Ich habe das Gefühl, ich befinde mich in einer Zeit des Lernens.
Natürlich befindet man sich fast immer irgendwie in einer Zeit des Lernens, man lernt angeblich sein ganzes Leben lang dazu. Aber das lernen jetzt fühlt sich anders als, als zuvor. Bewusster.
Seit meines Abiturs vor 3 Jahren habe ich das Gefühl, dass die Erfahrungen die ich mache nicht einfach nur Lektionen mit sich bringen, an denen ich wachse, sondern als wären es Grundsteine. Als würde ich neue Grundsteine legen für all die verschiedenen Bereiche im Leben, in welchen man im Laufe der Jahre weiser wird. Ein Grundstein für Liebesbeziehungen, einer für Freundschaften, einen für der Lernen selbst, für mich selbst… und auf diesen werde ich neu dazu gewonnenes Wissen aufbauen, dazu bauen, verfeinern, ausbessern. Und auch als läge es irgendwie in meiner Verantwortung diese Grundsteine bewusst zu legen.
Als Kind oder Teenager lernt man auch jeden Tag dazu. Warum man teilen sollte, wie sich jemand fühlt wenn man etwas gemeines sagt, man lernt dass diese Konzepte Fairness und Empathie heißen und was noch alles dazugehört und wieso diese Dinge in einer Gesellschaft geschätzt werden. Man hangelt sich jeden Tag ein kleines Stück weiter, ohne es wirklich mitzubekommen. Man schaut aber auch nicht wirklich zurück, denn die Sprünge die man zurücklegt scheinen einem zu offensichtlich. Warum auch sollte sich eine 15 jährige mit einer 12 jährigen vergleichen?
Jedoch ist das anders wenn man 21 ist und vielleicht auf sein 18 jähriges ich zurückschaut.
Seit ich volljährig bin und die Schule abgeschlossen habe, was für mich ungefähr zum gleichen Zeitpunkt passierte, sind die Dinge anders.
Und ja, natürlich sind sie das, es ist normal dass sich in dieser Zeit einiges ändert.
Doch auf diese Dinge muss man sich einstellen, sie zwingen einen anders zu wachsen, als man es davor tat. Das Wachsen als Jugendlicher ist etwas so natürliches, dass man es kaum mitbekommt, weil fast alle um einen herum mit einer ähnlichen Geschwindigkeit Erfahrungen machen und dazu lernen. Man hat meist keinen Druck wachsen zu müssen, weil es wie gesagt so natürlich passiert.
Doch irgendwann spürt ganz bewusst, dass man es muss. Man muss um das zu schaffen und zu verstehen, was vor einem liegt.
Und vielleicht ist es auch die Realisation, dass Wachstum plötzlich etwas ganz persönliches ist, nichts mehr kollektives, was einen dazu bringt sich bewusster damit auszusetzen, was passiert und was passieren soll.
Die Erfahrungen die ich in den letzten Jahren machte waren anders als alles andere, was man davor erlebt hat. Es ist mit nichts zu vergleichen, weder mit der eigenen Vergangenheit noch mit den Erfahrungen von anderen.
Ist es das, was Entwicklung so persönlich macht? Dass man plötzlich nur noch wenig hat, mit dem man sich vergleichen kann?
Ich werde beispielsweise (vermutlich deutlich) über die Regelstudienzeit hinaus studieren, obwohl alle von mir erwartet haben, dass ich die Erfolgreichste sein werden. Doch hat überhaupt jemand das erwartet, als er mir sagte er glaube daran, dass ich erfolgreich sein werde?
Natürlich gibt es tausende Studenten die nicht in Regelstudienzeit studieren, doch können wir uns vergleichen?
Ich habe die Erfahrung machen müsse, dass jemand der ich sehr liebe stark erkrankt ist und ich da sein musste, mich auch einfach nicht lösen konnte. Daher habe ich in den ersten beiden Jahren meines Studiums nicht das erreichen können, was ich unter anderen Bedingungen erreicht hätte. Jedoch habe ich weitergemacht und alles gegeben, was ich konnte.
Aus der Erfahrung habe ich sehr viel gelernt, lerne daraus noch immer jeden Tag dazu, weil ich die Welt heute anders sehe, als davor.
Meinten die Menschen wenn Sie mir sagten dass sie glauben ich werde erfolgreich sein vielleicht, dass sie daran glauben, dass ich auch in schweren Situationen weiter einen/meinen Weg gehen werde?
Ich habe bewusst in dieser Erfahrung gelernt, ich fühlte mich auch gewissermaßen gezwungen mich in dieser Zeit jeden Tag mit mir selbst auseinanderzusetzen, um durch diese Zeit zu kommen. Es war das erste Mal in meinem Leben dass ich mich bewusst mit meiner eigenen Entwicklung auseinandersetze und nach Wegen suchte, zu wachsen.
Was Wachstum für einen bedeutet kann und muss jeder selbst entscheiden, für mich bedeutet er vor allem Lernen. Und genau das tue ich.
Nach dem Abitur mit der Realisation dass mein Wachstum jetzt bewusst an mir liegt da es kein Kollektiv mehr gibt, welches meine Entwicklung trägt. Und auch die Akzeptanz darüber, dass Veränderungen zwar meistens zum Großteil in meinen eigenen Händen liegt, aber dass ich ach ein sehr fühlender Mensch bin der somit stark auf das Geschehen in seiner Umfeld reagiert, wie zum Beispiel die Erkrankung eines geliebten Menschens. Oder zu reflektieren, was die Erwartungen die andere an einen haben genau bedeuten und was dahinter stecken mag. Verstehen, dass selbst Dinge die so öffentlich und vergleichbar scheinen wie der eigene Werdegang, sehr viel komplexer und persönlicher sein können als man es zunächst erwartet hatte.
Ich versuche heute so bewusst zu lernen wie es mir möglich ist, in dem ich Zuhöre, nicht nur anderen sondern auch mir selbst durch Reflektion und Ruhezeiten, ich lese und reise um mehr herauszufinden und mehr zu verstehen. Und ich versuche mir täglich bewusst zu machen: Du befindest dich in einer Zeit des Lernens! Damit ich nicht aufhöre und damit ich hungrig bleibe, damit ich mir dessen bewusst bleibe, dass mein Wachstum in meiner Hand liegt und ich jeden Tag die Möglichkeit habe, darüber zu entscheiden. Und ich hoffe, dass ich niemals aufhören werde mir das zu sagen und immer das Gefühl haben werde mich in einer Zeit des bewussten Lernens zu befinden.

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