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Menstruationstasse. Tagefänger, Menstasse, Mooncup oder auch Menstruationsbecher. Das kleine, bunte Accessoire, welches leider noch immer für hochgezogene Augenbrauen und fragende Blicke in der Hygieneabteilung in der Drogerie sorgt, scheint auch nach Jahren auf dem Markt für viele ein Buch mit sieben Siegeln zu sein.
Menstruationstasse. Das Wort kann man erstmal so sacken lassen. Besonders schön klingt es nicht, eher etwas befremdlich und man hat ein Bild im Kopf, welches auch irgendwie nicht ganz passt und was es genau sein soll, kann man sich nur grob vorstellen, wenn man das Wort zum ersten Mal hört.
Eigentlich fast unmöglich, denn Menstruationstassen sind besonders in den letzten zwei Jahren stark ins Gespräch gekommen und haben sehr an Aufmerksamkeit gewonnen – es gibt nicht nur extrem viele verschiedene Modelle, sondern sogar Beratungsseiten, wie den Tassenfinder, die einem dabei helfen, das richtige Modell zu finden. Ist nämlich tatsächlich alles gar nicht so einfach, die passende Tasse für sich, seine Bedürfnisse, seinen Körper und vor allem auch bei dem enormen Angebot zu finden. Tasse ist nicht gleich Tasse und nicht für jeden Körper jeder Frau in jedem Alter passend. Überrascht?
Bei genauerem Nachdenken sollte das eigentlich klar sein, dass ein junges Mädchen definitiv eine andere Tasse benötigt, als eine ältere Frau, die bereits 2 Kinder spontan zur Welt gebracht hat. Nur mal so als eindeutiges Beispiel.
(FOTO TASSEN)
Ich würde mich persönlich schon fast als Fan der Menstruationstassen bezeichnen, da ich so unfassbar glücklich darüber bin, wie viel entspannter sie meinen Alltag gemacht hat und auch, wie ich durch so etwas simples wie eine Menstruationstasse zu so viel mehr Selbstbewusstsein und Akzeptanz für meinen eigenen Körper gekommen bin. Die richtige Tasse für mich zu finden, war auf eigene Faust etwas kompliziert und das Angebot war überwältigend – letzten Endes hat der Tassenfinder mich jedoch in die richtige Richtung geschubst.
Aber nicht nur das eigene Körpergefühl, sondern auch die vielen anderen positiven Aspekte waren der Grund für mein Überlaufen vom handelsüblichen Tampon zur Menstasse und warum ich so viel glücklicher mit meinen Tassen bin, als mit Tampons oder Binden.
Doch was genau sind die Vorteile der Mentruationstasse? Oder auch: Wieso du unbedingt eine Menstruationstasse ausprobieren solltest:
- Nachhaltigkeit
Eine Menstruationstasse ist viel umweltfreundlicher als Tampons oder Binden. Mit herkömmlichen Produkten wird im Laufe des Lebens eine enorme Menge an Abfall produziert, mal ganz davon abgesehen dass jeder Tampon und jede Binde aus hygienischen Gründen mit Plastik umwickelt wird. - Body Awareness
Die Benutzung oder auch schon das Auseinander setzen im Vorfeld mit den Menstruationstassen hilft, den eigenen Körper kennenzulernen und auch ihn besser zu verstehen. Die Tasse ist ein guter Weg um zu lernen, wie stark die eigene Regelblutung in welchem Stadium ist, was für eine Art Blutung man hat (ich war mir vor der Benutzung gar nicht der Konsistenz der Blutung bewusst und frage mich jetzt, um ehrlich zu sein, wie ein Tampon überhaupt das leisten kann, was die Tasse leistet). Diese Beobachtungen und Learnings helfen, sich selbst näher zu kommen, seinen Körper kennenzulernen und sich besser auf zukünftige Perioden einzustellen. - Flexibilität
Es kann einem nie wieder passieren, dass man unterwegs ist, der Tampon überläuft und nervös wird, weil man weder Tampon noch Binde zum Wechseln dabei hat. Die Menstruationstasse wird einfach entleert, kurz gesäubert und kann direkt wieder eingesetzt werden. Die dadurch entstandene Freiheit und vor allem Flexibilität ist im Alltag Gold wert und befreit einem von den „Hoffentlich habe ich genug Tampons dabei!“ Gedanken. - Selbstbestimmung
Was ich mir immer wieder sagen muss: Mein Körper ist mein Körper und ich entscheide und weiß wie ich mich fühle! Nicht die Werbung. Nicht mein Umfeld.Oft suggeriert die Werbung oder auch das Umfeld, dass die Periode eine unangenehme Sache sei, welche man überspielen, verheimlichen und mit sich selbst ganz allein ausmachen sollte. Aber ich sehe das anders.
Wenn ich mich in der Zeit während meiner Tage nicht gut fühle, dann ist das so und ich möchte nicht für jemand anderen so tun, als wäre alles ok, nur weil es anderen Menschen unangenehm sein könnte zu wissen, dass ich meine Periode habe. Die Tasse hat mir sehr dabei geholfen, mich auch mit dieser Thematik auseinander zu setzen. Ein Segen für den Geldbeutel
Wem die bisherigen Gründe zu esoterisch waren, wird vielleicht jetzt neugierig: Die Kosten für eine Menstruationstasse sind äußerst gering. Je nach Hersteller haben diese Tassen natürlich verschiedene Preise. Von 14€-60€ ist alles dabei. Teuer heißt in diesem Fall natürlich nicht, dass diese Tasse besser ist als die günstigste. Hier steht noch immer der passende Fit im Vordergrund. Jedoch ist für den Preis auch die Haltbarkeit dementsprechend: Manche Hersteller versprechen eine Lebensdauer von 10 Jahre. Was man in dieser Zeit für Tampons ausgibt kann man sich easy ausrechnen. Was für eine Müllproduktion dadurch entsteht, kriegt man auch schnell im Kopf zusammen.
- JEDER kann sie benutzen
Mittlerweile ist der Markt für Menstruationstassen stark gewachsen und für jedes Bedürfnis, jeden Körper und jedes Erfahrungslevel von Einsteiger bis Profis gibt es das passende Modell. Das richtige Modell zu finden ist auch gar nicht mehr schwer, wenn man weiß, wo man sich erkundigen kann: Es gibt fantastische Beratungsseiten, wie zum Beispiel tassenfinder.de, die eine immense Datenbank mit nahezu allen auf dem befindlichen Menstruationstassen haben und anhand eines ausführlichen Fragebogens und den Antworten Empfehlungen herausgeben.
Ganz simpel wird ein Multiple Choice Fragebogen geklickt, um so mehr über deine Beckenbodenmuskulatur zu erfahren. Besonders praktisch ist es, dass dabei so viele Faktoren berücksichtigt werden, die man selbst vielleicht gar nicht im Kopf hatte, wie beispielsweise: Belastung des Beckenbodens, ob man bei gewissen Bewegungen Urin verliert oder nicht, ob man bereits Kinder bekommen hat… You get it. Daher ist Tasse nicht gleich Tasse – einige sind anders geformt, flexibler, starrer, größer, kleiner… Die Wahrscheinlichkeit, dass Anna und ich dieselbe Tasse nutzen würden, ist äußerst gering. Der Test gibt aber perfekt Aufschluss und empfiehlt am Ende die perfekte Tasse für jede Frau ganz individuell. - Keine „Muss ich bald wieder wechseln?!“ Panik
Kein Zeitdruck: Die Tasse muss nicht so häufig wie Tampons oder Binden gewechselt werden. Für manche Frauen reicht es vollkommen aus, die Tasse einmal am Morgen und einmal am Abend zu entleeren! Gerade auf Reisen ein absoluter Segen. Das sind jedoch Learnings, die du für dich selbst machst, wenn du dich mit dir und deinem Körper auseinander setzt. - Unangenehme Nebensache: Geruch & Trockenheit
Ein unangenehmer Nachteil an der Periode und der Verwendung von Tampons (und Binden) ist oft der unangenehme Geruch und das Trockenheitsgefühl zum Ende der Periode. Bei der Verwendung der Menstruationstasse braucht man sich überhaupt keine Gedanken um Geruchsentwicklung machen, denn es findet schlichtweg keine statt! Und Trockenheit wird dadurch vermieden, dass die Tasse wirklich nur die Blutung auffängt, ohne dabei die Schleimhäute auszutrocken. - Toxisches SchocksyndromImmer mehr Berichte über TSS erscheinen in der Presse und warnen davor, Tampons zu lange im Körper zu lassen. Das Auseinandersetzen mit sich, seinem Körper und seiner Periode findet weniger intensiv statt, wenn man einfach einen Tampon einführt und wartet, bis er schon halb rausfällt, weil er vollgesogen und kurz vorm Überlaufen ist. Das Toxische Schocksyndrom ist kein Spaß und hat bereits einigen Frauen gesundheitlich geschadet. Schuld an der Infektion waren Bakterien, genauer gesagt das Bakterium Staphylococcus aureus und die von ihm produzierten Gifte, die durch den Tampon in den Körper gelangten. Das Toxische Schocksyndrom tritt zwar insgesamt sehr selten auf. Doch wenn, trifft es häufig Frauen und Mädchen, die während ihrer Monatsblutung stark saugfähige Tampons benutzen. Zu den Symptomen der Krankheit zählen hohes Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Schwindel, extrem niedriger Blutdruck, Muskelschmerzen und ein Sonnenbrand ähnlicher Hautausschlag.
Und der für mich persönlich „schönste“ Punkt… - Zu sich selbst stehen
Die Periode ist ein Thema, welches in der Öffentlichkeit vermieden oder lächerlich verschönert wird so gut es geht (besonders in Werbespots für Slipeinlage. Wer kommt bitte darauf, dass eine Slipeinlage mich zum glücklichsten Mensch der Welt machen wird?). Es wird so getan, als existiere die Regelblutung nicht und in der Öffentlichkeit sollte man auch kein Wort darüber verlieren. Gemeint ist damit nicht eine ausführliche Beschreibung der Blutung, sondern das simple Aussprechen seiner Situation. Aus Unterleibsschmerzen werden Bauchschmerzen und die Regelblutung wird zur „Erdbeerwoche„. Oder man hat „Besuch vom roten Indianer„.
Dabei ist der weibliche Zyklus wohl das normalste der Welt – ohne ihn wären wir alle nicht hier. Ungefähr die Hälfte der Weltbevölkerung(!!!) ist damit konfrontiert, warum also so tun, als wäre es etwas schmutziges oder was nur mit vorgehaltener Hand erwähnt werden sollte? Etwas, das verheimlicht, vertuscht oder runtergespielt werden sollte?
Man stelle sich vor, wir Frauen erledigen unsere Arbeiten, unseren Job und unser Leben, während wird bluten wie abgestochen. Von den teilweise sehr starken Schmerzen mal abgesehen.
Für mich war es rückblickend befreiend, eine Tasse für meine Regelblutung zu benutzen. Ich war so daran gewöhnt den monatlichen Zyklus meines Körpers verstecken zu müssen, dass ich auch anfing den natürlichsten Vorgang einer jeden Frau vor mir selbst zu verstecken…
Die Benutzung der Tasse hat mir gezeigt, dass in mir, in meinem Körper nichts passiert was eklig, unnormal ist oder wofür ich mich schämen sollte, sondern meine Regelblutung ein Vorgang ist, für den ich dankbar sein sollte. Ist die Regelblutung intakt, ist mein Körper gesund.
Natürlich posaune ich es auch heute nicht in die Welt hinaus, wenn ich meine Periode habe; gibt ja auch keinen Grund dazu. Aber es bedeutet mir viel, diese Scham vor mir selbst, welche ich als junges Mädchen entwickelt habe, ablegen konnte und mehr zu mir und meinem Körper stehe, als je zuvor.
Doch was genau ist eine Menstruationstasse?
Würde ich sie selbst beschreiben müssen, wären meine Worte in etwa so:
Ein kleines, buntes Tässchen, welches mir als Frau mehr Freiheit, Flexibilität und vor allem mehr zu mir selbst verhalf, als ich es mir jemals hätte denken können. Ein kleines Becherchen, welches – sofern es perfekt zu meinem Körper passt – verlässlicher während der Regelblutung ist, als es ein Tampon je sein könnte.
Eine offizielle Beschreibung von dem was eine Menstruationstasse genau ist, wie sie aussieht, wie man sie richtig benutzt, reinigt und vor allem für sich findet, könnt ihr hier auf tassenfinder.de ausführlich lesen!
und ich?
Ja, ich habe die Menstruationstasse schon verwendet und verwende sie immer noch. Angefangen habe ich damit vor circa zwei Jahren, weil ich sie einfach mal ausprobieren wollte; eher als eine Art Experiment. Ich möchte nicht lügen: Die erste Periode damit war holprig, ich habe mich nie zuvor wirklich mit meinem Körper auseinander gesetzt, daher kannte ich mich selbst einfach kaum. Doch schon beim zweiten Zyklus konnte ich „mein Inneres“ so viel besser einschätzen und seitdem hatte ich nie mehr Probleme mit Auslaufen oder anderen Punkten, die man vielleicht im Kopf hat, die gegen eine Menstruationstasse sprechen könnten. Auch was die angebliche Scham angeht, in einer öffentlichen Toilette die Tasse zu reinigen ist für mich totaler Unfug. Das funktioniert diskret und ohne Aufsehen.
Für mich stellt die Menstruationstasse eine absolute Befreiung dar und ist viel mehr als nur ein Monatshygieneprodukt. Sie hat für mich viel mit Selbstbestimmung zu tun, aber auch meinen Körper zu akzeptieren, wie er ist, meine Periode zu akzeptieren und meinen Körper kennenzulernen. Es ist für mich ein Schritt zur Akzeptanz von Natürlichkeit! Aber an manchen Tagen auch einfach nur eine Art der Bequemlichkeit, da ich die Verwendung einer Menstruationstasse um einiges einfacher und bequemer finde, als die Verwendung von Tampons oder Binden.
Zudem bin ich begeistert davon, dass sie so viel personalisierter ist, als ein Tampon. Ja, ein Tampon gibt es in verschiedenen Größen, genauso wie Binden, jedoch werden bei der Menstruationstasse viel stärker die Faktoren beachtet, die jede Frau so individuell machen und Beratungsseiten wie den tassefinder von Inka und Christoph beweisen auch genau das.
Und was denkt ihr über Menstruationstassen? Habt ihr solch eine Tasse schon mal ausprobiert und was sind eure Erfahrungen damit?
Mich würde es sehr interessieren was eure Gedanken, Meinungen oder auch Fragen zu diesem Thema sind!

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