Erdbeerwoche. DIE Woche. Tage. Hm-na-du-weißt-schon. Die rote Tante ist zu Besuch…
Jedes Mal, wenn ich das höre muss ich es mir verkneifen zurückzurufen “DU MEINST, DU HAST DEINE PERIODE???????”.
Selbstverständlich mache ich das nicht, ich respektiere voll und ganz, dass es vielen Frauen sehr unangenehm ist über ihre Periode zu sprechen und auch das Wort “Periode” oder “Regelblutung” zu benutzen. Es ist völlig in Ordnung, weil es verständlich ist.
Periode ist etwas was in der Öffentlichkeit mit vorgehaltener Hand besprochen wird. Während es beim Mädelsabend überhaupt kein Problem ist darüber zu sprechen, hat es im öffentlichen Raum nichts zu suchen. Kommt die Periode mal überraschend fragt man sich flüsternd um, ob jemand einen Tampon oder eine Binde dabei hat, bei Unterleibsschmerzen ist es meistens “Bauchweh” das man hat und wenn man PMS geplagt ist dann antwortet man auf die Frage „Alles ok?“ der Einfachheit halber oft einfach lieber dass man sich heute einfach nicht so gut fühle, wenn man es denn überhaupt sagt und nicht mit einem “alles bestens!” überspielt.
Die Hälfte der Weltbevölkerung ist zu jeder Sekunde, egal in welcher Zeitzone, hiervon betroffen. Wobei man es traurigerweise als Erfolg betrachten müsste, wenn es so wäre, denn in vielen Kulturen wird der Zeitpunkt im Zyklus, an welchem es zur Blutung kommt, immer noch als etwas unreines, unheiliges oder dreckiges angesehen und Frauen werden zu dieser Zeit teilweise vom öffentlichen Leben ausgeschlossen. Daneben stellt für viel zu viele Frauen auf dieser Welt die Blutung jedes mal ein gesundheitliches Risiko und eine hygienische Hürde dar, da ein Zugang zu verlässlichen Hygieneprodukten nicht gewährt ist und eine Möglichkeit sich selbst zu waschen oft einfach nicht besteht.
Trotz dieser Missstände die unbedingt mehr Aufmerksamkeit verdienen möchte ich mich hier gerne auf die Wahrnehmung des Menstruationszyklus im Westen (Anmerkung: Auch im Westen sind Frauen von oben genannten Problemen betroffen) konzentrieren und einfach mal die Frage in den Raum stellen:
What the actual fuck?!
Es kann doch wohl bitte nicht sein dass ich mit 20 immer noch von anderen Frauen Reaktionen wie “oh bitte sowas muss man doch echt nicht mitteilen” bekomme, wenn ich sage, dass es mir schlecht geht, weil meine Blutung vor einem Tag eingesetzt hat.
Es kann doch wohl auch nicht angehen dass ich mir an einem schlechten Tag halb patzig anhören muss “Hast du deine Tage oder was?” (vor allem wenn es von einem Mann kommt). Sag mal bitte weißt du überhaupt was in meinem Körper passiert damit er sich darauf vorbereiten kann einen verdammten Menschen darin heranwachsen lassen zu können, nur um das dann wieder abbauen zu müssen? Vielleicht macht mich das nicht zu einem Superhelden (vielleicht aber doch ein bisschen), aber ein Funken Verständnis dafür, dass ich meine Hormone leider nicht steuern kann und ich nicht zu jeder Sekunde volle Kontrolle und Selbstbeherrschung lebe. Natürlich ist das keine Entschuldigung unhöflich zu anderen zu sein oder auf irgendeine Art und Weise schlechter mit den Menschen im eigenen Umfeld umzugehen, aber wenn mir trotz schwersten Zusammenreißens eine Träne über die Wange läuft, aus welchen Gründen auch immer, dann werde ich mich sicher nicht dafür entschuldigen.
Natürlich betreffen nicht alle Frauen die gleichen Zyklus Rhythmen, die gleiche Stärke der Blutung oder die gleichen “Begleiterscheinungen”. Während eine Frau mit Krämpfen, +2kg Wassergewicht und weinen 8 Tage im Bett liegt, mag eine andere 4 Tage mit hauchdünnen Slipeinlagen auskommen und nicht verstehen, wie es anderen so schlecht gehen kann, weil bei ihr alles ok ist. Es hängt von etlichen Faktoren ab, wie der Zyklus bei einer Frau aussieht und wie sie sich währenddessen fühlt.
Jedoch ist das nie nie nie, wir wiederholen nochmal alle gemeinsam: NIE, ein Grund dafür so zu tun, als sei der Menstruationszyklus etwas das nur hinter geschlossenen Türen überhaupt erwähnt werden sollte oder als sei es sogar ein Tabuthema, über welches Frauen zu schweigen hätten.
Es Bedarf keiner Sätze wie “Natürlich ist es normale seine Tage zu haben, aber ich muss ja trotzdem keine Details davon wissen wie das bei anderen aussieht”, denn es ist selbstverständlich, dass keiner vor hatte nun bei whatsApp Videos davon zu verschicken wie es aussieht, wenn die Menstruationstasse entnommen wird.
Es ist ja nicht so als würde ich dir mit meinem Tampon vor der Nase rumfuchteln wollen, aber bitte hör auf rumzujammern wenn du als erwachsene Person an einem Tisch sitzt und sich jemand den Bauch hält und sagt, diesen Monat hätte es sie hart erwischt.
Woher dieser Ekel vor der Periode kommt ist leicht nachzuvollziehen, historisch wie auch logisch, jedoch ist es kein Grund dafür, dass Mädchen 2018 noch immer so heimlich wie möglich danach fragen müssen, ob wohl jemand einen Tampon dabei hätte.
Ein selbstbewusster Umgang mit dem Zyklus des eigenen Körpers ist vor allem eine Errungenschaft des Alters, der Jahre, der Erfahrung. Sich nicht dafür zu schämen zu sagen warum es einem gerade nicht so gut geht. Nicht auf angewiderte Blicke oder Reaktionen wie “boah bitte! Kannst du sowas nicht für dich behalten?” zu stoßen wenn man erwähnt, dass man gerade seine Blutung hat. Warum können das nicht Werte sein, die wir von Anfang an mitgeben? Und zwar allen, nicht nur jungen Mädchen, bei denen gerade die erste Blutung eingesetzt hat.
Irgendeine Person in deinem Umfeld hat jetzt gerade ihre Periodenblutung, eine andere kämpft gerade mit PMS, eine andere feiert dass die Tage endlich um sind, wieder eine andere interessiert es nicht die Bohne, weil sie kaum etwas von ihrem Zyklus merkt. Es geht nicht darum zu wissen wen es gerade wie betrifft und wie man mit der Person nun umgeht, sondern darum nicht so zu tun als wäre es etwas ungewöhnliches, ekliges oder so privates, dass es nicht erwähnt gehört.
PERIODE IST NORMAL, also behandeln wir das Thema doch bitte auch so.


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