Ich erwische mich selbst recht häufig dabei wie ich Dinge tue von denen ich denke ich sollte sie tun, weil mir davon erzählt wurde, weil man mir es geraten hat, weil man mich darum gebeten hat, weil ich sie als Teil des großen Ganzen sehe und nicht nur für das, was sie sind.
Neben den Aufgaben die ich sowieso tun muss, wie für die Uni zu lernen oder mich um Teile des Haushalts zu kümmern, stellen diese Dinge nur weitere Punkte auf einer Liste mit unendlichen to-dos dar, welche ich nicht für die Tätigkeiten selbst tue, sondern für etwas höheres. Ich lerne für die Uni, weil ich den Abschluss möchte. Ich wasche das Geschirr, weil ich in einem sauberen Zuhause leben will. Ich tue dir einen Gefallen, weil du mir wichtig bist. Ich schaue dieses YouTube Video, weil ich etwas lernen möchte.
Doch dabei fallen oft die Dinge beiseite, die ich tue, weil ich einfach genieße sie zu tun. Ich möchte mal wieder egoistisch sein, was den Moment angeht.
Ich habe mir vorgenommen diesen Herbst Dinge zu tun, mit denen ich nicht nur ein höheres Ziel verfolge, sondern die sich während ich sie tue einfach gut anfühlen, weil ich denke dass ich es mir verdient habe und auch einfach, weil ich mich und mein Leben zu sehr schätze als immer nur vernünftig zu sein.
- Lesen
Ich liebe es zu lesen. Ich habe dieses Jahr viel gelesen, um mein Wissen zu vertiefen, um neue Denkanstöße zu bekommen, um zu lernen. Nicht immer hat es mir Spaß gemacht, aber ich habe es trotzdem genossen, weil ich wusste wofür ich es tue und mich interessiert hat, was ich gelesen habe. Jedoch möchte ich mir wieder Zeit dafür nehmen, Dinge zu lesen, die mich einfach entspannen und die ich genieße. Auch weil ich diese, wie ich finde, arrogante Denkweise von mir selbst überkommen möchte zu denken, ich würde nur dazulernen wenn ich Fach- und Selbsthilfebücher lesen würde. - Mehr raus gehen und dabei nicht erreichbar sein
Im vergangenen Jahr, mit nur 20 Jahren, habe ich meinen Freunden einen weiteren Grund serviert, um mich von ihnen liebevoll als Oma bezeichnen zu lassen. Sie machen sich häufig über meinen “ruhigen” Lebensstil lustig, denn ich ziehe mein Bett regelmäßig Partys vor und gebe mein Geld für ein ruhiges Abendessen statt Clubeintritt aus. Im letzten Jahr bemerkte ich dann, wie gerne ich spazieren gehe. Das tue ich seitdem auch recht häufig, aber immer mit meinem Smartphone in der Hand, falls jemand schreibt, falls jemand was braucht/möchte/will. Aber das will ich nicht mehr, ich will nicht ständig für meine Freunde erreichbar sein, ich möchte auch mal erst nach 2 Stunden (für viele ist das nicht viel, für mich schon) antworten können. Weil ich es genieße, einfach mal meine Ruhe zu haben. Und ich davon überzeugt bin, dass dieser Egoismus am Ende dazu beitragen wird, dass ich eine bessere Freundin sein kann, weil ich mich, wenn ich dann antworte, wirklich darauf konzentrieren werde und mir Zeit nehmen werde, das aufmerksam zu machen. - Stark nein und stark ja sagen
Ich bin nicht gut darin, mich zu entscheiden. Ich lasse mich nicht nur schnell von anderen überreden, sondern bin auch gut darin die Dinge ganz alleine zu zerpflücken und mir somit selbst in meine Entscheidungen reinzureden. Ich antworte dann auf Fragen wie “kommst du?” mit “wahrscheinlich schon, aber ich muss mal schauen” und es stört mich denn ich selbst bin davon genervt wenn ich unklare Antworten bekomme und möchte nicht mit dieser Doppelmoral leben. Ich stelle die Dinge in den Kontext, bekomme FOMO (fear of missing out) oder lehne ab aus Gründen wie “morgen muss ich früh aufstehen weil ich noch das erledigen wollte, und das muss ich da machen weil ich danach noch das erledigen wollte und überhaupt sowieso schwierig, denn eigentlich würde ich auch gerne entspannen und etc etc …”. Es ist Schwachsinn, denn ich schaue selten wie ich mich in diesem Moment fühle, ob ich gerade einfach Lust hätte oder nicht. Stattdessen schaue ich nur auf die Konsequenzen. Das ist zwar vernünftig, aber nicht immer nötig. - Nicht auf deine sexistischen Witze reagieren
Bei Sexismus verstehe ich im Alltag sehr wenig Spaß. Wenn ich mit engen Freunden bin machen wir ab und zu schon einen Witz über Genderklischees, aber diese mache ich auch nur mit jenen Freunden von denen ich weiß, dass der Witz aus dem Bewusstsein über Missstände kommt und nicht aus der Überzeugung, die Geschlechter würden in der Realität wirklich solchen Stereotypen entsprechen. Wenn ich in der Uni Witze über Frauen höre mache ich die Person darauf aufmerksam. Ich spreche die Person direkt darauf an um herauszufinden, was sie mir damit sagen wollte. Wenn ich als Antwort einen doofen Kommentar bekomme fange ich auch gerne eine Diskussion an. Nicht nur um der Person selbst klar zu machen, wofür ich stehe, sondern auch aus der Hoffnung heraus, dass eventuell andere Leute die uns zuhören für dieses Thema sensibilisiert werden. Und genau das ist meine Absicht: es geht nicht darum dir zu zeigen, dass ich einer anderen Meinung bin, sondern dass du für dieses Thema sensibilisiert wirst, weil ich möchte, dass irgendwann niemand mehr sagen wird, dass Frauen etwas nicht könnten oder dürften und Mädchen und Jungen dies dann anfangen zu glauben. Es entsteht aus meiner höheren Überzeugung für das ein- und aufzustehen woran man glaubt, jeden Tag. Denn Wandel kommt nicht durch “ja, sehe ich zwar auch so aber muss ich jetzt nicht drüber sprechen”.
Aber ich möchte es mal nicht tun, ich möchte nicht immer meine Position erklären. Ich möchte dich auf dein Verhalten aufmerksam machen, mit einer Frage, einem Kommentar oder einem Blick, damit du für dieses Thema sensibilisiert wirst. Wenn du dann doof reagierst, möchte ich auch einfach mal gar nicht reagieren. Ich will den Moment dann einfach nur nehmen wie er ist und ihn dann ziehen lassen.
Eine gesunde Portion Egoismus hilft dabei, glücklich zu sein.
Am Anfang sprach ich davon einfach mal Dinge tun zu wollen, weil sie in dem Moment gut sind, nicht um ein “höheres Ziel” zu verfolgen. Dass es uns glücklich macht von Zeit zu Zeit solche Dinge zu tun ist für mich einfach eine Konsequenz. Natürlich kann man hinter allem was man tut immer etwas größeres sehen, das Big Picture. Aber genau darum geht es: dieses Verhalten einfach mal abstellen. Nicht im großen ganzen denken, sondern in dem Moment. Dies ist kein Appell daran jeden Moment zu etwas großem zu machen, denn daran glaube ich nicht. Aber von Zeit zu Zeit einfach mal sagen: Das mache ich jetzt einfach so, das ist jetzt einfach so. Das hat keinen höheren Grund, das passiert nicht aus irgendeinem Kontext heraus, sondern das ist jetzt einfach so.


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