Allgemein

Anfang 2000. Gerade halbwegs auf dem Gymnasium eingelebt, der Eastpack voll mit Schlukram hängt in der Kniehehle, weil das cool ist und auf dem Discman oder sogar Minidiscman (jap.) singt sich Brian Molko meine Gefühle aus der Seele. Der Hosenbund der Skinny Jeans hängt knapp über dem Schambein, der Kajal ist dreilagig ums Auge geschichtet, die Lippen klebten Dank Glitter Lipgloss, die Adidas Superstars waren so weit geschnürt mit neon fat laces, dass wir sie beim Laufen fast verloren haben. Generell sind die Stylevorbilder eine Mischung aus Avril Lavigne, Christina Aguilera und Gwen Stefani oder aber die Moderatorinnen von Viva und MTV (Grüße gehen raus an Nova Meierhenrich!). Und eben das, was die Bravo Girl diktiert hat. Jamba Klingeltöne und SMS Chats waren der heiße Scheiß. Spaghettiträgertops, Adidas Knopfleistenjogginghose, Basketballshirts, Michael Joardan, Aqua und Barbiegirl, Zickzackscheitel, Schlaghosen, eBay, überzupfte Augenbrauen und Nokia 3210.

Rucksäcke, genau genommen Mini Rucksäcke, waren Key Elemente jedes Looks und wer sich heute über die Le Chiquito von Jaquemus lustig macht, hat in den 2000ern unterm Stein gelebt. War den halben Tag der Eastpack gefüllt mit dem Diercke Weltatlas, diversen Reklam Heftchen, einem riesigen Ringordner, der zerbeulten SIGG Flasche und der Tupperdose mit dem Schulbrot von letzter Woche, war es nach Schulschluss und am Wochenende zum Abhängen mit den Freunden, Austauschen der Briefbücher, heimlichem Rauchen, Berliner Weiße trinken im Alex und Referatvorbereitungen der Minirucksack. Wer genug Taschengeld oder spendable Eltern hatte, der besaß mehrere. Ansonsten war es einer, vornehmlich in schwarz oder beige. Rein passte nicht viel; vielleicht eine Packung Taschentücher, das Portemonnaie… und das Handy. Sofern man eines hatte. Das wars. Das war aber auch schon viel, wenn man bedenkt wie groß die Mobiltelefone damals waren.

Diese Omnipräsenz von Minirucksäcken und das Kommen und Gehen von Trends führte bei mir irgendwann zu einem Überdruss. Ich konnte sie nicht mehr sehen. Generell Rucksäcke und überhaupt. Zwischendurch gab es mal ein Comeback in Form von MCM und einem kurzweiligen Anfall von „ich glaub, ich brauche einen Rucksack“.

Der war aber auch zügig wieder vorbei und Handtaschen in allen Größen und Formen zog ich vor.
Letztens packte mich jedoch wieder die Lust und ich beobachtete mich selbst – wird es anhalten? Abwarten.
Monate später schlug ich zu und der Gabrielle Backpack fand seinen Weg zu mir. Spannend hier: Es gibt unterschiedliche Arten und Möglichkeiten, die zweifarbigen Trageketten zu legen und durch die Ösen zu ziehen, wodurch sich aus dem Rucksack schnell eine Crossbody Bag oder Handtasche machen lässt. Sollte ich also wieder meine Meinung ändern wollen, passt sich der Rucksack an. Der Minirucksack im Stil des heutigen Zeitgeistes – sich nicht festlegen müssen. Danke, Karl!

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