lg Mary

  • Reply
    EVREN
    27. Januar 2017 at 16:04

    Danke für diesen Artikel voller schöner und weniger schöner Fashionerinnerungen :) Meine größte Sünde waren doch tatsächlich Plateauschuhe kombiniert zu ultrakurzen Miniröcken :)

  • Reply
    Sarah
    18. Mai 2017 at 8:51

    Ach ja ;) Die Choker-Kettchen habe ich damals schon gehasst. Ihr Revival finde ich nicht so toll.
    Aber ja, es wiederholt sich alles. Erst neulich habe ich in einem Fotoalbum meine Mum gesehen mit Leggins und einem weiten Shirt drüber, wie heute. Nur dass die Leggins hautfarben und das Shirt zu kurz war ;)

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