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Wenn Heimat nicht gleich Zuhause ist

Hamburg, die schönste Stadt der Welt. Wie häufig ich das schön gehört habe. Wie oft meine Freunde von ihrer Geburtsstadt, ihrem Zuhause schwärmen. Wie viele Zugezogene es doch gibt, denen es Hamburg einfach angetan hat. Das Maritime, die Vielfalt, die Schanze und der Jungfernstieg. Man liebt Hamburg einfach. Trotz des ständigen Regens und Windes, trotz der nordischen Distanziertheit, trotz der Mieten, die wie in so vielen anderen deutschen Großstädten eine absolute Frechheit sind.

Ich bin zwar nicht in Hamburg geboren, aber in seinem nahen Umland aufgewachsen seit ich 3 bin. Ich bin im Süden Hamburgs zur Schule gegangen, habe an der wunderbaren Hoheluftbrücke gewohnt, studiere im Zentrum. Aber so richtig zuhause fühlen tue ich mich nicht…

Mich hat es schon immer in die Welt hinaus gezogen. Fernweh hatte ich immer häufiger als Heimweh und auch als ich in meinem Auslandssemester war, hatte ich zu keinem Zeitpunkt richtiges Heimweh.
Mein Geld gebe ich am liebsten für Reisen (und Essen, vor allem Essen auf Reisen) aus. Ich liebe es einfach neue Orte zu entdecken und ich wollte immer raus und neues sehen. Aber ist es nur das Interesse an neuen Dingen?

Oder ist es ein Weglaufen?

Das Bedürfnis wegzulaufen hatte ich häufig. Lange habe ich mir gesagt dass es am Alter liegt, an der Pubertät oder solchen Dingen. Aber nach der Pubertät hörte das Gefühl nicht auf.
Ich habe mich irgendwann sehr unwohl gefühlt und irgendwie dieses Gefühl gehabt Fehl am Platz zu sein. Aber wie soll das gehen? Fehl am Platz an dem Ort an dem ich aufgewachsen bin, in einer Stadt die so viele Tausende so sehr lieben? Wie kann das nicht mein Ort sein? Und womit fühle ich mich eigentlich so unwohl?
Egal an welchem Ort ich ging, in welche Stadt ich fuhr, ich fühlte mich dort wohler als in der Stadt, die ich so gerne so lieben würden wie andere es tun.
Und es liegt gar nicht mal daran dass ich hier schon alles kenne, im Gegenteil, es gibt noch so irre viel zu entdecken in Hamburg! Aber lieber würde ich neue Orte in anderen Städten entdecken…

Während meiner Zeit in Rotterdam war ich unfassbar glücklich. Und nicht nur ein oder drei Tage die Woche, so wie ich es gewöhnt war, sondern die ganze Zeit. Glücklich sein war meine Grundstimmung und nur wenn etwas negatives passierte konnte dies meine Stimmung trüben. Ich dachte dass es an Erasmus liegen muss, dass ich in Rotterdam so glücklich war und in Hamburg nicht. Ich unterhielt mich mit den anderen darüber (welche ihr Zuhause häufig vermissten und von ihren Heimatstädten schwärmten), aber irgendwie schien ich die einzige zu sein bei der es so einen heftigen Unterschied im Glücksgefühl gab.
Zurück in Hamburg kam dann dieser Schlag ins Gesicht. Ich fühlte mich noch viel mehr fehl am Platz, mehr als je zuvor. Als ich dann nach Barcelona ging kam meine Freunde zurück, das Glück kam zurück. Ich fühle mich in Barcelona schrecklich zuhause, aufgenommen und wohl. Ich fühle mich da einfach gut, ohne das was los ist. Ich stehe auf und freue mich auf den Tag. Bin einfach glücklich. Gehe raus in die Straßen und alles fühlt sich anders an. Anders als in meiner Heimatstadt. Ein Glücksgefühl, welches ich so in Hamburg gar nicht habe.

Zurück in Hamburg geht es mir zwar gut, aber anders. Dieses schöne Gefühl “richtig” zu sein ist weg. Am richtigen Ort, mit den richtigen Leuten, zur richtigen Zeit. Oder wenigstens nur eine dieser drei Sache…

Ich fange an mich mehr damit zu beschäftigen denn es lässt mich nicht los. Woran verdammt liegt es? Und bin ich denn die einzige?
Ich lerne ein neues Mädchen an der Uni kennen und unterhalte mich mit ihr nach einiger Zeit über genau diese Dinge. Und sie versteht mich. Ihr geht es so wie mir, wenn sie woanders ist ist sie glücklicher. Sie mag Hamburg, aber will trotzdem so schnell wie möglich weg von hier.
Das erste Mal dass mich jemand versteht bei diesem Thema.
Denn es ist nicht so als fände ich Hamburg nicht schön. Ich mag Hamburg sehr gerne, ich bin froh dass ich hier aufgewachsen bin, im Süden vom Norden, in einer Stadt die pulsiert und so viele Facetten hat.
Aber es ist nicht meine Stadt für immer. Es ist nicht der Ort an dem ich voll glücklich sein werde.
Es tut gut jetzt zu wissen dass es Orte gibt, an denen ich glücklicher sein kann als hier. Diese Angst, die von dem Gefühl kommt fehl am Platz zu sein, dass man vielleicht nirgends reinpassen könnte, ist nicht mehr da.
Aber besonders gut tut es endlich zu wissen warum ich mich hier nicht so wohl fühle, nicht so richtig zuhause, hier nicht mehr leben möchte und so sehr woanders hin möchte. Ich kenne endlich die Gründe dafür, die doch sehr persönlich sind.
Hamburg bleibt immer meine Heimat, mein Heimathafen, aber es ist nicht mein Zuhause.

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